LandtechnikLandmaschinentestTajfun VIP PRO 90 Seilwinde mit Gütesiegel

Tajfun VIP PRO 90 Seilwinde mit Gütesiegel

Der hydraulische Seilausstoß wird durch Ziehen am Seil eingeschaltet und beim Loslassen wieder ausgeschaltet. Dadurch wird ein unkontrolliertes Abwickeln des Seils verhindert.

Der Hersteller wollte nichts dem Zufall überlassen und hat das Gerät schon vor dem Serienstart prüfen lassen. Mit Erfolg: Die VIP PRO 90 ist die erste Getriebeseilwinde mit Wieselburg-Zertifikat. Dieser Test ist ein Härtetest, dem nicht alle Winden gewachsen sind. Das mussten wir bei unseren vergangenen Vergleichsuntersuchungen immer wieder feststellen. Schon bei einer Dauerbelastung von fünf Stunden ging so manches Gerät zu Bruch, und das obwohl die Winden bei diesem Test mit nur 80 % der angegebenen Zugkraft in der jeweiligen Seillage belastet werden. Die VIP PRO 90 von Tajfun absolvierte diese Prüfung in der vollen Länge von zehn Stunden, wie es die Norm vorsieht, nahezu ohne Probleme. Für eine Vorserienmaschine ist das eine Meisterleistung! Kleine Mängel hat der Hersteller schon während der Testphase behoben. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Serienfertigung einfließen. Das gilt auch für ein paar sicherheitstechnische Aspekte, auf die die SVB und die AUVA hingewiesen haben. Die Zusammenarbeit zwischen dem Hersteller, den Prüftechnikern der BLT Wieselburg und den Sicherheitsberatern wurde von allen Seiten gelobt.

Nach diesem bestandenen Prüfstandtest ging es für fast sechs Wochen in den Wald. Experten der FAST Traunkirchen und LANDWIRT- Testfahrer haben der neuen Winde im praktischen Einsatz auf den Zahn gefühlt.

Der Testkandidat

Tajfun hat Winden mit einer Zugkraft von 3,5 bis 10,5 Tonnen mit mechanischer oder elektrohydraulischer Bedienung im Programm. Unser Testkandidat, die VIP PRO 90, ist quasi der Start in eine neue Generation. Sie hat laut Hersteller an der untersten Lage eine Zugleistung von 90 kN und an der obersten Lage 57,8 kN. Die Bremskraft beträgt 112,5 kN. Alle Herstellerangaben und gesetzlichen Vor- schriften wurden beim Prüfstandtest erfüllt. Selbst nach dem zehnstündigen Dauerversuch waren keine außergewöhnlichen Abnützungserscheinungen sichtbar.

Unsere Test-Winde war mit der maximal möglichen Seilaufnahme ausgestattet: 130 m mit 13 mm Durchmesser. Mit einer Seillänge von 100 m wiegt diese Winde in Testausstattung 1.002 kg. Wir haben sie an verschiedene Traktoren zwischen 100 und 150 PS angebaut. Das entspricht auch den Herstellerangaben und hat sich im praktischen Einsatz bewährt. Kleinere Traktoren bäumen sich allerdings auf Grund des hohen Seileinzuges schnell auf. Da ist man dann gezwungen vorwiegend mit der unteren Einzugsrolle zu arbeiten. Diese ist serienmäßig dabei. Unsere Testwinde war mit einer optionalen Funkfernsteuerung ausgerüstet.

Das obere Schutzschild lässt sich mit wenigen Handgriffen herunterklappen.

Anbau und Handling

Die VIP PRO 90 ließ sich problemlos an den Dreipunkt verschiedener Traktoren mit Kategorie II oder III anbauen. Für die Unterlenker gibt es zwei verschiedene Positionen. Die patentierten Sicherungen der Unterlenkerbolzen lassen sich gut bedienen. Ähnliches gilt für die beiden Stützfüße. Auch sie lassen sich komfortabel hochklappen, haben sich aber bei der Arbeit durch Stöße von selbst aus der Arretierung gelöst und sind nach unten geklappt. Eine stärkere Feder könnte dies eventuell verhindern.

Der Zapfwellenstummel sitzt relativ hoch. Für eine 9-Tonnen-Winde und größere Traktoren passt da

s auch. Bei kleineren Traktoren und tief liegenden Zapfwellenstummeln kann die Gelenkwelle beim Hochheben der Unterlenker zu schlagen beginnen. Das Anstecken bereitet keine Probleme, da die vorgeschriebenen Freiräume groß genug sind. Der Windenrahmen selbst hat eine gute Form und ist stabil. Der obere Teil des Schutzgitters lässt sich werkzeuglos – mit zwei splintgesicherten Bolzen – abklappen. Ein praktisches Detail für den Transport und zum Abstellen. Lob gab es auch für das stabile Rückeschild. Es ist 2,02 m breit und lässt sich mit einem doppelt wirkenden Steuergerät hydraulisch schwenken.

Als sehr zweckmäßig erwiesen sich auch die stehenden Dornen zum Aufhängen von Ketten, die Halterungen für die Motorsäge, den Treibstoffkanister und einen Sappel sowie die beiden integrierten Ablagefächer für Ketten und Keile. Seitlich am Schutzgitter gibt es weitere Schlitze zum Aufhängen von Ketten. Die Kettenenden sollte man dabei aber unbedingt in den Ablageboxen verstauen. Hängen sie frei herunter, könnten sie sich mit den Gleitschutzketten des Fahrzeuges verhängen und in weiterer Folge den Kotflügel beschädigen.

 

Auch unter härtesten Einsatzbedingungen machte die Winde eine gute Figur. Ist das Seil aber vereist, lässt es sich nicht mehr ausspulen.

Saubere Seilwicklung

Auch für die Spuleinrichtung, das Herzstück der Winde, gab es Bestnoten. Die gut funktionierende Spulhilfe ermöglicht trotz breiter Seiltrommel eine stets einwandfreie Wickelung. Von außen sieht man nicht auf die Seiltrommel.

Der Antrieb erfolgt von der Gelenkwelle aus über ein Zahnradgetriebe mit einer 6-scheibigen Lamellenkupplung. Diese liegt, abweichend der bisherigen Bauart von Tajfun, traktorseitig vor der Seiltrommel. Die Trommelwelle war bei unserem Testkandidaten auf Rillenkugellagern gelagert. Um eine noch höhere Lebensdauer in Aussicht stellen zu können, hat Tajfun für den Serienstart angekündigt, die Rillenkugellager gegen Zylinderrollenlager zu ersetzen.

Eine neue Konstruktion des automatischen Seilausstoßes verhindert unkontrolliertes Abwickeln des Seils. Das Abspulen wird vom Anwender gesteuert: Zieht man am Seil, schaltet sich die hydraulische Ausstoßvorrichtung ein. Unterbricht man das Ausziehen, stoppt auch sofort die Abspulvorrichtung. Diese Einrichtung hat sich in der Praxis gut bewährt, obwohl beim Ausziehen etwas mehr Kraft erforderlich ist. Besonders bemerkbar macht es sich bei größeren Seillängen oder beim Bergaufziehen. Die Mindestkraft für die Aktivierung des Seilausstoßes lässt sich an zwei Federn einstellen. Stufenlos einstellbar ist auch die Seilausstoßgeschwindigkeit.

Weiteres Lob gab es für den zuverlässigen Endausschalter an der oberen Einlaufrolle. Dieser verhindert beim Aufwickeln durch zu spätes Stoppen Schäden am Seil. Ein wegstehender Ast hat uns einmal das Sensorkabel beschädigt. Vielleicht gelingt es Tajfun, dieses zum Serienstart noch besser zu „verstecken“.

Den einzigen Kritikpunkt bei der Seilwicklung gab es für das Kupplungs- und Bremssystem: Die Bremse braucht etwas länger, bis sie vollkommen gelöst ist. Das ist gewöhnungsbedürftig. Aber zugegeben, es gibt Situationen, wo das auch ein Vorteil sein kann. Der Windenfunk der Firma Telenot Electronic funktionierte einwandfrei.

Wer glaubt, dass er für diese umfangreiche Technik tief in die Tasche greifen muss, irrt. Laut Preisliste gibt es diese Winde in Serienausstattung schon ab knapp 14.000 Euro inkl. MwSt. Für eine 9-Tonnen-Getriebeseilwinde ist das ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

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