AckerbauDüngungViel bringt nicht unbedingt viel

Viel bringt nicht unbedingt viel

Die Startgabe beim Weizen sollte nicht zu üppig sein. 50 kg N sind völlig ausreichend.
Quelle: Agrarfoto

Wir von der Boden.Wasser.Schutz.Beratung (BWSB) führen seit drei Jahren im Bad Wimsbach- Neydharting (Wels-Land) einen Düngeversuch bei Winterweizen durch. Dabei haben wir getestet, wie sich verschiedene Stickstoffmengen und -formen auf Ertrag und Qualität auswirken. Zudem haben wir die Effekte von stabilisierten Stickstoffdüngern und Volldüngern auf Ertrag und Qualität sowie den Mineralischen Stickstoffgehalt (Nmin) im Boden getestet. Im Folgenden gehen wir auf die Ergebnisse und Schlussfolgerungen ein.

 

30 kg mehr oder weniger

Im dreijährigen Mittel brachte ein Düngeniveau von 180 kg Stickstoff (N) einen Hektarertrag von durchschnittlich 9.100 kg/ha mit einem Proteingehalt von 12,8 %. 150 kg N/ha brachten mit 8.850 kg/ha einen um 250 kg/ha geringeren Ertrag. Zusätzlich war aber auch der Proteingehalt mit 12,1 % um 0,7 % geringer. Den höchsten Ertrag brachte die Variante mit Ammoniumsulfatsalpeter (ASS) und stabilisiertem Kalkammonsalpeter (KAS+NI) mit 180 kg N/ha. Bei den 150 kg N überzeugten die Varianten 4 mit ASS und KAS, aber auch die Variante 6, die ausschließlich mit Harnstoff gedüngt wurde. Beide brachten im Schnitt knapp 9.000 kg. Daraus kann man schließen, dass die Variante mit 180 kg N/ha eine gewisse Qualitätssicherheit hinsichtlich Proteingehalt und Mahlweizenproduktion bedeutet. Bei dem Mittelwert ergeben sich bei einem Weizenpreis zwischen 160 und 180 Euro Mehrerlöse von 40 bis 50 Euro/ha. Bei einem Stickstoffpreis von rund einem Euro/kg rein-N (30 Euro/ha) ergibt das beim Deckungsbeitrag eine Steigerung von 10 bis 20 Euro. Für Teilnehmer von GRUNDWasser 2020 wird die Limitierung von 150 kg N/ha mit einer Prämie von 100 Euro/ha abgegolten. Das macht den geringeren Deckungsbeitrag mehr als wett. Interessant war aber auch die Variante mit dem stabilisierten Harnstoff (UTEC). Der brachte bei beiden Düngeniveaus die höchsten Proteingehalte. Der Volldünger (NPK) zeigte im Versuch keine nennenswerten Mehrerträge.

Nmin steigt

Anhand einer Nmin-Beprobung haben wir auch den pflanzenverfügbaren Stickstoff in den Bodentiefen von 0–30, 30–60 und 60–90 cm ermittelt. Sie gibt Auskunft über den verfügbaren Stickstoff im Boden. Im Versuch wurden Nmin-Ziehungen vor Vegetationsbeginn im Frühjahr und nach der Ernte vorgenommen. Der ermittelte Wert im Frühjahr kann zur Berechnung einer bedarfsgerechten Stickstoffdüngemenge herangezogen werden. Allerdings wird dieser Wert je nach Mineralisationsrate während der Wachstumsphase durch den weiteren Temperatur- und Feuchtegehalt im Boden stark verändert. Aus den Nmin-Werten und der zugeführten Menge N haben wir auch den N-Saldo – sprich die N-Effizienz – berechnet. Aus Sicht des Grundwasserschutzes wäre ein ausgeglichener Saldo von 0 erstrebenswert. Werte über 0 schaden dem Grundwasser und sind auch ökonomisch nicht sinnvoll. Auch hohe Nachernte-Nmin-Gehalte sind Zeichen einer zu hohen Düngergabe. Einzelne Vergleichsvarianten (150/180 kg N/ha) weisen teilweise deutliche Unterschiede bei den Nachernte- Nmin-Gehalten auf. Vorsicht! Dieser pflanzenverfügbare Stickstoff ist im Boden sehr mobil und kann bei Regen rasch in tiefere Schichten verlagert werden. Ein rascher Anbau von Zwischenfrüchten nach Getreide kann aber bewirken, dass überschüssiger Stickstoff aufgenommen und in organische Substanz umgewandelt wird, was vor Auswaschung ins Grundwasser schützt.

Bedenken Sie …

Eine fach- und sachgerechte Düngung ist möglich. Sie erfordert aber eine genaue Beobachtung des Bestandes und die Kenntnis über Standort und Boden. Zusätzlich ist für stabile Erträge eine ausreichende Versorgung mit Phosphor, Kalium und Schwefel essenziell. Letzterer ist hinsichtlich Stickstoffeffizienz besonders wichtig. Alle drei Nährstoffe sollten bereits zu Vegetationsbeginn gegeben werden. Landwirte sollten die Düngeobergrenzen auch wirklich als Höchstgrenzen ansehen. Das Ausschöpfen der Düngemenge ist nicht zwingend notwendig und nicht in jedem Fall sinnvoll. Aufgrund des früheren Vegetationsbeginns im Frühjahr und der frühen Ernte haben wir im Versuch die Spätdüngung etwas zu hoch angesetzt. Beim Einsatz stabilisierter N-Dünger verzeichneten wir tendenziell höhere Nmin-Gehalte und N-Salden. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Stickstoff nicht optimal verwertet werden konnte. Gerade in trockenen Jahren kann der Stickstoff nicht schnell genug umgesetzt und optimal ausgenutzt werden.

Standort Info

Standort: Bad Wimsbach-Neydharting:

  • Boden: Ackerzahl: 70, sandiger Lehm, Lockersediment- Braunerde
  • Relief: eben
  • Niederschlag: 634 mm von Anbau bis Ernte (2019)

Ackerbauliche Maßnahmen

  • Vorfrucht: Körnermais
  • Sorte: Tiberius
  • Anbau: 22.10.2018 mit 340 Körnern/m2
  • Düngung:
  1. Termin: Vegetationsbeginn
  2. Termin: EC 31/32
  3. Termin: EC 39

Bei der Variante mit KAS + NI wurde auf den 3. Termin verzichtet

Bei der Variante mit ENTEC 26 wurde auf den 2. Termin verzichtet

Versuchsvarianten

  • 150 kg N/ha: N-Obergrenze für Betriebe bei Teilnahme an der ÖPUL-Maßnahme „Vorbeugender Grundwasserschutz auf Ackerflächen“
  • 180 kg N/ha: Weizen <14 % Rohprotein, Obergrenze gem. NAPV bei Ertragslage hoch 2 (SGD 7. Auflage)

Nmin-Ziehungen

  1. Termin: Vegetationsbeginn im Frühjahr vor der ersten Düngung
  2. Termin: Nachernte