CoronaRegional ist da, wo ich daheim bin

Regional ist da, wo ich daheim bin

Aloisia Lang erzeugt gemeinsam mit ihrem Mann und 315 Rindern Rindfleisch und Milch auf einem Bauernhof in Hochburg-Ach.
Quelle: zVg

Ein Interview von Karin Ch. TAFERNER, LANDWIRT Redakteurin

LANDWIRT: Wie erleben Sie als Bäuerin die Corona-Krise?

Aloisia Lang: Die Zeit, in der wir gerade leben ist eine außergewöhnliche! Wir erleben gerade eine Krise, wie wir sie alle noch nie erlebt haben. Diese Krise ist nicht irgendwo weit weg sondern bei uns, nicht nur in Europa sondern auf der ganzen Welt. Und diese globale Krise hat in ihrer Dimension und Auswirkung schon auch etwas mit dieser Globalisierung zu tun.

Welche Gefühle beschäftigen Sie derzeit?

Jeder, jede von uns beschreibt es als seltsames Gefühl, eine Mischung aus Unsicherheit und Hilflosigkeit, als Angst um unsere Gesundheit, viele bangen um ihren Arbeitsplatz ja sogar um ihre Existenz. Und dann ist noch die Ungewissheit, wie es danach weitergehen soll!

Wie hat sich Ihr Alltag durch die Ausgangsbeschränkungen und Hygienemaßnahmen verändert?

Für uns Bäuerinnen und Bauern hat sich der Alltag wenig verändert, wir versorgen täglich unsere Tiere und erledigen die Arbeit am Hof und am Feld, die im Frühjahr ja besonders intensiv ist. Und wir sind froh, dankbar und demütig, dass wir nach wie vor wertvolle Lebensmittel erzeugen können, damit die Österreicher mit heimischen Produkten versorgt werden. Wenngleich viele von uns die Absatzschwierigkeiten besonders am Rindersektor aber auch in der Milchwirtschaft zu spüren bekommen. Es fehlen natürlich auch uns Bauern der Tourismus, die Gastronomie, die großen Kongresse.

Sorgen Sie sich um Ihr Einkommen?

Bäuerinnen und Bauern sind auch in solchen Krisenzeiten gefordert – wir haben nicht die Möglichkeit Kurzarbeit anzumelden – die Tiere müssen versorgt und  die Felder bearbeitet werden. Der Großteil der Landwirtschaft kann nicht um Unterstützung ansuchen, weil der Ausfall von 50% nicht gegeben ist, trotzdem ist das Einkommen nicht gleich Leistung. Wir sehen ja schon den Preissturz bei Milch und Fleisch.

Bemerken Sie auch positive Veränderungen?

Wir bemerken auch, dass immer mehr Konsumenten beim Bauern vor Ort einkaufen oder zumindest in den Supermärkten drauf schauen, dass es österreichische Lebensmittel sind, die sie einkaufen.
Wir können diese Krise also auch als Chance sehen, dass die heimische Landwirtschaft wieder mehr Wertschätzung erfährt, weil vielen Österreichern gerade jetzt bewusst wird, wie wichtig es ist, dass wir Bäuerinnen und Bauern den hohen Grad an Selbstversorgung sicherstellen können. Vielleicht kann auch in diesem Zusammenhang der unsäglichen Lebensmittelverschwendung endlich Einhalt geboten werden, weil gerade in einer so sensiblen Zeit der Wert des „Lebensmittels“ wieder mehr ins Bewusstsein jedes Einzelnen gerät!

Was wünschen Sie sich für die Zeit nach der Krise?

Wir Bäuerinnen und Bauern können in Zukunft diese Versorgung nur sicherstellen, wenn wir für unsere Produkte, ob konventionell oder biologisch, mit dem höchsten Standard in der EU produziert, einen fairen und angemessenen Preis bekommen. Nur so kann das Überleben der bäuerlichen Familienbetriebe in Österreich auch gesichert werden. Und dass kann nicht funktionieren, wenn die wertvollen Lebensmittel zu Schleuderpreisen in Aktion- und Lockangeboten von den großen Lebensmittelkonzernen auch in Zeiten wie diesen „verramscht“ werden.
Es sollte jetzt idealerweise zu einem Schulterschluss zwischen Bäuerinnen, Bauern und den Konsumenten kommen. Der Konsument, der durch bewussten Einkauf von österreichischen und regionalen Produkten dazu beitragen kann, dass wir aus dieser Krise gestärkt hervor gehen und wir Bauern und Bäuerinnen, indem wir diese Themen gerade jetzt anschaulich kommunizieren!

Mit einer Banneraktion werben die Bäuerinnen aus Hochburg-Ach für den regionalen Einkauf und damit die Stärkung der heimischen Landwirte.
Quelle: zVg

Da haben Sie ja selbst die Initiative ergriffen und Banner aufgestellt. Wie kommt diese Aktion bei der Bevölkerung an?

Unser Motto lautet: Regional ist da, wo ich daheim bin. Wir wollten aktiv etwas dazu beitragen, dass die Leute regional kaufen. Darum haben wir am Karsamstag bei uns drei Banner aufgestellt, einen in Hochburg, einen in der Nähe vom Spar und einen in der Siedlung. Die Idee kam von uns Bäuerinnen und wir haben die Direktvermarkter aus der Region einbezogen. Die Bäuerinnen und Bauern sind schließlich auch im „Homeoffice“. Aber das sind wir ja eigentlich immer… Für uns das Schönste das es gibt! Und das soll auch so bleiben.

Haben Sie auch konkrete Forderungen an die Politik?

Ich finde die österreichischen Großküchen sollten auf heimische Lebensmittel zurück greifen – Altersheime, Krankenhäuser, Kantinen und sich vielleicht ein Beispiel an McDonalds nehmen -wenn´s richtig ist, was er verspricht. Damit meine ich die gesamte Produktion von Lebensmitteln, egal ob Gemüse, Obst, Getreide, Fleisch oder Milch. Es sind auch viele Arbeitsplätze, die der Landwirt am Leben erhält.

Welche Lehre ziehen Sie aus der aktuellen Situation?

Vielleicht müssen auch wir Bäuerinnen und Bauern umdenken – uns nicht nur auf einen Produktionszweig zu konzentrieren – weniger dafür mit mehr Vielfalt! Das ist halt nicht leicht, man wird nicht überall 100% und mehr leisten können.