RindKälberGesündere Kälber durch Kolostrum-Management

Gesündere Kälber durch Kolostrum-Management

Mit dem Durchlauft richter und einer Stoppuhr lässt sich die Qualität der Biestmilch einfach testen
Quelle: Buffler

Hannes Egger-Riedmüller kniet sich neben einen Eimer, der bis zum Rand mit blassgelber Biestmilch gefüllt ist. In der rechten Hand hält er einen schwarzen Plastiktrichter, der einer Schöpfkelle ähnelt. Mit der Linken fischt er sein Mobiltelefon aus der Arbeitshose. Dann taucht er die Kelle in die Flüssigkeit und hebt sie knapp über den Eimer. Im gleichen Augenblick startet sein linker Daumen die Stoppuhr. In einem feinen Strahl läuft das Kolostrum durch das winzige Loch am unteren Ende des Trichters. Der Landwirt zählt die Sekunden mit: „19, 20, 21.“ Der Strahl endet, er ist enttäuscht: „Je schneller die Biestmilch durch den Colostrocheck läuft, desto flüssiger ist sie. Und desto weniger Immunglobuline enthält sie. Erst ab einer Durchflusszeit von 24 Sekunden ist das Kolostrum gut genug, damit ich es dem Kalb geben kann.“

Immunabwehr von der Mutter

Je schneller die Biestmilch durch den Trichter läuft, desto schlechter ist ihre Qualität.
Quelle: Buffler

Immunglobuline sind Antikörper im Blut, die vor Krankheiten schützen. Kälber produzieren diese Antikörper erst im Alter von drei bis fünf Wochen selbst. Das Neugeborene kann sie aber über die Biestmilch aufnehmen und ist so passiv geschützt. Allerdings gelangen Immunglobuline nur in den ersten Lebensstunden durch die Darmschranke. Deshalb ist die erste Tränke entscheidend. Wie viel Immunglobuline ein Kalb benötigt, hängt von seinem Geburtsgewicht ab. Bei einem Kalb mit 45 kg rechnet man etwa mit 40 g Immunglobulinen. Da der Darm maximal die Hälfte der Antikörper aus der Biestmilch absorbiert, muss man dem Kalb mindestens 100 bis 150 g zuführen. Das geht über die Menge an Kolostrum oder den Gehalt an Immunglobulinen.

„Beides kann man als Landwirt kontrollieren“, weiß Andreas Mader. Zusammen mit Matteo Strasser schreibt Mader die Diplomarbeit an der HBLA Ursprung über die Einführung eines Kolostrum-Managements. „Hinter dem Wortungetüm versteckt sich ein einfacher Sachverhalt“, erklärt Matteo Strasser. „Beim Kolostrum-Management stelle ich sicher, dass das Kalb mit der ersten Tränke ausreichend Immunglobuline aufnimmt. Wenn ein Kalb nur zwei bis drei Liter trinkt, muss die Biestmilch deshalb mindestens 50 g Immunglobuline pro Liter enthalten. Sonst bringt sie nichts.“

 

DIE VIER GEBOTE BEIM KOLOSTRUM-MANAGEMENT

Zeit: Möglichst schnell nach der Geburt die Kuh melken und das Kalb tränken

Qualität: Gute Biestmilch hat mindestens 50 g Immunglobuline pro Liter

Hygiene: Von Melken bis Tränken – Sauberkeit ist das A und O

Menge: Mindestens zwei Liter bei der ersten Tränke. Das entspricht 100 g Immunglobuline

Melken, testen, tränken

Wie das Kolostrum-Management in der Praxis aussieht, zeigt Hannes Egger-Riedmüller. Er nimmt als einer von fünf Testbetrieben an der Untersuchung der beiden Schüler teil. „Nach dem Melken der Biestmilch messe ich sofort die Qualität. Das dauert keine fünf Minuten. Ist diese gut, bekommt das Kalb zwei bis drei Liter. Den Rest friere ich ein. Gibt eine Kuh schlechte Biestmilch, tränke ich das Kalb mit Kolostrum aus der Tiefkühltruhe. Die Biestmilch der eigenen Mutter bekommt es dann beim zweiten Mal Tränken.“

Während er das sagt, ist er bereits zum Gefrierschrank gestiefelt und nimmt eine 2-Liter-Familien- Eispackung heraus. „Ich mache das hier ganz einfach. Ein Plastikgefäß mit Deckel reicht. Zum Auftauen lege ich es in heißes Wasser mit maximal 65°C.”