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Raps auf Siebenjahreshoch

Die Rapspreise steigen wieter.
Quelle: Goldberger

Beim Terminraps hat sich der Preisanstieg zuletzt fortgesetzt: An der europäischen Leitbörse Matif mussten für den Rapskontrakt zur Andienung im Mai am 19.2. kurz vor Handelsende 461 Euro/t bezahlt werden. So viel kostete die schwarze Ölfrucht in Paris zuletzt vor mehr als sieben Jahren. Aus frachtgünstigen Gegenden Deutschlands wurden Ab-Hof-Preise auf Höhe der Börsennotierung gemeldet. Das gilt als starkes Indiz, dass schnell verfügbarer Raps in Deutschland knapp wird.

Die EU-Rapsernte 2020 wird derzeit auf 16,1 Mio t geschätzt.
Quelle: Goldberger

Erste Vorkontrakte

Für neue Ernte zur Abrechnung im August 2021 waren gegen Ende der Handelswoche knapp 420 Euro/t fällig. Daraus leiten sich für deutsche Rapserzeuger je nach Standort um die 410 Euro/t netto ab Hof ab. Auf dem erreichten Preisniveau raten Marktanalysten dazu, erste Vorkontrakte abzuschließen. Maßgeblich für die jüngste Rapspreisrallye ist ein ganzes Bündel an Faktoren: Einerseits sind die europäischen Ölmühlen bei ordentlichen Verarbeitungsmargen für die nächsten Monate nur knapp mit dem Rohstoff versorgt. Zudem haben viele Rapserzeuger den jüngsten Preisanstieg zur Vermarktung genutzt, und ihre Silos sind bereits geräumt.

Übersee noch teurer

Auch in Kanada ist Canola ein halbes Jahr vor dem nächsten Drusch bereits Mangelware, was im weiteren Saisonverlauf auf nur begrenzte Exportmengen aus Übersee schließen lässt. An der Terminbörse von Winnipeg war der dort gelistete Raps zum Start des Freitagshandels mit umgerechnet 489 Euro/t so teuer wie zuletzt im März 2008. Kursstützend auf den Matif-Raps wirkt auch die stabile Preistendenz bei den US-Sojabohnen. Der Frontmonat wurde im Chicagoer Nachthandel auf Freitag mit umgerechnet 418 Euro/t bewertet. Hinzu kommt, dass Pflanzenöle derzeit ebenfalls weltweit knapp und damit teuer sind, was den Ölmühlen rund um den Globus auskömmliche Crushmargen beschert.

Der steigende Rohölpreis treibt auch den Rapspreis in die Höhe.
Quelle: Agrarfoto

Rückenwind vom Energiemarkt

Rückenwind kommt außerdem vom Energiemarkt: Rohöl hat vorige Woche mit umgerechnet 52 Euro pro 159-l-Fass für die Nordseesorte Brent ein neues Jahreshoch markiert. Aus Sicht von Marktanalysten spricht damit zumindest kurzfristig einiges für eine Fortsetzung der Rapspreisrallye. Börsenspekulanten dürften dabei durchaus die 500-Euro-Marke im Blick haben, die an der Matif zuletzt vor zehn Jahren übersprungen wurde.

EU-Rapsimporte rückläufig

Derweil zeigen aktualisierte Versorgungsbilanzen der EU-Kommission, dass die Gemeinschaft im laufenden Wirtschaftsjahr voraussichtlich weniger Rapssaat importieren wird als 2019/20. Wie die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) am 17.2. mit Verweis auf aktuelle Daten der Kommission berichtete, zeichnen sich für 2020/21 Rapseinfuhren der EU-27 von insgesamt rund 5,5 Mio t ab. Das wären etwa 11 % weniger als im Vorjahr. Nach Einschätzung der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) dürfte die Gemeinschaft bereits rund 70 % dieser erwarteten Rapsimportmenge eingeführt haben.

Vergangene Ernte

Die EU-Rapsernte 2020 bezifferten die Kommissionsexperten der UFOP zufolge auf 16,1 Mio t. Das wären 5 % mehr als im Jahr zuvor. Dem stehe 2020/21 ein Verbrauch von voraussichtlich 21,2 Mio t gegenüber. Das würde einem Rückgang um 4 % entsprechen. In der Folge könnte die Gemeinschaft den erwarteten Rapsverbrauch in der laufenden Saison zu 76 % aus eigener Erzeugung decken, was wiederum 6 Prozentpunkte mehr als 2019/20 bedeutet, so die UFOP. Unter dem Strich rechneten die Brüsseler Fachleute mit einer Aufstockung der EU-Lagerbestände an Rapssaat bis Ende Juni 2021 im Vergleich zu dem sehr niedrigen Niveau zum Vorjahreszeitpunkt um etwa 60 % auf 800 000 t.