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Pflügen und begrünen in einem Schritt

Foto: Böck

Von Alexander BÖCK, LANDWIRT Redakteur

 

Grubber, Pflug und dann doch wieder Grubber. Wenn es um die Zwischenfruchtsaat geht, hat Mathias Maier aus Schönberg schon sehr viel experimentiert. „Ich war aber nie zufrieden“, erzählt der 39 Jährige Nebenerwerbslandwirt. „Entweder war die Arbeitsqualität nicht zufriedenstellend, oder es waren mehrere Überfahrten notwendig. Ich wollte ein System, mit dem ich in einem Arbeitsgang die Bodenbearbeitung und die Saat kombinieren kann. Außerdem möchte ich mich später über einen üppigen Zwischenfruchtbestrand freuen.“ Die Zwischenfrucht will Maier umgehend nach der Ernte des Getreides säen. Der Grund dafür ist der sparsame Umgang mit dem Bodenwasser. „Bei zwei, drei oder gar vier Überfahrten geht mit der Zeit und jedem Bearbeitungsschritt Wasser verloren“, erklärt er weiter. „Das kann man sich in Trockenjahren wie 2018 nicht leisten.“ Maiers Idee: Ein Sägerät für den Pflug anschaffen. Nach längerer Suche nach einem passenden Gerät wurde ihm aber schnell klar, dass er hierfür selbst Hand anlegen muss. Denn seine Wunschmaschine musste viel können und Kompromisse wollte er keine eingehen. Die Lösung war ein Fronttank samt Gebläse, das das Saatgut über ein Verteilsystem nach hinten zum Pflug fördert und dort in und auf den gepflügten Boden streut.

Im Tank ist Platz für zwei verschiedene Sämereien. Beide kommen über separate Dosierorgane in das Särohr. Foto: Böck

Knackpunkt Gebläse

Das Gespräch mit Maier zeigt schnell, das ihm eine schöne Zwischenfrucht wichtig ist. Er setzt dabei auf eine artenreiche Mischung mit Feinsämereien (Kleearten, Öllein, Ölrettich, Phacelia,…) und großkörnigen Leguminosen wie Erbse und Ackerbohne. Auf Letzterer möchte Maier keinesfalls verzichten. „Die großen Körner stellen sich als die große Herausforderung dar“, erzählt Mathias Maier. „Es brauchte ein Gebläse, das die Bohnen vom Fronttank bis zur letzten Pflugschar blasen kann.“ Einige Firmen zeigten auf Maiers Anfrage, sie mögen ihm bei diesem Problem helfen, die kalte Schulter. Andere zeigten Interesse, scheiterten aber bei dem Versuch, die gewünschte Bohnenmenge über eine solche Distanz zu fördern. Erst die Firma Horsch konnte ein hydraulisch angetriebenes Gebläse anbieten, das die Anforderungen erfüllte. „Am Ende arbeitete ich mit Horsch sehr viel zusammen“, erzählt der Landwirt. „Alles was ich nicht selbst zusammenbauen konnte bzw. musste, stellte mir die Firma zur Verfügung. Dafür möchte ich mich auch nochmals bedanken.“

Das hydraulisch angetriebene Gebläse transportiert selbst die Ackerbohnen vom Fronttank bis zur letzten Pflugschar. Foto: Böck

Zwei Tanks –zwei Sätiefen

„Ein Perserklee benötigt eine andere Saattiefe wie eine Ackerbohne“, beschreibt der junge Landwirt das nächste Problem. „Daher brauche ich ein System, mit dem ich auf zwei Tiefen säen kann.“ Dazu hat der 39-jährige selbst einen Fronttank aus einem gebrauchten Düngestreuer gebaut. Er wurde als Zweitanksystem konzipiert, sodass er zwei unterschiedliche Sämereien gleichzeitig ausbringen kann. Der Tank fasst etwa 800 kg und ist mit zusätzlichen Gewichten beschwert, die dem Traktor bei der Pflugarbeit die nötige Traktion verleihen sollen. Die Gewichte sind so konzipiert, dass sie mit wenigen Handgriffen abgenommen werden können. Die einzelnen Tanks münden jeweils in einem elektrisch angetriebenen Dosierorgan, das die Aussaatmenge begrenzt. Das Einstellen der Saatmenge, die Steuerung und die Abdrehprobe laufen über ein Terminal in der Kabine. Die Saatmenge richtet sich nach der tatsächlichen Fahrgeschwindigkeit. Um Abweichungen durch Schlupf entgegenzuwirken, hat Maier einen Radarsensor montiert. Dieser sendet die tatsächliche Fahrgeschwindigkeit an das Terminal.

Mit dem Terminal wird die Maschine eingestellt und überwacht. Foto: Böck

Die beiden unterschiedlichen Sämereien können entweder in zwei getrennten Schläuchen oder zusammengemischt in einem Schlauch nach hinten zum Anbaubock geblasen werden. Dort hat Maier zwei Verteilerpilze mit je acht Auslässen montiert. Von hier aus führen jeweils zwei Säschläuche zu jedem Pflugkörper. „Damit immer nur die pflügende Seite mit Saatgut versorgt wird, habe ich die Schläuche am Verteilerpilz mit den Ventilen einer elektrischen Fahrgassenschaltung ausgestattet“, erklärt der Landwirt. „Wenn ich am Feldrand die Hydraulik betätige und den Pflug wende, schalten die Ventile und die andere Seite wird versorgt.“

 

Schläuche richtig verlegen

Die Lage der Schläuche war eine große Herausforderung. Foto: Böck

Die „Saatorgane“ sitzen an einer Halterung, die Maier selbst zusammengeschweißt hat und die auf den Seitenarmen eines Schollencrackers befestigt sind. In der Halterung münden die Säschläuche vom Verteilerpilz. „Vier Schare mal zwei Seiten mal zwei Säorgane macht sechzehn Säschläuche“, zieht Maier ein Zwischenresümee. „Hier hatte ich anfangs Schwierigkeiten, die richtige Lage zu finden, in der die Schläuche nicht verstopfen.“ Zu viele Windungen und Kurven, gepaart mit dem Wenden des Pfluges, erschwerte diese Arbeit. Die Schläuche gehen am Ende in Rohre über, die die Sämereien in einem bestimmten Winkel in die Furche oder auf den Furchenkamm ablegen. „Auf diese Weise kann ich Schattenkeimer in die Furche streuen und die Lichtkeimer oben drauf“, erklärt der Oberbayer. „Ich habe die Halterung auch so konzipiert, dass ich mit ein paar Drehungen an zwei Muttern den Winkel verändern kann, in dem das Saatgut ausgeworfen wird. Auf diese Weise ergeben sich unterschiedliche Sätiefen.“

Die Felder sind im Frühjahr nach der Pflugsaat frei von Unkräutern und Ausfallgetreide. Foto: Böck
Im Trockenjahr 2018 entwickelte sich die Zwischenfrucht nach dem Pflug sehr gut. Foto: Böck

Schnell wechseln

„Zum Pflügen vor der Getreidesaat nehme ich gerne den Schollencracker“, erklärt der bayerische Junglandwirt.  Maier konzipierte die daher Maschine so, dass sie von zwei Personen mit nur wenigen Handgriffen in 15 Minuten an- oder abgebaut werden kann. Um den Fronttank abzunehmen, müssen – neben dem Dreipunkt – lediglich die Saatgutleitungen getrennt werden. Für den Rest im Heck hat Maier einen fahrbaren Untersatz gebaut, auf den er die Verteilerpilze und die Halterung mit den Schläuchen abbaut. „Dazu muss ich wieder die Saatgutleitungen von den Verteilerpilzen demontieren“, erklärt Maier. „Um die Verteilerpilze zu entfernen, muss man jeweils eine Schraube lockern. Für die Halterung der Säorgane sind nochmal vier Schrauben zu entfernen. Zum Untersatz rüber heben und fertig.“

 

Pflug vor Grubber

Auf den Pflug will der junge Landwirt nicht verzichten. Nicht zuletzt, weil der chemische Pflanzenschutz in der Gesellschaft zunehmend in der Kritik steht. Trotz des Pfluges ist für Mathias Maier die Erosion kein Thema. „Bei unseren schweren Böden schafft der Pflug eine sehr grobe Oberfläche, die das Wasser bremst. Durch die Lockerung versickert das Wasser auch wieder schnell“, so Maier. „Da ich mir etwaige Überfahrten nach dem Pflug spare, habe ich auch keine Fahrspuren am Feld. Gerade die wären hinsichtlich Erosion das größere Problem.“

Die Verteilerpilze sind mit Absperrventilen versehen. Foto: Böck

Aber selbst wenn er in ein paar Jahren vielleicht wieder auf den Grubber umschwenken möchte, wäre das kein Problem. „Das System – oder zumindest der Fronttank – lässt sich leicht auf andere Maschinen übertragen“, erklärt Maier. „Beim Grubber kann ich genauso die Schattenkeimer hinter die Schare in den Boden blasen und die Feinsämereien oberflächlich drüberlegen.“ Außerdem möchte der Oberbayer den Fronttank auch bald für die Drillsämaschine verwenden. Auf diese Weise verteilt er das Gewicht besser auf beide Achsen. Auch für den zweiten Tank ergeben sich hierbei interessante Zusatzfunktionen. „Ich könnte Beispielsweise mit der Saat gleichzeitig Grunddünger, Schwefellinsen gegen Wildschweine oder Schneckenkorn ausbringen“, erklärt er.

Auf das Gestell kann die Säeinheit zurückgebaut werden. Foto: Böck

Tadellos im Trockenjahr

Die gesamten Kosten schätzt Maier auf rund 15.000 Euro. Er rechnet, dass sich die Maschine nach rund 200 Einsatzstunden amortisieren würde. Dass sein System auch in Trockenjahren funktioniert, beweist der Blick auf die Zwischenfrucht von Vorjahr. „Die Pflanzen liefen schnell auf, konnten sich schnell und üppig entwickeln und hatten immer genügend Wasser“, erzählt Mathias Maier. „Und anders als andere Zwischenfruchtbestände in der Gegend hatte ich dieses Frühjahr keine Probleme mit Ausfallgetreide oder Unkräutern. Daher kann ich auch ohne Glyphosat und ohne schlechtes Gewissen Mais säen.“

Mit dem Drehen an der Mutter kann der Abstrahlwinkel der Särohre verändert werden. Foto: Böck