RindMilchviehDer frostsichere Offenstall

Der frostsichere Offenstall

Stallbau in kalten Lagen muss dem Tierwohl gerecht werden und sicherstellen, dass die zunehmend automatisierte Stalltechnik störungsfrei funktioniert.
Quelle: BRING

„Ihre Kühe haben ja die schönere Aussicht als wir aus unserer Ferienwohnung.“ So ähnlich fällt das Resümee von Urlaubern in Südtirol nach dem Stallbesuch oft aus. So wie in den Gunstlagen, entstehen in den alpinen Tälern Südtirols vermehrt moderne Rinderlaufställe in offener Bauweise und mit hoher technischer Ausstattung. Besonders Melkroboter finden zunehmenden Anklang bei Betrieben ab etwa 30 Kühen. So wie am Zehenterhof von Thomas Oberhollenzer. Er bewirtschaftet mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb mit etwa 60 Milchkühen in Sand in Taufers. Vor fünf Jahren siedelte der Betrieb aus dem Dorf an die Ostseite des Tauferer-Tales aus. Der Kuhstall ist mit einem Melkroboter und einem Spaltenroboter ausgestattet. Oberhollenzer legte Wert auf niedrige Baukosten pro Kuhplatz. Der in Ost-West-Richtung ausgerichtete Stall hat somit drei offene Fronten an der Süd-, West- und Nordseite. Weiters ist das Dach als Sheddach ausgeführt, welches wiederum nach Süden hin offen ist. Schon einige Jahre vorher baute der Landwirt einen Jungviehstall im Ortsteil Kematen.

Im Winter werden die Wickellüftungen nach Bedarf geschlossen. Auf den Betonspalten mit Kunststoffeinlagen friert der Mist nicht so leicht fest wie auf reinen Betonspalten.
Quelle: BRING

Teilisolierte Stallungen

Der Standort liegt auf einer Seehöhe von etwa 840 m. Auch wenn diese Lage futterbaulich für Südtiroler Verhältnisse als Gunstlage anzusehen ist, gibt es im Winter immer wieder Kälteperioden mit Temperaturen von bis zu -16 °C. Das ist für die Kühe kein Problem, aber kommen hohe Windgeschwindigkeiten hinzu, können technische Einrichtungen im Stall an ihre Grenzen stoßen. Teilisolierte Stallungen mit Hubfenstern oder Wickellüftungen ermöglichen es, dass die Temperatur im Stallinneren auch bei zweistelligen Minusgraden nur einige Grad unter null fällt, und vermeiden hohe Windgeschwindigkeiten oder gar Schnee im Stall.

Die Kälte erreicht am Zehenterhof besonders in den frühen Morgenstunden ihren Höhepunkt. Der Landwirt erklärt: „Der westliche Hang des Tales wird von der Sonne beschienen und der Kaltluftsee verlagert sich auf unsere Talseite.“ Durch die Talenge bekommt der Stall kaum Morgensonne ab. Dann kann es schon mal vorkommen, dass im Stall -5 °C herrschen. Im ersten Winter waren an der Süd- und Nordseite des Kuhstalles noch keine Wickellüftungen montiert. „Um den Wind im Winter auszusperren, haben wir uns aber trotzdem dafür entschlossen, Planen zu montieren“, sagt der Betriebsleiter. Der Shed-First ist zurzeit noch komplett offen. Wird Frost angekündigt, schließen Oberhollenzer und sein Sohn den First in einer Stunde mit einer Siloplane provisorisch. In Zukunft soll auch hier noch eine Rollplane angeschafft werden.

Kaltluft kommt vom Ausgang zu den Außenliegeboxen in den Stall. Oberhollenzer plant, im kommenden Winter auch den Roboter mit Streifenvorhängen einzuhauben.
Quelle: BRING

Infrarotheizung im Roboterraum

Die Funktion des Melkroboters konnte in den vergangenen Wintern am Zehenterhof immer aufrecht erhalten werden. Der Betriebsleiter hat vorgesorgt. Im Roboterraum ist eine zwei Kilowatt starke Infrarotheizung montiert und das Kühlaggregat der Milchkühlung befindet sich ebenfalls dort. Die Infrarotheizung läuft für etwa drei Wochen im Jahr. Sie macht keine Geräusche und produziert eine „stehende“ Wärme, die nicht sofort aus dem Roboterraum entweicht. So hält der Landwirt den Roboterraum frostfrei, da die Ventile und Sensoren störungsanfällig gegenüber Frost sind. Melkroboter werden in offenen Ställen meist in nach drei Seiten und nach oben hin geschlossenen, wärmegedämmten Einhausungen verbaut. Die vierte Seite kann in der kältesten Zeit mit transparenten Lamellenvorhängen geschützt werden. „Kühe sind gegenüber Veränderungen am Roboter sehr sensibel, einige besuchen den Roboter nicht mehr, nachdem er geputzt wurde, deshalb habe ich mich bis jetzt noch nicht getraut, die Vorhänge anzubringen“, sagt Thomas Oberhollenzer. Um die Wärme besser im Roboterraum zu halten und die Heizkosten etwas zu senken, überlegt Oberhollenzer aber, in Zukunft trotzdem den Roboter mit Lamellenvorhängen zu versehen. Sie könnten im Sommer nur zur Seite gehängt werden, damit der Roboterbereich bei der Umstellung auf Winterbetrieb nicht allzu großen Änderungen unterworfen wird.

Ein Lamellenvorhang am Melkroboter erleichtert es, die Temperatur im Roboterraum über dem Gefrierpunkt zu halten.
Quelle: BRING

Trotz Kälte sauber entmisten

Um die Entmistung während Kälteperioden sicherzustellen, sind in höheren Lagen die Parkplätze und Abwürfe der Schieberbahnen meist im Gebäudeinneren vorgesehen. Dadurch wird das Gebäude um etwa eineinhalb bis zwei Meter länger, vor allem wenn sie außerhalb der Aktivitätsbereiche der Tiere angeordnet werden. Das erhöht die Baukosten. In Kälteperioden bewährt es sich, die Entmistungsfrequenz zu erhöhen, damit der Mist nicht auf den Laufflächen festfriert. Gummibeläge haben in der Praxis gezeigt, dass der Mist erst bei wesentlich tieferen Temperaturen anfriert und sich bei Sonneneinstrahlung schneller wieder löst. Oberhollenzers Stall ist gänzlich mit Spalten ausgelegt. Der Landwirt hat sich für ein italienisches System mit Einlagen aus Kunststoffelementen entschieden. Diese Spalten haben für ihn den Vorteil, dass eine festgefrorene Mistschicht bei Sonneneinstrahlung, ähnlich wie bei Gummibelägen, schneller auftaut. Sollte der Mist auf den Spalten einmal für mehrere Tage im Winter festfrieren, nimmt es der Betriebsleiter gelassen und stellt den Spaltenroboter für diese Zeit ab. Das zwischenzeitliche Festfrieren von Mist auf einem Spaltenboden hat sich in der Praxis als nicht negativ für die Rutschfestigkeit der Böden herausgestellt. Es entsteht eine Art „Mondlandschaft“, die für die Tiere kein Problem darstellt. Die Böden schiebt der Landwirt nach dem Auftauen mit dem Hoftrac, und der Spaltenroboter kann seine Arbeit wieder aufnehmen.

Der Autor:

Dipl.-Ing. Hannes Klocker ist Berater für Bauwesen beim Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) in Südtirol. Im Nebenerwerb betreibt er mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb mit 20 Milchkühen und Nachzucht.