Bio„Nicht kälter als zwölf Grad“

„Nicht kälter als zwölf Grad“

Ein Interview von Roman GOLDBERGER, LANDWIRT Redakteur

Herr Hagmüller, was war der Anstoß für diesen Stall?

Ausschlaggebend war das Problem, dass es in vielen Abferkelstallungen im Winter sehr kalt wird. Sie lassen sich schlecht heizen, weil sich die Auslauftür öffnet und oft auch offen bleibt, Außerdem haben Bauern immer wieder von einer schlechteren Ferkelvitalität im Winter gesprochen.

Wie lässt sich dieses Problem lösen?

Je kleiner der umbaute Raum ist, desto eher schaffe ich auch im Winter ausreichend hohe Temperaturen. Man hat damit zwar wenig Luftvolumen, was aber bei Bio kaum eine Rolle spielt, weil durch die Auslauftür ständig die Luft ausgewechselt wird und die Besatzdichte mit 7,5 m2 pro Tier gering ist.

Wie kalt wird es in der Bucht werden?

Beheizt wird ausschließlich das Ferkelnest. In der Bucht selbst erwarte ich selbst bei niedrigen Wintertemperaturen nie unter zwölf Grad.

Warum haben Sie sich für Holz entschieden?

Weil wir so nachhaltig und günstig wie möglich bauen wollten. Die 10 cm dicken kreuzverleimten Holzmodule entsprechen einem Dämmwert von 0,8. Das hätten wir auch bei 30 cm Beton und 6 cm XPS-Platten geschafft. Wir wollten aber keine XPS-Patten einbauen und alle Alternativen wie Hanf oder Glasschaum wären teurer gekommen. Holz hat außerdem den Vorteil, dass es im Raum den Schall dämmt und somit eine angenehmere Umgebung schaf

Kann ich die Holzwände mit dem Hochdruckreiniger waschen?

Ja, das ist möglich. Nicht möglich ist die Reinigung mit dem Dreckfräser. Eine normale Flachstrahl-Reinigung mit 100 bar ist möglich, ich würde es nur nicht dauerhaft machen. Die Sauen werden kaum in die Bucht koten, also wird maximal etwas Ferkelkot in der Bucht sein. Diesen kann ich nach dem Absetzen abtrocknen lassen und wegkehren. Den Reiniger brauche ich nur, wenn ich Ferkeldurchfall in der Bucht hatte. Ich bin davon überzeugt, dass solche Ställe in einem geschlossenen, stabilen System nur selten gewaschen werden müssen.

Wie hoch sind die Kosten?

Wir sind auf Baukosten von 8.500 Euro netto pro Abferkelbucht gekommen. Damit sind wir mit diesem Modulstall nicht teurer als herkömmliche Ställe und haben den Vorteil einer fixfertig vergebenen Baustelle, die noch dazu extrem rasch abläuft.

In welcher Zeit lässt sich der Stall bauen?

Wir haben von der ersten Baggerarbeit bis zum Einstallen der Sauen genau sechs Wochen gebraucht. Da alle Arbeiten von Firmen übernommen werden, lässt sich das ganz gut planen.

Die ersten Sauen wurden nun eingestallt. Worauf sind Sie am meisten gespannt?

Die wichtigste Fragestellung ist, ob die Trennung von Aktivitätsbereich, Fressbereich und Liegebereich tatsächlich von den Sauen angenommen wird. Außerdem könnten Sauen im Fressbereich ferkeln. Wenn das passiert, müssen wir schnell reagieren. Ich bin aber sehr optimistisch. Wir haben im heurigen Jahr bei der Welser Abferkelbucht bereits 10,6 abgesetzte Ferkel pro Wurf und nur 15 % Saugferkelverluste. Das sollten wir hier auch schaffen.

Was uns noch wichtig ist: Wir möchten uns bei allen beteiligten Firmen für die gute Zusammenarbeit bedanken. Ohne sie wäre das Projekt gar nicht erst möglich gewesen.