LandtechnikLandmaschinentestLovol TB504 im Traktortest: Der erste Blick kann täuschen

Lovol TB504 im Traktortest: Der erste Blick kann täuschen

Im LANDWIRT 12/2018 haben wir erstmals unter dem Titel „Entsprechen Lovol-Traktoren dem Gesetz?“ über den von uns getesteten chinesischen Traktor Lovol TB504 berichtet. Was hat sich in der Zwischenzeit getan? Das Verkehrsministerium hat nach einer ausführlichen Prüfung eine Rückrufaktion angeordnet – siehe Kasten „Das sagt das Ministerium“.

Wiederum erscheint es auf den ersten Blick, als wären alle Probleme gelöst. Genehmigungs- und sicherheitstechnisch betrachtet ist das nach den uns vorliegenden Unterlagen auch der Fall. Für den praktischen Einsatz gibt es aber einige wichtige Punkte zu beachten, damit man nicht illegal unterwegs ist oder Garantieansprüche verliert.

Das sagt das Ministerium

„Die Fahrzeuge haben Mängel hinsichtlich der Zapfwellenbetätigung und der Signaleinrichtung (Hupe – Anm. d. Red.) aufgewiesen. Entsprechende Abhilfemaßnahmen wurden vom Hersteller vorgeschlagen, vom technischen Dienst überprüft und vom BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) freigegeben. Ein dementsprechender Rückruf wurde angeordnet und ist im Gang.

Hinsichtlich der Bremsanlage sind Diskrepanzen zwischen dem durchgeführten Test und den Ergebnissen der Typprüfung aufgetreten. Diese sind gerade in Abklärung mit der zuständigen Typgenehmigungsbehörde. Aus den uns vorliegenden Daten lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Vorschriften zur Bremsverzögerung nicht erfüllt werden. Die Grenzwerte dürften allen vorliegenden Ergebnissen zufolge knapp aber doch eingehalten werden.“

Heikler Frontladereinsatz

Importeur Leeb hat uns einen gut ausgestatteten Lovol TB504 mit einer Fronthydraulik von Lesnik und einem Frontlader für den Test zur Verfügung gestellt. Mit den fix montierten Frontladerkonsolen brachte unser Testkandidat 2.860 kg auf die Waage. Bei einem zusätzlichen Gesamtgewicht von 3.490 kg ergibt das eine Nutzlast von maximal 630 kg. Für einen 50 PS-Traktor ist das ok. Diesen Traktor darf man auch mit der Führerscheinklasse „B“ lenken, da das zulässige Gesamtgewicht unter 3.500 kg liegt.

Viel Kopfzerbrechen bereitete uns der Frontlader: Er trug kein Typenschild und keine CE-Kennzeichnung. Nach eigenen Angaben war es noch ein Prototyp. Die BLT Wieselburg stellte fest, dass die zulässige Vorderachslast bereits mit den angeschraubten Frontlader-Anbaukonsolen – also ohne den eigentlichen Frontlader – um 15 kg überschritten ist. Damit man auf öffentlichen Straßen rechtmäßig unterwegs ist, muss man selbst bei einer Leerfahrt ein Heckgewicht anbauen, um die Vorderachse zu entlasten.

Vorsicht beim Frontladereinsatz: Die zulässige Vorderachslast und Nutzlast sind rasch überschritten. (Fotos: Paar und Weninger)

Die Gewichtlimits von Vorderachse und Gesamtnutzlast machen einen Frontladereinsatz in der Praxis fast unmöglich. Zudem konnten wir aus den uns vorgelegten Unterlagen keinen Hinweis auf den für Frontladerarbeiten erforderlichen FOPS-Schutz (Schutz gegen herabfallende Teile) finden. Auch der folgende Satz in der Betriebsanleitung lässt vermuten, dass ein Frontladereinsatz nicht zulässig ist: „Darüber hinaus dürfen die landwirtschaftlichen Traktoren nicht unter Bedingungen eingesetzt werden, welche das Risiko fallender und eindringender Gegenstände hervorrufen können.“

Die Testfahrer bemängelten zudem die Kinematik des Laders: Die Schaufel lässt sich nur im unteren Hubbereich entleeren. Neben den gesetzlichen Aspekten kann eine zu hohe Vorderachslast auch technische Probleme nach sich ziehen und Gewährleistungsansprüche zunichte machen: Felgenschäden, Haltbarkeit der Radbolzen, Probleme mit dem Antriebsstrang, Undichtheiten an der Achse bis hin zum Bruch. Nicht betroffen davon ist die Bereifung. Sie würde sogar eine Vorderachslast von 2.300 kg bei 40 km/h ermöglichen.

Komfortable Rundumsicht

Kleiner Mehrzwecktraktor

Der Lovol TB504 ist ein vollwertiger 50-PS-Traktor mit einer komfortablen Kabine. Mit Zusatzaufbauten wie Frontlader und Fronthubwerk kommt man aber rasch an die Grenze der zulässigen Lasten.

Abschaltung für Druckluftkompressor

Komfortable Kabine

Der Lovol TB504 ist serienmäßig gut ausgestattet und bietet jede Menge Zusatzausstattung. Einige davon werden in einem Europapaket zu einem reduzierten Preis angeboten. Eine komfortable Kabine mit ebenem Einstieg, Klimaanlage, luftgefedertem Sitz, ausreichende Arbeitsscheinwerfer und Radio sowie eine Regelhydraulik, zwei doppelt wirkende Steuergeräte mit drucklosem Rücklauf, eine Druckluftbremsanlage, eine mechanische Wendeschaltung links unter dem Lenkrad, ein höhenverstellbares Zugmaul und schwenkbare Kotflügel sind in dieser Traktorklasse nicht selbstverständlich. Für diese umfangreiche Ausstattung und die gute Rundumsicht gab es viel Lob von unserem Testteam. Die nicht klappbare, weit über das Dach ragende Rundumleuchte passt nicht zu diesem positiven Bild. Bei der Lautstärkemessung wurde mit 86 dB(A) die gesetzliche Anforderung erfüllt.

Kabine mit guter Rundumsicht und weitgehend mechanischer Bedienung.

Gut gefallen hat uns auch die mechanische Abschaltung des Druckluftkompressors. Bei Nichtgebrauch lässt sich dieser mit einem kleinen Hebel auf der linken Seite des Motors einfach abschalten. Das spart Kraft und Treibstoff. Gute Noten gab es auch für die Zugänglichkeit der wichtigsten Wartungspunkte, wie z.B. Luftfilter, Batterie, Ölkontrolle etc. Der Dieseltank am linken Aufstieg ist einfach zu betanken und fasst 65 Liter. Der Tankdeckel ist sogar versperrbar.

LANDWIRT Bewertung

+ „B“-Führerschein tauglich
+ Preis-Leistungsverhältnis
+ komfortable Kabine
+ Klimaanlage
+ gute Rundumsicht
+ Motorleistung
+ mechanische Wendeschaltung
+ 40 km/h
+ Hubkräfte
+ mechanische Hubwerksregelung
+ Arbeitsscheinwerfer
+ deaktivierbarer Druckluftkompressor
+ Zugänglichkeit für Wartung

– geringe Vorderachslast
– Bremswirkung
– Frontlader-Kinematik
– Ölaustritt bei Kurbelgehäuseentlüftung
– Allradschaltung
– Anhängekupplung

Passable Motorleistung

Unter der Motorhaube dieselt ein 4-Zylinder aus China. Er erfüllt die Abgasvorschriften der Stufe IIIA und leistet laut Hersteller 36,8 kW/50 PS. Die von der BLT gemessenen Motordaten entsprechen durchwegs den Herstellerangaben. Der Motor hält, was er verspricht, das hat sich auch in der Praxis gezeigt.

Chinesischer Motor: Die BLT hat passable Leistungswerte gemessen.

Die BLT hat bei der Nenndrehzahl von 2.400 U/min eine maximale Leistung von 32,3 kW/44 PS gemessen. Das ergibt einen Leistungsverlust vom Motor zur Zapfwelle von 12,1 %. Eine Überleistung und einen Konstantleistungsbereich gibt es nicht. Das maximale Drehmoment von 165 Nm wurde bei 1.700 Motorumdrehungen gemessen. Auch mit den Werten für den Drehmomentanstieg (28,4 %) und das Anfahrdrehmoment (111,2 %) kann man zufrieden sein.

Das gilt auch für den Spritverbrauch: Der spezifische Dieselverbrauch bei Nenndrehzahl und maximaler Leistung beträgt 278 g/kWh. Im unteren Drehzahlbereich fällt dieser auf etwa 246 g/kWh ab. Für die Praxis bedeutet das einen stündlichen Verbrauch je nach Belastung zwischen vier und elf Litern. Wird der Motor stärker beansprucht, tritt an der Kurbelgehäuseentlüftung Öl aus. Das ist ein Wermutstropfen der sonst guten Motorperformance und sollte in der heutigen Zeit nicht mehr vorkommen!

Starke Hydraulik

Abgesehen vom falsch eingestellten Überdruckventil bei der Auslieferung waren wir mit den Hydraulikleistungen und den Hubkräften sehr zufrieden. Lovol rüstet den TB504 auch mit einer mechanischen Lage- und Zugkraftregelung aus – prima! Das Überdruckventil wurde nachträglich von 150 bar auf den korrekten Wert von 175 bar berichtigt. Die Hydraulikpumpe soll laut Herstellerangabe 40 l/min fördern. Gemessen hat die BLT 36 l/min. 10 % Verlustleistung sind nicht wenig, aber in diesem Fall ok, da für die Lenkung eine eigene Pumpe vorhanden ist.

Die Hubkräfte sind sowohl hinten als auch vorne top! An der Ackerschiene im Heck stemmt er durchgehend 1.595 kg, vorne sind es 955 kg. Der Lovol TB504 hebt deutlich mehr als er dürfte. Bei unserem Testkandidaten war hinter der Kabine ein Zusatzöltank aufgebaut. Dieser reduziert den Freiraum zwischen Traktor und Gerät, was bei vielen Geräten zu einer Kollision zwischen Gerät und Kennzeichentafel führt. Kritik gab es auch für die Unterlenker ohne Schnellfanghaken und die auf der rechten Seite angeordneten Hydraulik- und Druckluftanschlüsse.

Der Lovol TB504 ist ein vollwertiger Traktor, der sich universell einsetzen lässt.

Grenzwertige Bremse

Der Lovol TB504 hat ein Wendegetriebe mit 12 Vorwärts- und 12 Rückwärtsgängen. Er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 40 km/h. Weiters hat das Getriebe zwei Zapfwellendrehzahlen: 540 und 540E. Die Fahr- und Zapfwellenkupplung ist als Doppelkupplung ausgeführt. Beide Antriebstränge werden über ein Fußpedal betätigt: Bei halbem Pedalweg bleibt der Traktor stehen, tritt man die Kupplung ganz durch stoppt auch die Zapfwelle. Obwohl diese Technik nicht mehr zeitgemäß ist, waren unsere Testfahrer durchaus zufrieden.

Scharf kritisiert wurde die Bremswirkung. Selbst bei der Leerfahrt hatten unsere Testfahrer Mühe, das Fahrzeug abzubremsen. Das war auch der Anlassfall für die ministerielle Überprüfung – siehe Kasten „Das sagt das Ministerium“. Die Betriebsbremse ist eine Scheibenbremse, die aber nur auf die beiden Hinterräder wirkt. Eine automatische Allradzuschaltung beim Bremsen, wie bei den meisten Herstellern, gibt es nicht. Zudem ist der Allrad nicht lastschaltbar und darf laut Betriebsanleitung auf festem Untergrund nicht zugeschaltet werden.

Kauf nach dem zweiten Blick

Damit man nach einem eventuellen Kauf keine bösen Überraschungen erlebt, sollte man einen zweiten Blick in die Fahrzeugpapiere werfen und Folgendes beachten: Sofern Zusatzaufbauten, wie z.B. Frontlader, Fronthubwerk und Anhängerbremsanlage, nicht in der Grundgenehmigung des Fahrzeuges eingetragen sind, müssen sie nachträglich genehmigt werden. Das kann ein Einzelgenehmigungsnachweis sein, in manchen Fällen reicht auch eine Einbaubestätigung einer autorisierten Fachwerkstätte.

Bei der Durchsicht der Betriebsanleitung sind wir auch auf Kurioses gestoßen, wie z.B. dass dieser Traktor von Personen unter 18 Jahren sowie von schwangeren Frauen nicht gelenkt werden darf. Wie diese Hinweise aus Sicht unserer Länderbestimmungen zu interpretieren sind, konnten wir noch nicht eruieren.

Sofern alle gesetzlichen Bestimmungen erfüllt sind und sie sich auch einhalten lassen, bekommt man mit dem Lovol TB504 viel Traktor um wenig Geld. Das Gesamtresümee unserer Testfahrer lautet: „Mit dem Lovol TB504 bekommt man eine etwas in die Jahre gekommene Technik, in einem zeitgemäßen Kleid, mit komfortabler Kabine, zu einem günstigen Preis.“

Leeb wirbt im Internet mit einem Endkunden- Verkaufspreis von 22.500 Euro inkl. MwSt. Mit LTEC Frontlader ab Werk sind 26.999 Euro zu berappen. Für Hobbylandwirte, aber auch für Klein- und Nebenerwerbsbetriebe ist das bestimmt ein verlockendes Angebot.

Seit kurzer Zeit bietet Importeur Leeb im Internet das leicht modifizierte Nachfolgemodell M504 an: Laut Prospekt wurden im Wesentlichen die Bauartgeschwindigkeit auf 30 km/h reduziert und die zulässigen Achslasten sowie das zulässige Gesamtgewicht leicht erhöht. Das neue Modell darf nicht mehr mit der Führerscheinklasse „B“ gelenkt werden. Das zulässige Gesamtgewicht von 3.750 kg erfordert die Führerscheinklasse „F“.

Klicken Sie sich hier durch weitere Fotos unseres Praxistests des Lovol TB504: