BioBio-MilchviehMöblierter Auslauf für Rinder

Möblierter Auslauf für Rinder

Im möblierten Auslauf auf einer Güllegrube mit Spaltenboden befindet sich eine Futterraufe mit Fressplätzen. Fotos: Breininger

Von Walter BREININGER

Die Diskussion um den Anbindestall ist kein regionales Thema. Sowohl in Österreich als auch in Bayern, Südtirol oder in der Schweiz wird darüber diskutiert. So richtig an Fahrt gewann die Debatte vor einem Jahr ausgehend von Deutschland, wo Handelsketten und Molkereien verstärkt den Umstieg auf den Laufstall forderten. Mittlerweile hat diese Forderung nach „Laufstallmilch“ auch Österreich erreicht und da im Besonderen die Berggebiete. Denn hier werden die Milchkühe, bedingt durch oftmals sehr kleine Bestände, traditionellerweise noch am Anbindestand gehalten. Diese Haltungsform wird aber fast immer mit Auslauf und/oder Weidegang kombiniert. Nur mehr in Einzelfällen gibt es die „ständige“ Anbindehaltung – und dann nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Behörde.

Der Anbindestall – ein Auslaufmodell?

Die Entwicklung der Nutztierhaltung unterliegt eindeutig dem Trend hin zum Laufstall. Begriffe wie „artgerechte Tierhaltung“ üben natürlich großen Einfluss auf die Planungstätigkeit aus und machen sich im hohen Anteil an Laufstallungen eindrucksvoll bemerkbar. Daraus resultierende strengere Haltungsvorschriften gingen auch in der Vergangenheit nicht immer konfliktfrei vonstatten. Erinnern wir uns an die verpflichtende Einführung der Gruppenhaltung für Kälber. Für viele damals nicht vorstellbar und daher auch nicht umsetzbar, heute aber gängige Praxis in der Kälberhaltung. Mit dem relativ jungen Begriff „Tierwohl“ findet eine Neudefinition von Tierhaltung statt, die sehr aufmerksam sowohl vom Handel als auch von den Konsumenten beobachtet und in weiterer Folge auch eingefordert wird. Dass der Anbindestall im Zuge dieser Diskussion in den Mittelpunkt der Debatte rückt, war nur eine Frage der Zeit. Auch aus fachlicher Sicht ist dazu kaum eine Verteidigung dieser Haltungsform zu erwarten. Schwierig gestalten sich immer Übergangszeiten, in denen eine altbekannte Haltungsform von einer neuen abgelöst werden soll. In der Rinderhaltung und da speziell in der Milchviehhaltung kommt noch erschwerend dazu, dass die in die Kritik gekommene Haltungsform gerade bei kleineren Betrieben am Berg mit schwierigsten Rahmenbedingungen noch vermehrt anzutreffen ist.

Lösungen gibt es

Zum Glück beginnen wir diese Überlegungen nicht von null. Den betroffenen Betrieben kann bereits jetzt eine Vielzahl an guten, praxiserprobten Lösungen angeboten werden. Darunter sind sowohl ausgezeichnete Beispiele für den Bereich der Auslaufgestaltung als auch kostengünstige Varianten für einfache Um- und Zubauten zum Laufstall. Ein wichtiges Ziel muss es sein, dass neben einer verbesserten Tierhaltung auch die täglich anfallenden Arbeiten wie das Füttern, Entmisten oder Melken wesentlich erleichtert und verkürzt werden. Bei Beratungen vor Ort hat dieses Thema einen sehr hohen Stellenwert, da die Arbeitskräfte und auch die verfügbare Arbeitszeit auf den Höfen immer geringer werden.

Der etwas andere Laufstall

Mit dem Einzug der Milchkühe in einen Laufstall geht sehr oft eine weitere Veränderung am Betrieb einher. Rinder werden nicht mehr ausgetrieben und verschwinden somit von der Weide oder dem Auslauf. Es gibt jetzt zwar den erwünschten Laufstall, aber keine „sichtbare“ Kuh mehr. Zum positiven Image der Landwirtschaft trägt das nicht bei. Eine Lösung ist der sogenannte möblierte Auslauf. Damit wird das Image der Anbindehaltung durch Freigeländezugang, sei es die Weide oder den unmittelbaren Auslauf beim Stall, wesentlich aufgewertet. Denn gerade dieser für die Tiere so wichtige Aspekt wird allein durch einen Laufstall nicht erfüllt. Auslauf und Weide werden in Zukunft aber immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses rücken, da sie sehr viele positive Aspekte für die Tiere abdecken. Kühe im Freien bewegen uns nicht nur auf emotionaler Ebene, auch wirtschaftlich betrachtet spricht vieles dafür. Dabei ist die Größe des Außenbereiches alleine kein ausschlaggebendes Kriterium. Es sind die Klimaeinflüsse wie Sonne im Herbst und Winter oder Regen im Frühling und Sommer, die höher zu bewerten sind.

Am höchsten Punkt des großzügigen Auslaufes liegen die Außenliegeboxen unter einem Wirtschaftsgebäude.
Der bestehende Anbindstall wird nur mehr für Melkarbeiten und bei sehr schlechten Wetterverhältnissen genutzt.

Attraktiven Auslauf schaffen

Leergeräumte Auslaufflächen begeistern im seltensten Fall. Wie schafft man es, Ausläufe attraktiv zu gestalten? Ganz einfach: Man stattet diese Freifläche mit den verschiedensten Elementen eines Laufstalles aus. Das kann mit einer Bürste oder einer Tränke beginnen, eine Raufe für Heu und eine Raufe für Silage kann folgen und bei einer Überdachung für einen Liegebereiche enden.

Überdachte Bereiche sind generell von großer Bedeutung. Sie sind Schattenspender und vermindern Niederschlagswässer und somit auch deren Lagerung. Die Reihenfolge der „Möblierung“ ist beliebig und auch immer erweiterbar. Jeder Betrieb kann für sich selbst das Tempo bei der Ausstattung und Ausgestaltung des Auslaufbereiches bestimmen. Im Großen und Ganzen werden aber bei dieser Vorgehensweise alle wichtigen Elemente eines Laufstalles verwendet, der Schritt von der Anbindehaltung zur Laufstallhaltung wird somit fast unbemerkt vollzogen.

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