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Maissilage mit Bohnen aufwerten

Quelle: Schmidt

Bereits die südamerikanischen Ureinwohner haben Mais mit Bohnen im Gemenge angebaut. Sie kannten schon damals die Vorteile. Die Bohne unterdrückt Unkräuter, weil sie den Boden besser bedeckt als Mais. Der gemeinsame Anbau fördert die Insektenvielfalt im Bestand. Knöllchenbakterien an den Wurzeln der Bohne binden Stickstoff. Den geben sie teilweise an den Mais ab. Was vom Mais nicht genutzt wird, steht der Folgekultur zur Verfügung. Insgesamt erhöht der Mischanbau den Proteingehalt in der Silage. Das ist gut für die Rinderfütterung und für die Biogasproduktion kein Nachteil.

Bisher haben Landwirte kaum Bohnen an ihre Tiere verfüttert. Das liegt an den Giftstoffen, den Phasinen, die vor allem in den rohen Bohnensamen vorkommen. Die sekundären Pflanzenstoffe schädigen den Darm und verursachen Verdauungsstörungen und Durchfall. Im schlimmsten Fall gelangen sie ins Blut und beeinflussen die Blutgerinnung. Bisher wusste niemand, wie viel Phasine in der Silage schädlich sind. Es war auch nicht bekannt, dass sich die Bohnensorten in den Phasingehalten extrem unterscheiden können. Manche Sorten sind fast phasinfrei, andere enthalten bis zu 70 g Phasine pro Kilogramm Trockenmasse.

Giftstoffe verdünnen sich

Die meisten Phasine finden sich in den Samen und Hülsen. In der Restpflanze konnten Wissenschaftler der Technischen Universität München nur geringe Gehalte nachweisen. Da Rinder in Silagen die ganzen Pflanzen fressen, verdünnen sich die Giftstoffe auf durchschnittlich unter 5 g/kg Trockenmasse. Silierversuche in der Schweiz zeigen, dass Mais-Bohnen-Gemenge noch weniger Phasine enthalten. Das liegt daran, dass der Maisanteil an der Silage bei 70 % liegt. Durch den phasinfreien Mais sinken die Gehalte in den Mischsilagen auf etwa 2,5 g/kg Trockenmasse. Das trifft auch auf Bohnensorten mit hohen Phasingehalten zu. In den letzten Jahren optimierte man die Bohnen züchterisch für den Gemengeanbau mit Mais. Man erhöhte die Biomasseleistung der Bohnen, passte ihren Entwicklungsrhythmus dem des Maises an und reduzierte den Phasingehalt auf einen vernachlässigbaren Wert.

Die Wissenschaftler der TU München haben 26 verschiedene Sorten von Stangenbohnen untersucht. Diese unterscheiden sich deutlich in den Gehalten.
Quelle: Brugger D, Hobmeier T, Buffler M, Bolduan C, Windisch W. 2018.

Pansenbakterien entgiften die Silage

Für Schweine und Geflügel sind Phasine hochgiftig. Wiederkäuer bauen sie aber im Pansen größtenteils ab. Tierernährer Daniel Brugger hat am Campus Weihenstephan phasinhaltige Bohnen im Pansensaft von Rindern inkubiert. Nach acht Stunden konnte er drei Viertel der Phasine nicht mehr nachweisen. Nach einem Tag gingen die Werte gegen Null. Da sich bei lebenden Rindern der Panseninhalt ständig in den Darm entleert, haben die Wissenschaftler um Brugger diese Flussrate mit eingerechnet. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass bei Hochleistungskühen nur ein Viertel der schädlichen Phasine in den Darm gelangt. Daher vertragen Rinder wesentlich höhere Phasingehalte im Futter als Monogastrier. Eine Gefahr für die Tiere konnte bisher aber nicht komplett ausgeschlossen werden.

Praxistests geben Entwarnung

Wissenschaftler am Thünen-Institut in Trenthorst fütterten ihre Michviehherde über zwei Jahre mit einer Mais-Bohnen-Silage. Keines der Tiere hatte wegen der Fütterung gesundheitliche Probleme. Die Leistungskurve und Milchinhaltsstoffe blieben stabil. Allerdings waren die Phasingehalte im Futter nicht bekannt. Die eingesetzte Bohnensorte Tarbais hatte nach eigenen Erkenntnissen in den Samen nur vergleichsweise geringe Phasingehalte von 5–10 g/kg Trockenmasse.
Deshalb haben Wissenschaftler an zwei weiteren Praxisbetrieben Mais-Bohnen-Silagen mit hohen Phasinanteilen verfüttert. Zum einen hatten die Bohnen hohe Phasingehalte von 45 g/kg in ihrer Korntrockenmasse. Zum anderen bauten die Landwirte in ihrem Bestand bis zu 28 % Bohnen an. Beide Betriebe halten schwarzbunte Holstein-Friesian-Kühe mit ei ner täglichen Milchleistung von 30 Kilogramm. Über mehrere Wochen fütterten sie ihre Tiere mit einem Mais-Bohnen-Silageanteil von 5,5– 7,5 kg Trockenmasse in der Gesamtration.

Die Bohnen beeinflussten weder die Milchleistung und Inhaltsstoffe noch die Gesundheit der Kühe. Im Kot und in der Milch konnten die Wissenschaftler um Dr. Daniel Brugger und Dr. Willmar Leiser keine Phasine mehr nachweisen. Somit bestätigte sich, dass die Gesamtgehalte in den Silagen und damit auch in der Gesamtration zu niedrig waren, um Probleme zu verursachen – trotz der Verwendung von Bohnen mit relativ hohen Phasingehalten. Gleichzeitig stieg der Rohproteingehalt in der Mais- Bohnen-Silage von 7 % auf 9 % gegenüber reiner Maissilage. Das lässt sich im Kraftfutter einsparen. Die Futterumstellung klappte in beiden Betrieben problemlos.

Kurz und knapp

Der Gemengeanbau von Mais mit Stangenbohnen erhöht den Eiweißgehalt in Silagen und wertet sie dadurch auf. Allerdings produzieren herkömmliche Bohnensorten teilweise sehr hohe Mengen an giftigen Phasinen. Bohnen- Neuzüchtungen tun dies nicht mehr. Verwendet man diese im Mais-Bohnenanbau, können die Mischsilagen in der Rinderhaltung problemlos eingesetzt werden. Dies hilft, die Tierproduktion und insbesondere den Maisanbau nachhaltiger zu gestalten.


Dr. Daniel Brugger ist Wissenschaftler und Dozent am Lehrstuhl für Tierernährung der Technischen Universität
München. Dr. Willmar Leiser ist wissenschaftlicher Leiter des Arbeitsgebietes Biotechnologie der Landessaatzuchtanstalt an der Universität Hohenheim.