LandlebenFamilie„Ich will bei der Arbeit wie ein Mann akzeptiert werden.“

„Ich will bei der Arbeit wie ein Mann akzeptiert werden.“

Julia Jäger, 22, Leibertingen
Quelle: Buffler

Roarhommm!!! Ein markerschütterndes Brüllen dröhnt aus der Scheune im schwäbischen Leibertingen. Hinter dem offenen Tor flackern Arbeitsscheinwerfer auf. Langsam rollt der gelb-grüne Forsttraktor auf den Hof von Familie Jäger. Elf Tonnen Stahl kommen mit einem Ruck zum Stehen. Die Tür schwenkt auf und gibt den Blick auf den Kommandostand der 170-PS-Forstmaschine frei. Dort hat es sich Julia Jäger bequem gemacht. Die glatten dunkelbraunen Haare der zierlichen 22-Jährigen fallen locker über ihre Schultern. Julia trägt eine schwarze Hose, modern und eng geschnitten, aber funktional mit seitlichen Taschen für Werkzeuge. Das Einzige, was an Julia grob, aber trotzdem nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sind die geschnürten, knöchelhohen Arbeitsschuhe.

Lebensziel Bäuerin

Die gehören für die gelernte Landwirtin zum Alltag. Die älteste von drei Töchtern ist auf einem Bauernhof auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen. Ihr Vater ist Forstunternehmer und Nebenerwerbslandwirt. Schon in der Grundschule wusste sie: „Ich werd‘ Bäuerin.“ Bis heute ist dieser Berufszweig von Männern dominiert. Auf zehn Auszubildende kommen gerade einmal zwei Frauen. Geschont wurde Julia auf ihren Ausbildungsbetrieben trotzdem nicht. Da kam es auch vor, dass sie alleine bei Wind und Schnee eine Silomiete abräumen oder zentnerschwere Eichenbalken umschichten musste. „Aber schließlich sind Lehrjahre keine Herrenjahre“, resümiert sie und lächelt gequält. Ihr Vater Günther sieht das anders: „Zum Teil werden die Lehrlinge auf den Höfen richtig ausgebeutet. Egal, ob sie Jungen oder Mädchen sind. Aber Julia hat das eisern durchgezogen. Wenn sie etwas will, macht sie es auch.“