ForstSchäden durch Borkenkäfer weiter überdurschnittlich hoch

Schäden durch Borkenkäfer weiter überdurschnittlich hoch

Der Borkenkäferbefall entwickelt sich regional sehr unterschiedlich.
Quelle: dugdax/shutterstock.com

Seit 2015 ist eine Borkenkäfermassenvermehrung im Gang, 2019 verringerten sich die Schadholzzahlen seither erstmals leicht. Für 2020 weist die Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren (DWF) für Österreich deutlich geringere Borkenkäferschäden aus: 2,61 Mio. Vorratsfestmeter (Vfm). „Keine Entwarnung also, denn die Borkenkäferschäden bleiben weiterhin überdurchschnittlich hoch und liegen im Bereich der Jahre 2015 und 2016“, meint Dr. Peter Mayer, Leiter des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW). Die Forstdienste ordneten dem Buchdrucker (Ips typographus) als dem Hauptschädling der Fichte Schäden in der Höhe von 2,21 Mio. Vfm zu (minus 46 %) und dem Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) 239.000 Vfm (minus 16 %). An Kiefern fielen Schäden durch Borkenkäfer in der Höhe von rund 120.000 Vfm an.

Entwicklung ist regional sehr unterschiedlich

In der Hälfte der Bundesländer (Wien wurde nicht berücksichtigt) nahmen die Käferschäden zu: Salzburg erreicht mit 71 % gegenüber dem Vorjahr das größte Plus (gesamt 143.000 Vfm). Ähnlich entwickelten sich die Werte in Tirol (plus 48 %, 81.000 Vfm), Vorarlberg (plus 16 %, 71.000 Vfm) und der Steiermark (plus 14 %, 353.000 Vfm).

Wie kam es zu dieser Abnahme der Käferschäden von 4,7 Mio. Vfm (2019) auf 2,6 Mio. Vfm (2020)? Niederösterreich verzeichnet ein Minus von 61 %, gefolgt von Burgenland (minus 42 %) und Oberösterreich (minus 36 %). Die höchsten absoluten Schäden liegen dennoch nach wie vor in Niederösterreich (1,14 Mio. Vfm), Oberösterreich (564.000 Vfm) und der Steiermark vor. Je nach Bezirk ist die Situation regional differenziert zu beurteilen: Aus einem Drittel der Bezirksforstinspektionen wurde eine Zunahme der Borkenkäferschäden gemeldet. In Bruck-Mürzzuschlag (132.000 Vfm) wurde sogar eine Vervierfachung des Käferholzes festgestellt.

Ausblick 2021: keine Entwarnung möglich

Die Niederschlagsverhältnisse im Jahr 2020 haben die Vitalität und Abwehrfähigkeit der Bäume besser unterstützt als die drei Jahre davor. Die Temperaturverläufe waren jedoch für die Entwicklung von Insekten eher günstig. Aufgrund der feuchten Witterung in den Herbstmonaten verloren oder verfärbten zahlreiche Nadelbäume, die im Sommer durch Borkenkäfer befallen wurden, nicht ihre Nadeln. Noch im Februar 2021 konnten Fichten, die 2020 von Buchdrucker befallen worden waren, mit grüner Krone beobachtet werden. „Möglicherweise sind viele solcher Käferbäume übersehen worden und auch in den Meldungen der Forstdienste nicht enthalten“, sagt Dr. Gernot Hoch, Leiter des Waldschutz-Institutes des BFW.

Wie die Analyse der DWF-Ergebnisse 2020 der Borkenkäferschäden auf Bezirksebene gezeigt hat, muss die Situation regional differenziert beurteilt werden. Eine generelle Entwarnung für Österreich kann bei den Borkenkäferschäden jedenfalls nicht gegeben werden.

Niederschlagsreich, warm und viele Windwürfe

2020 war in den Tieflagen das fünftwärmste Jahr in der 253-jährigen Messreihe der ZAMG. Im Mittel lag die Temperatur 1,4 °C über dem langjährigen Mittel (1981-2010). Nach drei deutlich niederschlagsarmen Jahren fiel 2020 laut ZAMG-Bericht im Flächenmittel 7 % mehr Niederschlag als im langjährigen Vergleich (1981-2020). Im Jahr 2020 fiel aufgrund von Extremereignissen 1,74 Mio. Vfm. Schadholz an, das ist rund die Hälfte vom Vorjahr. Die Windwurfschäden stiegen um rund 53 % auf 1,21 Mio. Vfm. Besonders betroffen waren die Bundesländer Steiermark, Niederösterreich und Tirol (alle jeweils über 200.000 Vfm). Nach den Rekord-Schneebrüchen des Jahres 2019 nehmen sich die Schäden durch Schnee mit 510.000 Vfm relativ gering aus. Die größten Schadensvolumina gab es in Tirol, Kärnten und der Steiermark.

Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren (DWF)

In Österreich werden Schädigungen im Wald im Rahmen der Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren (DWF) pro Kalenderjahr erhoben, die Durchführung der DWF und die Analyse der Daten erfolgen durch das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW). Die Ergebnisse basieren auf den Erhebungen der Bezirksforstdienste in ganz Österreich. Im Fokus des Schätzverfahrens steht dabei die physiologische Schädigung, ungeachtet einer folgenden Kalamitätsnutzung. Daher liegen die Daten bei Schädigungsfaktoren, die zum Absterben von Bäumen führen, in Vorratsfestmeter vor, ansonsten als Schädigungsfläche in Hektar, und die Zuordnung erfolgt zu dem Jahr des Auftretens der Schädigung.