RindRinderhaltungWas Rindern Angst macht

Was Rindern Angst macht

Mit der Kuhbrille wird die visuelle Wahrnehmung der Rinder simuliert.
Quelle: LK NÖ

Grundsätzlich meiden Rinder alles, was ihnen Angst macht. Wird ein Rind zum Beispiel, von einem dunklen in einen sehr hellen Stallabschnitt getrieben, wird es im ersten Moment geblendet und bleibt mit großer Wahrscheinlichkeit stehen, bis sich die Augen auf die neuen Lichtverhältnisse eingestellt haben. Wird das Rind in dem Moment noch zusätzlich angetrieben, verbindet es diese Situation mit Stress. Im Gehirn wird diese Erfahrung gespeichert und wieder abgerufen, wenn dieselben Bedingungen wieder eintreten. Rinder meiden zukünftig solche Orte. Im Gehirn wird diese Erfahrung gespeichert und wieder abgerufen, wenn dieselben Bedingungen wieder eintreten. Rinder meiden zukünftig solche Orte. In diesem Fall ist die einfachste Lösung, die Lichtverhältnisse in den einzelnen Aufenthaltsbereichen anzupassen oder dem Rind genügend Zeit zu lassen, um sich darauf einzustellen.

Wenn Sie also einfacher mit Rindern arbeiten wollen, sollten Sie folgende Angstauslöser beim Arbeiten mit Rindern vermeiden:

  • Das Rind kann keinen Weg erkennen.
    Quelle: Gastecker

    Starke Lichtkontraste
    o von Hell nach Dunkel od. Dunkel nach Hell
    o Führungsrinnen von Schubtoren im Boden
    o Starke Schatten von Boxengittern
    o Blenden durch Sonnenlicht beim Verlassen des Stalls

  • Lichtreflektierende Oberflächen
    o Metallisch glänzende Verladerampen
    o Reflexionen in Wasserpfützen
    o Reflexbiesen an Arbeitskleidung bei heftigen Bewegungen
  • Ungewohnte Bodenbeschaffenheit
    o Beton, Spalten, Schotter, Weide
  • Laute Geräusche
    o Quietschen von Metallteilen
    o Schreien von Menschen

Rinder sehen anders

Lichtreflexionen an blanken Metallteilen oder Wasserlacken sind aus Rindersicht scheinbar unüberwindbare Hindernisse. Besonders, wenn diese sich bewegen, sind sie für Rinder unberechenbar und werden gemieden. Im Gegensatz zum Rind, stuft das menschliche Gehirn diese Reflexionen als ungefährlich ein und schaltet sie unbewusst weg. Darum ist es oft schwierig, die Ursachen zu ergründen, warum einzelne Rinder nicht das tun, was von ihnen erwartet wird. Wir müssen daher versuchen, die Haltungsumgebung aus der Sicht der Rinder wahrzunehmen, um ihre Reaktionen zu verstehen und darauf zu reagieren.

Durch Lichtunterschiede, können Rinder geblendet werden.
Quelle: Gastecker

Mit den Augen der Kuh

Kühe sehen die Welt anders als wir Menschen. Das Bildungszentrum Echem (D) hat eine Kuhbrille entwickelt, mit der ansatzweise die visuelle Wahrnehmung der Rinder für Menschen erlebbar wird. Zwei spezielle Kameras, die auf einer Virtual Reality Brille befestigt sind, zeichnen die Umwelt auf und senden den Film an ein angeschlossenes Notebook. Durch eine Software werden spezielle Filter über den Film gelegt und dieser an die Brille zurückgesendet. Der Träger der Brille erlebt so in Echtzeit, das weite Gesichtsfeld, ca. 30 % Sehschärfe des Menschen, die Rot- Grünblindheit, die schwachen Kontraste und die größere Lichtempfindlichkeit der Rinder.

Stroh kann Wunder wirken

Klauenpflegestände oder andere Behandlungsanlagen funktionieren nur dann gut, wenn die Tiere die Wege klar erkennen können. Dabei ist zu bedenken, dass Rinder ein geringeres Sehvermögen haben als Menschen. Starke Farbkontraste am Boden von Treibgängen können sie ebenfalls sehr irritieren. Stroh kann Wunder wirken, wenn es vollflächig eingestreut wird. Wird am Stroh gespart, entstehen starke Farbkontraste. Das kann das für Rinder wie ein Weiderost wirken.

Reinhard GASTECKER arbeita im Referat Nutztierhaltung und Weidewirtschaft der Landwirtschaftskammer Niederösterreich.

LANDWIRT Tipp

Nutzen Sie die Möglichkeit den Rinderexperten Reinhard Gastecker persönlich zu treffen und die Kuhbrille selbst auszuprobieren. Bei den LANDWIRT Rinderfachtagen 2020 spielt er Videos aus der Sicht der Kuh aus verschiedenen Stallsituationen ein und leitet daraus das Verhalten der Rinder und unseren Einfluss darauf ab. Nähere Infos und Anmeldung dazu unter www.rinderfachtage.com