BioBio-GeflügelMit Bio-Legehennen Geld verdienen

Mit Bio-Legehennen Geld verdienen

Foto: Weiland

Von Thomas NEUMAIER

In den letzten Monaten beschäftigten sich einige Artikel in Agrarzeitschriften mit dem Einstieg in die Öko-Legehennenhaltung. Dabei fällt auf, dass es zwar Kalkulationsdaten gibt, aber wenig wirklich stichfeste Zahlen aus der Praxis. Im Rahmen meiner Masterarbeit im Jahr 2015 habe ich die Wirtschaftlichkeit der Öko-Eiererzeugung in Abhängigkeit von der Haltungs- und Vermarktungsform untersucht. Dieser Artikel gibt Ihnen einen Überblick über die reale wirtschaftliche Situation der Betriebe. Insgesamt flossen die Daten von 14 Naturland- Betrieben aus Bayern in die Auswertung ein. Dabei handelte es sich um sieben direktvermarktende Betriebe und sieben Betriebe, die an eine Packstelle liefern. Diese Vermarktungsformen werden im Folgenden verglichen.

Packstelle: Futterkosten und Leistung sind wichtig

Wie zu erwarten war, machten die Futterkosten bei den Packstellenlieferanten knapp die Hälfte aller Kosten aus (Abb. 1). Weitere größere Kostenpunkte sind die Lohnkosten mit ca. 17 % sowie die Junghennen (16 %) und die Abschreibung für den Stall (12 %). Eine untergeordnete Rolle spielen die sonstigen variablen Kosten (beispielsweise Tierarzt, Einstreu) und die Dienstleistungs- und Maschinenkosten. Bei der Berechnung der Gebäudekosten wurde die Gebäudehülle auf 20 Jahre und die Inneneinrichtung auf 12 Jahre bewertet. Die Verzinsung wurde mit 5 % angenommen. Die durchschnittlichen Erzeugungskosten für ein Ei lagen bei den Packstellenbetrieben bei knapp 18 Cent. Auffällig ist die große Spanne der Ergebnisse: Die Produktionskosten erstreckten sich von unter 16 Cent bis zu fast 20 Cent pro Ei. Dies liegt vor allem an der Legeleistung des Betriebes – denn je mehr Eier gelegt werden, desto besser verteilen sich die Kosten. Anders als etwa im Rinderbereich gibt es noch keine „Low Input“-Henne, sodass es gerade den Packstellenlieferanten auf eine möglichst optimale Nutzung des genetischen Potenzials der (Hybrid-)Henne ankommen sollte.  

Schwankungen bei Packstellen-Lieferanten

Die wirtschaftliche Situation ist bei den untersuchten Packstellenbetrieben im Durchschnitt als schwierig einzuschätzen. Nur zwei von sieben Betrieben gelang es überhaupt, bei einem unterstellten Stundenlohn von 17,50 Euro pro Arbeitskraftstunde (Akh) eine positive Einzelkostenfreie Leistung zu erzielen. Die Einzelkostenfreie Leistung ergibt sich aus den Leistungen abzüglich aller direkt einem Verfahren zuzuordnenden variablen und fixen Einzelkosten. Dazu zählen neben den Direktkosten und den Kosten der Arbeitserledigung auch die Gebäudekosten. Das bedeutet, dass der reale Stundenlohn zum Teil deutlich unter den angenommenen 17,50 Euro liegt und das unternehmerische Risiko nicht entlohnt wird. Besonders am Beispiel des Betriebes 3 wurde der schmale Grat deutlich, auf dem Packstellenlieferanten wandeln: Er konnte trotz hervorragender tierischer Leistungen mit 300 Eiern pro Platz und Jahr die Gewinnschwelle nicht erreichen, da der Erlös die Vollkosten von 17,28 Cent je Ei nicht deckte. Der niedrige Erlös kam hier durch eine erhöhte Absortierung der Eier seitens der Packstelle, insbesondere in den Sommermonaten mit schwächerer Kundennachfrage, zustande. Das heißt konkret: Mehr Eier gehen in die Verarbeitung (werden z. B. als Flüssig-Ei für Bäckereien vermarktet) und erzielen somit einen niedrigeren Preis, wodurch der Auszahlungspreis für den Landwirt sinkt. Positive Ausnahmen stellen jedoch die Betriebe 2 und 5 dar, deren reale Stundenentlohnung bei knapp 27 Euro bzw. über 40 Euro lag. Trotz halber Tierzahl (3.000 zu 6.000 Legehennen) verdiente Betrieb 2, auf den Gesamtarbeitsertrag bezogen, nur 10.000 Euro weniger als Betrieb 3. Der Gesamtarbeitsertrag ist die Summer aus Einzelkostenfreier Leistung aller Tierplätze und den Lohnkosten. Der ebenfalls 3.000 Tiere umfassende Betrieb 4 konnte wiederum in diesem Durchgang insgesamt nicht einmal 8.000 Euro erwirtschaften. Diese Beispiele zeigen die große finanzielle Schwankungsbreite, denen Öko-Legehennenhalter, die an eine Packstelle liefern, unterworfen sind. Zu ergänzen ist jedoch, dass dieser Berechnung eine 100%ige Ablieferung des Geleges an die Packstelle unterstellt wurde, und dass kein Ei direkt vermarktet wird. So müsste sich diese Produktionsform ja auch rechnen. In der Praxis verkaufen einige dieser Betriebe ihre Eier zusätzlich auch direkt an den Konsumenten.

Direktvermarkter mit höheren Lohnkosten

Auch bei den direktvermarktenden Betrieben hatten die Futterkosten mit 40,1 % den höchsten Anteil an den Gesamtkosten (Abb. 4). Interessant war, dass bei direktvermarktenden Betrieben die Lohnkosten mit fast 29 % kostenmäßig deutlich stärker ins Gewicht fielen als bei Betrieben, die an eine Packstelle lieferten (17,2 %). Grund dafür ist die Mehrarbeit, die für die Vermarktung nötig ist (sortieren, verpacken, Fahrten zum Markt). Die Kosten für die Anschaffung der Junghennen und das Stallgebäude lagen mit 12,1 % beziehungsweise 11,0_ % mit größerem Abstand dahinter. Die sonstigen variablen Kosten fielen etwas höher aus als bei den Packstellenlieferanten (5,6 % zu 4,7_%), was vor allem an der Beschaffung von Verpackungsmaterial lag. Jedoch sind auch diese als überschaubar einzustufen. Kosten für Dienstleistungen und Maschinen spielten mit einem Anteil von 2,3 % an den Gesamtkosten die geringste Rolle, Fremd-Arbeitskräfte wurden nicht eingesetzt.

In ganzen Zahlen ausgedrückt, waren im Durchschnitt der Untersuchungsbetriebe 26,09 Cent nötig, um kostendeckend Öko-Eier zu erzeugen.

 

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