LandtechnikNicht mehr absteigen beim Gülle tanken

Nicht mehr absteigen beim Gülle tanken

Sieht unscheinbar aus, hat es aber in sich: Die selbst gebaute Andockstation und der Saugarm am Güllefass von Peter und Stefan Stadlbauer.
Quelle: Weninger

„Ein teures Güllefass soll am Acker laufen, anstatt lange bei der Güllegrube zu stehen.“ So bringt Peter Stadlbauer die Herausforderung beim Gülle ausbringen auf den Punkt. Er bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Bruder (und Betriebsführer) Stefan sowie dessen Frau Beate einen Ackerbau- und Stiermastbetrieb mit 500 Plätzen in Steinhaus, OÖ. Am Hof fallen jährlich 3.000 m³ Gülle an, die die Brüder mit einem 18,5 m³ großen Eckart-Güllefass samt 15 m breitem Schleppschlauchverteiler ausbringen. „Früher haben wir den Schlauch manuell angekuppelt. Um die Flächenleistung zu steigern, haben wir dann drei Zubringer eingesetzt. Aus Mangel an Fahrern und wegen der aufwändigen Koordination ließen wir das aber bleiben“, blickt Stefan Stadlbauer zurück.

Also sollte eine Andockstation mit Fernbedienung her, sodass der Fahrer des Güllefasses direkt aus der Grube ansaugen kann, ohne absteigen zu müssen. Mit den Lösungen am Markt war Peter Stadlbauer nicht zufrieden, denn „die kann man auch dann betätigen, wenn der Saugarm des Fasses nicht angedockt ist.“ Diese mögliche Fehlerquelle wollte er ausschließen – und begann zu tüfteln. Stadlbauer entwickelte schließlich eine Andockstation, die den Befüllvorgang automatisch steuert.

Magnetspule öffnet Gülleschieber

Weil die gesamte Gülle aus allen Ställen am Betrieb in eine zentrale Grube läuft, ist die Andockstation direkt dort fest installiert. Der Clou der Station ist ein elektromagnetischer Mechanismus zum Öffnen und Schließen der Schieber: Vorne am selbst gebauten Ansaugarm des Güllefasses hat Stadlbauer eine (ebenfalls selbst gebaute) Magnetspule in Kunststoff eingegossen. Gelangt der Sauger in den Trichter der Station, schaltet er dort automatisch vier ebenso eingegossene „Reed-Kontakte“, das sind spezielle elektrische Schalter. Daraufhin schaltet ein elektrohydraulisches Aggregat zu und ein Magnetventil öffnet sich. Der damit angesteuerte, doppeltwirkende Hydraulikzylinder öffnet den Gülleschieber. Nochmals kurz erklärt: Wenn der Fahrer den Saugarm in die Station senkt, öffnen sich die Schieber vollautomatisch – er muss nur mehr die Zapfwelle einschalten.

Ist der Sauger im Ansaugtrichter angelangt, schaltet eine elektromagnetische Steuerung automatisch die Schieber. Die Schalter und LEDs dafür sind im Kunststoff eingegossen.
Quelle: Weninger

Sobald das Fass voll ist, unterbricht ein nachgerüsteter Reed-Schalter am Füllstandsanzeiger den Stromkreis der Magnetspule am Ansaugarm. Dann wird das Magnetventil umgeschaltet und die Güllegrube geschlossen. Schließlich werden 10 Sekunden lang der Ansaugarm und die Vorgrube leergesaugt.

Im Ansaugstutzen sind neben den Reed-Kontakten auch mehrere farbige LEDs eingegossen. Sie zeigen dem Fahrer an, in welcher Stellung sich die Schieber gerade befinden und somit welchen Weg die Gülle nimmt. Die gesamte Technik an der Andockstation ist geschützt in einem Kasten aus verzinktem Blech untergebracht. Ein Plexiglas-Fenster ermöglicht die schnelle Sichtkontrolle. „Möglich wäre auch, diese Schaltung für eine Pumpe zu bauen. Der Reed-Kontakt am Füllstandssensor schaltet dann einfach die Pumpe aus“, denkt der Tüftler seine Erfindung weiter. Statt an einer Andockstation könnte sie auch in Zubringerfässern eingebaut sein. Die nötige Stromversorgung der Andockstation erfolgt über ein fest verlegtes Kabel. „Wäre die Station mobil, könnte das natürlich auch eine Batterie übernehmen“, ergänzt Stadlbauer.

Peter Stadlbauer hat die automatische Gülle-Andockstation entwickelt – ganz ohne elektrotechnische Ausbildung.
Quelle: Weninger

Aufgerüstetes Güllefass

Der selbst gebaute Saugarm ist nicht die einzige Verbesserung am Güllefass. Peter Stadlbauer hat auch die Aufnahme für das Schleppschlauchgestänge sowie alternativ für zwei Möscha-Verteiler selbst gebaut. Das Gestänge lässt sich in nur wenigen Minuten von einer Person abbauen und mittels Rollen fortbewegen. Außerdem hat der Erfinder eine ebenfalls selbst gebaute Reifendruckregelanlage nachgerüstet. Für schnelle Befüllzeiten vor den Straßenfahrten sorgt das Aggregat eines ausrangierten Baukompressors mit einer Leistung von 4.000 l/min. Es ist rechts hinter den Rädern an den Rahmen geschraubt und mit einer Kunststoffhaube abgedeckt. Der Kompressor wird hydraulisch angetrieben, daher hat Stadlbauer dort einen Ölkühler ergänzt. Dieses „Paket“ könnte er dank Dreipunktaufnahme auch in der Fronthydraulik anbauen. Die Luftzufuhr zu den Rädern erfolgt über außenliegende Drehnaben. Ein in die Felge gebohrtes Loch samt Absperrhahn macht die Anlage komplett.

Die Reifendruckregelanlage ist ebenfalls selbst gebaut, die Luft liefert ein Baustellenkompressor (hinter der schwarzen Verkleidung).
Quelle: Weninger

Das i-Tüpfelchen ist die – selbstverständlich ebenfalls selbst gebaute – Bedienbox in der Traktorkabine für die elektrohydraulische Steuerung des gesamten Güllefasses. Damit kann Stadlbauer den Reifendruck für Feld (0,7 bar) und Straße (3,5 bis 4 bar) jeweils per Knopfdruck ansteuern. Beide Drücke lassen sich über Stellschrauben in der Box anpassen. Ein Manometer je Achse gibt Auskunft über den momentanen Reifendruck. Über die Bedienbox werden außerdem die Verteiler und der Saugarm gesteuert. So können das Gestänge geklappt und hochgeschwenkt bzw. die beiden Möscha-Verteiler (auch einzeln) geöffnet und geschlossen werden. Der Ansaugarm wird über einen kleinen Kreuzhebel vor und zurück sowie auf und ab bewegt.

Betriebsführer Stefan Stadlbauer freut sich über seinen technikbegabten Bruder Peter und dessen Erfindung.
Quelle: Weninger

Hersteller gesucht

Seine automatische Andockstation hat Peter Stadlbauer zum Patent angemeldet. Sein Wunsch ist, dass ein Hersteller für Gülletechnik seine Erfindung in Serie bauen und vermarkten wird. Vorteile weiß Stadlbauer einige aufzuzählen: „Es gibt keine beweglichen Teile. Und es kommt nichts mit Gülle in Berührung, somit kann auch nichts korrodieren. Durch meine Erfindung ist kein Absteigen vom Traktor mehr nötig. Die Steuerung ist vollautomatisch und sicher, man kann nichts mehr vergessen.“ Und vor allem: Das Güllefass ist schneller wieder am Acker – dort, wo die teure Technik hingehört.

Hier finden Sie noch weitere Fotos von dieser Erfindung: (Fotos: Weninger)