MarktMilchmarktDeutschland: Milchindustrieverband gegen verpflichtende Herkunftskennzeichnung

Deutschland: Milchindustrieverband gegen verpflichtende Herkunftskennzeichnung

Anlässlich seiner digitalen Jahrestagung zog der Milchindustrie-Verband (MIV) eine Bilanz zum Milchmarkt sowie zu verschiedenen agrarpolitischen Themen für das bisherige Jahr 2020 gezogen.
Quelle: Archiv

Der Milchindustrie-Verband begrüßt in einer Aussendung die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in dem Lactalis-Verfahren (C-485/18) zur verpflichtenden Herkunftskennzeichnung von Milch und Milcherzeugnissen. Mit dem Urteil setzt er seine ständige Rechtsprechung gegen die verpflichtende Herkunftskennzeichnung zum Schutz des EU-Binnenmarktes und des freien Warenverkehrs fort. In seiner aktuellen Entscheidung macht der EuGH erneut deutlich, dass die Herkunft eines Lebensmittels aus einem bestimmten Mitgliedstaat als Verbraucherpräferenz niemals eine hinreichende Rechtfertigung für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung sein kann. Nationale Vorschriften, die eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln damit rechtfertigen, dass der nationale Verbraucher die Herkunft des jeweiligen Lebensmittels wissen möchte, verstoßen daher gegen europäisches Recht. Der MIV erwartet somit nun endlich auch von der EU-Kommission ein eindeutiges Statement gegen die verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln im Rahmen der Farm-to-Fork-Strategie.

Niedrigere Auszahlunspreise 2020

Die schwächere Marktsituation im 1. Halbjahr 2020 führte zeitverzögert zu leicht niedrigeren Auszahlungsleistungen der deutschen Molkereien an ihre Milcherzeuger. Jedoch gibt es regional eine stark unterschiedliche Ausprägung. Der durchschnittliche Milchpreis 2020 wird laut Milchindustrieverband bundesweit etwa 32,5 Cent netto je Kilogramm Rohmilch betragen bei einem Fettgehalt von 4 Prozent und 3,4 Prozent Eiweiß. Die Milchanlieferung in Deutschland liegt im Herbst 2020 witterungsbedingt in Summe etwas über dem Vorjahreszeitraum, wobei 2019 auch bereits ein sehr trockenes Jahr war. Anders als im Vorjahr sind 2020 einzelne Regionen innerhalb Deutschlands deutlich stärker von der Trockenheit betroffen, so dass es regional Futterengpässe bzw. geringe Futterreserven für die Wintermonate 2020 gibt. Die Produktionskapazitäten für Käse in Deutschland wurden 2020 leicht erhöht. Weitere Großprojekte sind derzeit aber bei Käse nicht in Planung.

Brexit bereitet Sorgen

Sorgen bereiten dem Milchindustrie-Verband die Vorgänge um den möglichen „Harten Brexit“. Die Verhandlungen werden intensiv geführt, ein Abkommen mit dem Vereinten Königreich (UK) wird angestrebt. UK ist ein großer Nettoimporteur bei Milcherzeugnissen. Ein Beispiel: UK importiert mehr Käse als es selber produziert. Auch Deutschland wäre vom Harten Brexit betroffen. Die Republik Irland würde besonders unter den Maßnahmen leiden.

Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland

Mit Spannung und (einer gewissen) Skepsis erwartet der MIV die Beratungen in Brüssel zu den Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland. Der MIV gibt zu bedenken, dass die EU-Kommission nicht zu große Angebote unterbreiten sollte, da sich auf der Gegenseite kaum das Absatzvolumen für europäische Ware vergrößern werde. Dies gilt insbesondere für den neuseeländischen Markt.