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Gesund und köstlich

Profitiert vom wärmeren Klima, die Süßkartoffel. Sie wird in Oberösterreich seit 2015 verstärkt angebaut.
Quelle: shutterstock_liza1979

Der erwerbsmäßige landwirtschaftliche und gärtnerische Gemüseanbau wird in Oberösterreich von 160 Betrieben auf einer Gesamtfläche von etwa 1.820 ha (inkl. Mehrfachnutzung) betrieben, was einem neuen Rekord entspricht. “Auch die Zahl der Betriebe hat sich in den vergangenen zehn Jahren halbwegs stabilisiert, weil jene, die aufgehört haben, durch Neueinsteiger abgelöst wurden”, erläutert Ewald Mayr, Obmann des Verbandes der Obst- und Gemüseproduzenten OÖ. Die mit durchschnittlich 11 ha pro Betrieb im Vergleich zu den Haupterzeugerländern in Europa (Holland, Spanien, Italien etc.) sehr kleine Gemüsefläche in Oberösterreich ist ein Zeichen dafür, dass sehr viele dieser Betriebe den Anbau im optimalen Fruchtwechsel zu anderen Ackerbaukulturen ausüben.

Regional stark, selbst im Winter 

Die oberösterreichischen Gemüseerzeuger konzentrieren sich bei den Wintersorten hauptsächlich auf Kohl- und Wurzelgemüsearten. Innerhalb Österreichs sind sie beim Anbau von Lager- und Sauerkraut, Karotten, Roten Rüben, Sellerie, Speisekürbis und Erdäpfeln marktführend oder marktbedeutend. Vermehrt, und den neuen klimatischen Gegebenheiten angepasst, werden seit 2015 auch Süßkartoffeln kultiviert. Zu den Hauptsorten gesellen sich in unterschiedlicher Ausprägung viele Formen von Spezialitäten und Raritäten, die besonders in der Direktvermarktung angeboten werden.

“Die diesjährige Ernte brachte bei Wurzelgemüse je nach Bodenbeschaffenheit und ausreichender Bewässerungsmöglichkeit zufriedenstellende bis gute Erträge. Die trockene Witterung im Sommer und das damit einhergehende verstärkte Auftreten von tierischen Schädlingen (Insekten, Mäuse, Wild) hat aber so manchen Einbruch bei der Erntemenge und somit bei der wirtschaftlichen Gesamtrechnung gebracht. Vereinzelte Ausfälle gab es ebenso bei Kohlgemüse. Insbesondere bei Bio-Kraut und Bio-Blattkohl-Arten sind trotz des verstärkten Einsatzes von Kulturschutznetzen und Bio-Hilfsstoffen deutlich geringere Erträge zu verzeichnen”, fasst Landwirtschaftskammer (LK)-Präsidentin Michaela Langer-Weninger zusammen. Bei Vertragsgemüse erwartet man allerdings bis Ende November eine ausreichende Ernte. Positiver Effekt der klimatischen Änderungen ist die ausgezeichnete Qualität, da es kaum Druck durch Pilzerkrankungen gab.

Gesund und schmackhaft

Immer mehr Menschen entdecken die große Vielfalt und den vielseitigen Geschmack des heimischen Wintergemüses, das in der lichtarmen und kühlen Jahreszeit durch seinen hohen Gehalt an Mineral- und Ballaststoffen wichtige gesundheitserhaltende und -fördernde Funktionen in unserem Körper erfüllt. So steckt etwa in Broccoli, Sauerkraut, Roten Rüben und Grünkohl sogar mehr Vitamin C als in Zitronen und Orangen. Darüber hinaus liefern Porree, Zwiebel und Co. auch wichtige sekundäre Pflanzennährstoffe. Um diese lebensnotwendigen Inhaltsstoffe bestmöglich zu erhalten, ist es vor allem wichtig, das Gemüse zu Hause richtig zu lagern und schonend zuzubereiten.

Gemüse aus der Nachbarschaft 

Der Umweltgedanke und die Klimakrise sollten nicht nur Politik und Wirtschaft beschäftigen. Wer im Kleinen beginnt, kann nachhaltig Großes bewirken, zeigtWolfgang Palme, Experte an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Schönbrunn, auf: “Der Winter galt als verlorene Jahreszeit im Garten, die Saison dauerte meist von März bis Ende Oktober. Dass Salate bei Minusgraden erfrieren, stimmt nicht. Forschungen zeigen, dass viele Salate und Gemüsearten viel frosthärter sind, als bisher angenommen wurde. Dies sind ganz neue Erkenntnisse für den Gemüseanbau. Jetzt heißt es, man soll das Naheliegende nutzen, das heißt auf teure Technik oder Importe aus Südländern verzichten.”

Dem schließt sich auch die LK-Präsidentin an: “Regionale Produktion senkt die Transportkilometer und verbessert somit die Kohlendioxid-Bilanz unseres Lebensmittelkonsums enorm. Regionaler und saisonaler Einkauf ist zudem die beste Vorbeugung gegen Lebensmittelverschwendung.”