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Forstmaschinen selbst gebaut

Diesen Sägespaltautomaten hat Pascal Gerst selbst gebaut. Er kann bis zu 60 cm dicke Stämme verarbeiten.
Quelle: Gerst

Mit dem Gedanken, einen Sägespaltautomaten selbst zu bauen, spielte Pascal Gerst schon länger. Die Jahre davor haben er und sein Vater solch ein Gerät von einem Kollegen ausgeliehen, um ihr Brennholz zu verarbeiten. Irgendwann wollten die beiden nicht mehr auf andere angewiesen sein. Zudem war die Leihmaschine im Stammdurchmesser begrenzt. Daher fiel im März 2019 die Entscheidung für einen Eigenbau. Nach den ersten Tests im Herbst 2019 und einem größeren Umbau der Hydraulikanlage funktioniert der selbst gebaute Sägespaltautomat von Pascal Gerst seit April 2020 wie gewünscht. Bis heute hat das Gerät rund 80 Festmeter verarbeitet, pro Jahr also etwa 30 bis 40 fm. Gerst betreibt seine Landwirtschaft im Nebenerwerb. Die vier Pferde seiner Eltern kommen übrigens gelegentlich bei Rückearbeiten zum Einsatz.

Angetrieben wird der Sägespalter von einem aufgebauten Deutz-Motor. Die Scheitlänge ist auf 20, 25, 30 und 50 cm einstellbar.
Quelle: Gerst

Sägen und spalten per Joystick

Der 35-Jährige aus Neuhausen ob Eck (Baden-Württemberg) hat die Maschine in einem 3D Programm konstruiert: „12 Wochen lang jeden Abend bis ins kleinste Detail“, wie er sagt. Zusammen mit dem Bau kamen rund 2.000 Arbeitsstunden zusammen. Der entstandene Sägespaltautomat kann Brennholz in einer Länge von 20, 25, 30 und 50 cm herstellen. Dabei wird der Anschlag über eine Schraube abgesteckt, um ein Verrutschen des Anschlags zu verhindern. Der maximale Stammdurchmesser beträgt 60 cm. Aus jedem Stamm werden maximal acht Scheite erzeugt. „Da mein Vater und ich unsere Häuser mit Holz heizen und wir beide einen Scheitholzvergaser verbaut haben, ist dies von Vorteil“, erklärt Gerst.

Pascal Gerst hat sich einige seiner Maschinen selbst gebaut.
Quelle: Gerst

Die Maschine bietet einen halbautomatischen Betrieb, der folgendermaßen abläuft:

  1. Sobald ein Stamm auf dem Zuführband liegt, wird dieser per Befehl über einen kleinen Joystick gefördert.
  2. Liegt der Stamm an dem verstellbaren Anschlag an, zieht Gerst an dem Joystick. Dadurch wird der Sägevorgang gestartet: Der Stammniederhalter klemmt das Holz fest und der Anschlag fährt 50 mm zur Seite. Anschließend startet die Säge und senkt sich, bis man den Joystick in seine Grundstellung zurücklässt. Die Bewegungen, um in die Grundstellung zu gelangen sind genau umgekehrt: zuerst geht die Säge aus und nach oben, anschließend der Niederhalter und Anschlag zurück in die Ausgangsposition.
  3. Wenn das abgeschnittene Stammstück in den Spaltkanal fällt, leitet Gerst durch einen Tipp nach vorne am Joystick den Spaltvorgang ein. Dabei fährt der Spaltzylinder bis zum feststehenden Spaltkreuz und automatisch wieder zurück. Damit ist der Zyklus beendet und er kann von vorne beginnen.

Eine zweite Möglichkeit ist, jede Funktion des Sägespaltautomaten über das Bedienpult manuell zu bedienen. „Das hat sich vor allem bei wurzeligen Stämmen bereits bewährt“, erklärt Gerst. Sollte ein Stamm nicht auf Anhieb gespalten werden, kann der Spaltzylinder manuell in eine beliebige Richtung gefahren werden. Dieses manuelle Übersteuern ist mit jeder Funktion möglich, so Gerst.

Pascal Gerst beschickt den Sägespalter mit dem ebenfalls selbst gebauten Rückewagen.
Quelle: Gerst

100 PS Motor aufgebaut

Seine Maschine hat einen eigenen Antrieb: Aufgebaut ist ein Deutz-Motor BF4L913, den Gerst gebraucht erstanden hat. Der Motor leistet ca. 100 PS und treibt eine Doppelpumpe an. Beide Hydraulikpumpen haben die Baugröße 3 mit ca. 55 cm³ sowie 27 cm³ Fördervolumen pro Umdrehung. Im Durchschnitt fördern beide Pumpen ca. 130 l/min. Je nach Holz variiert die Drehzahl des Deutz-Motors, um Diesel zu sparen. Die maximale Drehzahl ist auf 1.600 U/min begrenzt. Den Dieselverbrauch beziffert Gerst mit ca. 1,5 l/fm.

Die gesamte Maschine hat eine Länge von ca. 5,5 m in Transportstellung und wiegt ca. 2,5 t. Das aufgebaute, einklappbare Förderband hat eine Länge von 4 m und ist in der Geschwindigkeit sowie im Winkel einstellbar. Die Stahlkonstruktion des Sägespaltautomaten besteht weitgehend aus 40x40x5mm S235JR Stahlrohr, von dem Gerst ca. 150 m benötigt hat. Für die Führung des Spaltstempels sowie des Anschlags fertigte er Schienen aus Messing.

Das Spaltkreuz ist aus Hardox-Stahl gefertigt. Es produziert je nach Stammdurchmesser bis zu acht Scheite.
Quelle: Gerst

Mit der Leistung seiner Maschine ist er soweit zufrieden: „Bei Stämmen mit 50 cm Durchmesser schafft der Automat ca. 10 Festmeter pro Stunde. Sind die Stämme kleiner, also zum Beispiel 12,5 cm, dann liegt die Stundenleistung nur noch bei einem Festmeter, bei einer Scheitlänge von 30 cm. Schön wäre es, wenn wir gleichzeitig Sägen und Spalten könnten. Das würde die Leistung um ca. 40 % steigern.“

Auch an die Sicherheit bei der Arbeit mit seinem ausschließlich privat genutzten Sägespaltautomaten hat Pascal Gerst gedacht: Würde man die Schutzhaube während der Arbeit öffnen, werden alle Hydraulikventile drucklos geschaltet – also alle Funktionen ausgesetzt. Zudem sitzt am Bedienpult ein Notaus-Schalter, der den Dieselmotor stoppt.

Das Bedienpult: Über den Joystick erfolgt die halbautomatische Bedienung. Alle Funktionen lassen sich auch manuell ansteuern. Der Notaus stoppt den Dieselmotor.
Quelle: Gerst

Die Vorteile und Verbesserungen

Welche Vorteile bietet der selbst gebaute Sägespaltautomat nun? „Zum einen habe ich damit Geld gespart. Ich komme auf Baukosten von rund 15.000 Euro“, rechnet Gerst vor. Zudem ist bei seinem Automaten kein Traktor nötig, um ihn anzutreiben. Durch die SPS-Steuerung ist der Tüftler offen für weitere Optimierungen im Ablauf. Bei manchen Herstellern ist der Anschlag laut Gerst nur geklemmt – ein Verstellen durch eine unsanfte Zuführung könnte dabei zu spät bemerkt werden.

Der Sägespalter mit dem (noch unlackierten) eingeklappten Förderband.
Quelle: Gerst

Bis seine Maschine reibungslos arbeitete, waren einige Tests und Detailverbesserungen nötig: Nach anfänglichen Problemen mit zu schwachen Hydraulikpumpen hat Gerst Unterstützung bei der in der Nähe ansässigen Hydraulikfirma Fecht gefunden. „Seitdem läuft der Automat, wie er soll“, freut sich Gerst. Das Spaltkreuz war anfangs aus 15 mm dickem Stahl S235JR gefertigt. Weil dieses aber zu schwach war, ließ er sich ein Spaltkreuz aus Hardox 500 fertigen, das nun stabil genug ist. Die Abstützung der Maschine (vorher Wagenheber, jetzt Getriebestützen) hat Gerst nach einem Schaden verbessert. Nachträglich hat er auch die Höhenverstellung des Spaltkreuzes verstärkt, da sich diese verbogen hatte. Später baute der Tüftler noch einen Drehzahlmesser ein. Einige Programm- und Hydraulikoptimierungen waren nach den ersten Testläufen nötig. Am Zuführband waren ursprünglich zwei zylindrische Rollen eingebaut. Die nicht angetriebene Rolle wurde nach dem ersten Versuch gegen eine ballige Rolle getauscht. Und beim Förderband für die fertigen Scheite würde Gerst noch etwas mehr Spiel geben, damit die Mitnehmer seitlich mehr Platz haben. Zudem will er im kommenden Winter noch eine Stammablage bauen, damit der Sägespalter nicht mit jedem Stamm einzeln beschickt werden muss. Das hätte auch den Vorteil, dass Gerst Senior die nächste Fuhre Holz im Wald holt, während Pascal die Stämme verarbeitet.

Dank SPS-Steuerung kann Pascal Gerst auch nachträglich die Abläufe optimieren.
Quelle: Gerst

Auch Rückewagen selbst gebaut

Der Sägespaltautomat ist nicht die einzige selbst gebaute Maschine von Pascal Gerst. Dazu gehören auch ein Wiesenstriegel (siehe LANDWIRT-Ausgabe 13/2020) sowie ein Rückewagen. Diesen hat der Baden-Württemberger 2016 gebaut. Auch der Rückewagen entstand in einem 3D Programm am PC. „Dabei hatte ich eine Grundkonstruktion eingekauft und für meine Anwendung verändert“, blickt Gerst zurück.

Auch diesen Rückewagen hat Gerst selbst gebaut. Der Kran ist zugekauft.
Quelle: Gerst

Der Rückewagen „RW8“ kann Stammholz bis 4 m Länge laden. Gerst nützt ihn auch zum Beschicken des Sägespaltautomaten. Nach einem 10-minütigen Umbau – dem Austausch der Greifzange durch ein BigBag-Kreuz mit Lasthaken sowie dem Auflegen einer Bodenplatte – kann er auch Brennholz-BigBags transportieren. Dabei haben drei Säcke auf dem Wagen Platz und ein vierter am Kran. Der auflaufgebremste Rückewagen ist ausgelegt und zugelassen auf 8 t zulässige Gesamtmasse – er ist vom TÜV überprüft und hat eine Betriebserlaubnis für den Einsatz im Straßenverkehr. In den Rungenkorb passen ca. 4,5 Festmeter Stammholz. „Der zugekaufte Kran hat eine Reichweite von 4,2 m und ist für unsere Zwecke ausreichend“, so Gerst. Der Rückwagen hat eine Gesamtlänge von 5,9 m bei einer Breite von 2 m und einer Höhe von ca. 3 m. Das Leergewicht liegt bei 2 t. Der komplette Wagen ist aus Stahl S235JR gefertigt. Nur für die Boogie-Achsen hat Gerst den festeren Stahl S355JR verwendet. Auch der Forstanhänger soll in Details noch optimiert werden.

Der auflaufgebremste Rückewagen ist zugelassen auf 8 t Gesamtgewicht. In den Rungenkorb passen ca. 4,5 Festmeter bzw. 4 m lange Stämme.
Quelle: Gerst

Mit seinem selbst gebauten Rückewagen transportiert Pascal Gerst ca. 50 fm Holz pro Jahr. Als Zugmaschine reicht laut ihm der vorhandene Massey Ferguson 135 aus. Die Kranhydraulik wird mittels Zapfwellen-Aufsteckpumpe angetrieben. „Mit dem Kran hat mich der Rückewagen ca. 8.000 Euro gekostet. Für den Bau habe ich rund 500 Arbeitsstunden benötigt“, erinnert sich Gerst zurück. Mit dem selbst gebauten Sägespaltautomaten und Rückewagen haben sich Pascal Gerst und sein Vater die Brennholz-Arbeit wesentlich erleichtert.

Mit seinem Rückewagen transportiert Gerst auch Brennholz-BigBags.
Quelle: Gerst

Schauen Sie sich hier noch einige Bildergalerien zu diesen selbst gebauten Maschinen an:

Fotos vom Bau des Sägespaltautomaten:

Fotos vom fertig gebauten Sägespaltautomaten:

Fotos vom Bau des Rückewagens:

Fotos vom fertig gebauten Rückewagen: