BioBio-MilchviehHeutrocknung in der Vollholzhalle

Heutrocknung in der Vollholzhalle

Die Heutrocknungshalle von Familie Lehmann ist aus massivem Fichten- und Buchenholz gebaut. Das Holz kommt aus dem Schwarzwald und Bayern.
Quelle: Buffler

Tok, tok, tok. Es klingt dumpf, wenn Stefan Lehmann mit seinen Fingerknöcheln gegen die Wand seiner Heutrocknungshalle hämmert. Nicht das hohle Geräusch, das man von einer Ständerbauweise kennt. Er grinst: „Es ist nicht so schlimm, wenn man mit dem Heugreifer mal aneckt. Da ist nicht gleich ein Loch in der Wand und man sieht höchstens mal eine Farbspur.“

Einmal mit dem Heugreifer nicht aufgepasst und schon ist ein Loch in der Beplankung.
Quelle: ZoneFatal

Der Biolandwirt bewirtschaftet mit seiner Frau Elfriede einen Schwarzwaldhof, der schon seit mehr als 400 Jahren umgetrieben wird. Vor 18 Jahren investierten die Lehmanns in einen neuen Laufstall. 2017 traf die Bauersfamilie ein harter Schicksalsschlag. Der 13-jährige Sohn und Hofnachfolger Patrick verunglückte tödlich. Das Ehepaar Lehmann wusste über lange Zeit nicht, ob sie den Hof aufgeben oder weiterführen sollten. Dann die Entscheidung: „Wir wollten weitermachen und für die Zukunft gerüstet sein. Aber nicht durch Aufstocken. Wenn ich mit 40 Milchkühen kein Geld verdiene, verdiene ich auch mit 80 keines.“ Es musste eine andere Lösung her.

Der Betrieb

Demeter-Heumilchhof
Stefan (49) und Elfriede (47) Lehmann mit Tanja (27), Florian (24) und Stefanie (21)
77784 Oberharmersbach

Der Hof im Schwarzwald ist über 400 Jahre alt.
Quelle: Lehmann
Stefan und Elfriede Lehmann
Quelle: Buffler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • 54 ha Grünland (davon 40 ha gepachtet)
  • 48 ha Wald
  • 3 ha Weihnachtsbäume und Kulturheidelbeeren
  • 1,5 ha Streuobstwiesen
  • 40 Fleckviehkühe, zzgl. Nachzucht

Entscheidung Heumilch

Ende 2018 war klar, dass der Biolandwirt auf Heumilch umstellen will. Stefan Lehmann holte sich Angebote von verschiedenen Hallenherstellern. Die meisten davon boten Holzständerbauweise mit Grobspanplatten als Beplankung an. Schon damals hatte er seine Zweifel: „Die Bauweise mit OSB-Platten fand ich nie gut. Ich habe mir viele Trocknungshallen angeschaut. Überall wurden die OSB-Platten mit anderen OSB-Platten überklebt, weil sie Löcher hatten. Gerade in der Anfangszeit, wenn der Heugreifer neu ist, passiert das eine oder andere Missgeschick.“ Seine Frau Elfriede bestätigt diese Bedenken: „Besonders die ersten beiden Schnitte, die wir getrocknet haben, waren spannend. Bei der Heuernte muss es oft schnell gehen. In dem ganzen Stress erwischt man bei neuer Technik auch mal den falschen Hebel oder fährt zu schwungvoll in eine Ecke. Das halten die Platten nicht aus. Und dann geht die Flickschusterei los.“

Vollholz statt OSB-Platten

Nicht der einzige Punkt, der Stefan Lehmann an den verleimten Grobspanplatten störte: „Wir sind seit vier Jahren ein Bio-Betrieb, haben 2018 auf Demeter umgestellt. Hier gibt es strenge Richtlinien. Dazu passen für mich keine zusammengeklebten Platten. Wer weiß, was da für Giftstoffe ausdünsten. Außerdem hatte ich Bedenken, dass sich Stoffe aus den OSB-Platten herauslösen, wenn sie mit dem noch feuchten Heu in Berührung kommen. Nicht, dass es dann unerlaubte Rückstände in der Milch gibt, wie damals beim PCB.“

Die Halle im Überblick

Stefan Lehmann liebäugelte mit einer Trocknungshalle, die möglichst vollständig aus naturbelassenem Holz gebaut werden kann. Auf der Suche, wurde er im eigenen Dorf fündig. Die ortsansässige Zimmerei hat sich auf Holzbau spezialisiert und bietet auch Wohnhäuser in Massivholzbauweise an. Das Besondere dabei: Sie verzichtet vollständig auf Leim. Die einzelnen Holzschichten werden mit Gewindeschrauben aus Buchenholz verbunden – kein Verkleben, keine Metallschrauben.

Vorbild Wohnhausbau

Eine Heutrocknungshalle hatte die Zimmerei bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefertigt, schon gar nicht mit einem Volumen von insgesamt 2.800 Kubikmetern. Der Biolandwirt war aber überzeugt von dem System und setzte sich mit den Konstrukteuren zusammen. Das erste Problem: Bei Wohnhäusern enden die Buchenschrauben blind in den Innenwänden. Auf der Außenseite der Wände liegen sie offen. Erst durch die Fassadenverkleidung sind die Schrauben vor der Witterung geschützt. Familie Lehmann wollte darauf aus Kostengründen verzichten. Um den Schutz der Holzschrauben trotzdem zu gewährleisten, haben die Bauzeichner die 15,5 cm starken Wände kurzerhand gedreht. So liegt nun die durchgängige Holzfläche an der Außenseite, die Schrauben ragen nach innen ins Trockene.

Bei Wohnhäusern setzt die Zimmerei für die Massivholzbauweise 10–15 % Mehrkosten gegenüber einer Ständerbauweise an. Stefan Lehmann war jedoch wichtig, dass seine Vollholzhalle nicht teurer wird als eine vergleichbare Halle mit OSB-Platten. Wieder mussten sich die Bauzeichner an den Schreibtisch setzen. Durch Änderungen am Fundament und viel Eigenleistung konnten die Kosten gesenkt werden.

Trocknungsmöglichkeit für Rundballen

Stefan Lehmann ergänzt: „Bei den Betonarbeiten haben wir richtig Geld in die Hand genommen. Der Belüftungskanal liegt außen am Gebäude und ist deshalb betoniert. Es wäre auch ein günstigerer Kanal aus Holz möglich gewesen. Dann hätten wir ihn aber in die Halle verlegen müssen. Das kostet Platz. Und es entsteht eine kritische Stelle, wo man mit dem Heugreifer herum arbeiten muss. Ein Loch im Kanal wäre verheerend.“ Der außen liegende Betonkanal hat einen weiteren Vorteil. An seiner Oberseite befinden sich fünf verschließbare Öffnungen. Dort können bei Bedarf bis zu zehn Rundballen getrocknet werden. An der Stirnseite lässt sich zudem eine mobile Heutrocknung anschließen.

Die Einhausung für die Technik ist ebenfalls aus Beton. „Die Nachbarn hatten Bedenken, Stichwort: Maschinenlärm während der Trocknung. Das ist jetzt kein Problem mehr“, so Stefan Lehmann. Nicht der einzige Stolperstein im Projekt. „Unser Hof liegt mitten im Dorf. Wir mussten deshalb sieben bis acht Gutachten machen lassen. Beispielsweise auch wegen der Staubentwicklung. Nicht, dass jemand Probleme mit Heuschnupfen bekommt. Die Gutachter haben jeweils 1.000 Euro gekostet, aber es hat sich gelohnt.“

Kurze Wege bis zum Stall

Die Trocknungshalle baute Familie Lehman quer an die Stirnseite des Laufstalls. „Früher haben die Kühe ins Freie geschaut. Wir hatten deshalb Angst, dass sich durch die Querwand das Stallklima verändert. Aber es hat sich sogar verbessert. Vorher prallte die Sonne nachmittags um fünf Uhr auf den Melkstand. Jetzt ist es bei Weitem nicht mehr so heiß und die Kühe kommen sogar lieber zum Melken.“

Durch die Nähe zum Stall kann der Biobauer den Heugreifer zudem nutzen, um im Stall einzustreuen und die Kühe zu füttern. Die Fütterung dauert im Schnitt zehn Minuten, ein automatischer Anschieber besorgt den Rest. Die Laufschienen für den Heugreifer verlaufen über den Futtertisch und von dort über ein elektrisches Segmentaltor, das nach unten öffnet, in die Heutrocknungshalle. Dort machen sie einen 90°-Bogen. An der Giebelseite der Halle ist ein weiteres Tor. Dort fährt Stefan mit dem Heugreifer hinaus zur Abladestelle vor der Halle. Ein kleiner Wermutstropfen für ihn: „Ich hätte gern die Abladestelle mitten in der Halle gehabt. So müssen wir alles mit dem Kran reinziehen. Das ging aber baulich nicht anders.“

Nachdem die Betonarbeiten fertiggestellt waren, stand die Holzkonstruktion in wenigen Tagen. Ein Vorteil war, dass das Gebäude teilweise in den Hang eingelassen ist. Stefan Lehmann zeigt auf die Rückwand: „Die fertigen Wandelemente wurden vom Berg her aufgestellt. Wir haben dann gleich die Dachsparren und die Innenverschalung der Dachfläche gesetzt. Die Unterkonstruktion war dann auch gleichzeitig die Absturzsicherung. So haben wir keine zusätzlichen Netze gebraucht und konnten uns nach vorne vorarbeiten.“ Dass für die Lüftungsräume unterm Dach dann doch OSB-Platten verbaut wurden, sieht Stefan Lehmann gelassen: „Die Platten kommen ja nicht mit dem Heu direkt in Berührung. Mit diesem Kompromiss kann ich deshalb leben.“

Anlaufschwierigkeiten mit Nachtschicht

Die Halle hat Stefan in drei Boxen unterteilt, die jeweils 150 Quadratmeter messen und bis zu sechs Meter hoch befüllt werden können. Im besten Fall reicht jeweils eine für jeden Schnitt und die Mindestfüllhöhe von einem Meter ist immer gewährleistet. Trotzdem gab es im ersten Jahr Probleme. „Das haben wir verbockt“, erklärt Elfriede Lehmann. „Bei der zweiten Trocknungsrunde dachten wir, dass wir schon alles können. Aber die Automatisierung hat noch gefehlt und wir mussten die Lüftungsklappen von Hand bedienen. Einmal haben wir vergessen eine Klappe zu öffnen und dann fast zwei Tage das trockene Heu vom letzten Schnitt belüftet. Die Luftfeuchtigkeit in der Halle war so hoch, dass die Räder am Kran gequietscht haben. Am Ende mussten wir das Heu dann auf die Boxen verteilen und im Wechsel belüften. Stefan ist eine Woche lang Tag und Nacht alle 1,5 Stunden raus und hat die Klappen bedient.“

Heute funktioniert alles vollautomatisch. An warmen, trockenen Tagen saugt die Belüftung warme Luft aus den Dachzwischenräumen an und bläst sie über Klappen im Lüftungskanal von unten in das Heu. Der Rost ist dabei 70 cm über dem Boden, damit sich die Luft gleichmäßig verteilt. Die feuchte Luft aus dem Heustock zieht dann über den Lichtfirst ab. Der lässt sich bis zu 80 cm nach oben öffnen.

Gute Kombination: Dämmung und Wärmerückgewinnung

Bei niedrigen Außentemperaturen und Regen schaltet die Anlage auf Umluft um. Eine Luftöffnung leitet die Luft in den Entfeuchter. Der Verdampfer kühlt sie ab und entzieht ihr bis zu drei Liter Wasser pro Minute. Die trockene Luft wird wieder angewärmt und ins Heu geleitet. Familie Lehmann hat im Entfeuchter zusätzlich einen Kreuzstromwärmetauscher verbaut. Der entzieht der feuchten Luft die Wärme und gibt sie im Gegenstrom direkt wieder an die trockene Luft ab. Mit der speziellen Technik des Allgäuer Herstellers können bis zu 60 % der Wärme noch einmal genutzt werden.

Bei diesem System zeigt sich ein weiterer Vorteil der Massivholzhalle. Stefan Lehmann freut sich: „Der Dämmwert, den wir haben, war ein Volltreffer. Durch die gute Dämmung war die Abluft extrem angewärmt. Die Wärme ging dann auf die trockene Luft über. Wir haben das Heu teilweise mit 48–49 °C Lufttemperatur belüftet. Dadurch trocknet es schneller und wir sparen Energie. Im letzten Jahr hatten wir ohne den ersten Schnitt einen Stromverbrauch von etwa 11.000 bis 12.000 kWh. Die Kombination von guter Dämmung und Umluft ist für uns ideal. Bei einer Trocknungsanlage nur mit Abluft würde die Dämmung natürlich nichts bringen.“

Tabelle: Die Massivholzhalle hat gegenüber einer ungedämmten Ständerbauweise einen deutlich niedrigeren U-Wert. Zudem ist die Wärmespeicherkapazität höher. Wer eine Anlage mit Wärmerückgewinnung nutzt, kann durch die bessere Dämmung Energie einsparen.

EigenschaftOSB ungedämmtMassivholzOSB gedämmt
Wärmeschutz (U-Wert)1,64 W/m2K0,68 W/m2K0,32 W/m2K
Wärmespeicherfähigkeit30 kJ/m2K112 kJ/m2K32 kJ/m2K

Insgesamt hat Familie Lehmann 600.000 Euro in die Heutrocknung investiert. Bereut haben sie es bisher nicht. „Als Demeter-Betrieb achten wir besonders auf das Wohl unserer Tiere. Seit wir auf Heufütterung umgestellt haben, hat sich die Klauengesundheit unserer Kühe verbessert. Außerdem freuen sich die Kühe richtig, wenn das Heu vorgelegt wird. Dann knistert und knastert es.“ Stefan Lehmann wird nachdenklich: „Vielleicht übernimmt ja noch eines unserer Kinder den Hof.