BioAcker und GrünlandCut & Carry: Praktiker berichten

Cut & Carry: Praktiker berichten

2017 legte Klingenbrunner erste Versuche zum Transfermulch in Mais an. Foto: Klingenbrunner

Der Humusaufbauer

Walter Klingenbrunner will das Cut & Carry-System als fixen Baustein in seine Betriebsphilosophie integrieren. Foto: Weninger

Als „Versuchsfläche“ bezeichnet Walter Klingenbrunner seine 63 ha Ackerland. Damit meint er nicht nur seine Tätigkeit als bionet- Versuchslandwirt für Mais-, Soja- und Begrünungsversuche, durch die er sein Wissen an Kollegen weitergibt. Der Bio-Bauer aus Michelhausen (NÖ) testet laufend neue Anbausysteme und entwickelt diese weiter. Klingenbrunners oberstes Ziel ist, den Humusgehalt seiner Böden durch Erosionsschutz zu erhöhen. Die Hälfte seiner Flächen ist leicht bis stark geneigt, die anderen sind „brettleben“ – also durch Wind und Wasser von Erosion bedroht. Zu Klingenbrunners Strategie des Humusaufbaues gehört daher zuerst der Erosionsschutz. Bereits Mitte der 1980er-Jahre sammelte er erste Erfahrungen mit der Mulchsaat. Heute bewirtschaftet er alle Flächen nach dem System Immergrün sowie mit minimaler Bodenbearbeitung und teilweise Direktsaat. Seinen Betrieb hat Walter Klingenbrunner bereits 1989 auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Die letzten „herkömmlichen“ Nutztiere verließen 2002 den Hof. Stattdessen setzt er auf den Regenwurm, den er mit Kompost aus der eigenen Kompostieranlage füttert. Daneben betreibt er noch zwei Hackschnitzel-Nahwärmeanlagen. Damit nicht genug, engagiert sich Klingenbrunner seit 2014 als Mitglied im Bundesvorstand von Bio Austria.  

Mulch schützt vor Starkregen

In seiner Fruchtfolge stehen Winterweizen, Körnermais, Zuckerrüben, Sojabohnen, Sonnenblumen, Kürbis und Feldgemüse sowie verschiedene Getreide-Leguminosen-Gemenge und natürlich Luzerne bzw. Kleegras. Dieses nutzt Klingenbrunner seit 2017 als Transfermulch. „Ich wollte die vorhandene Luzerne sinnvoll in meinem Betrieb nutzen“, erzählt er. Ihm kam es weniger auf die Zufuhr von organischer Substanz an, die ohnehin in Form von Kompost auf die Flächen kommt. Vielmehr setzt Klingenbrunner auf den Erosionsschutz, den der Transfermulch bietet. Ein schweres Gewitter mit 37 mm Niederschlag in nur 20 Minuten zeigte ihm, dass er auf dem richtigen Weg ist: Die Parzellen mit der Mulchauflage nahmen auch große Wassermengen auf oder bremsten dieses zumindest, sodass kein Bodenabtrag entstand. Das System Cut & Carry setzt Walter Klingenbrunner nur in bestimmten Kulturen, bisher im Mais, und nur auf bestimmten Flächen ein: „Auf Standorten, die anfällig für Trockenheit sind, habe ich gute Erfahrungen gemacht. Dort spart die Mulchauflage viel Wasser.“ Das gilt nicht nur für leichte Böden: „Tonböden bilden bei Trockenheit tiefe Risse und trocknen dann umso schneller aus. Unter dem Mulch waren diese Böden aber noch feucht.“ Die Geberflächen legt er häufig auf kleinen Ackerparzellen in Wohngebieten an. „Oder auf Hanglagen, auf denen man eh keinen Mais anbauen sollte. So kann man auch diese sinnvoll nutzen und gleichzeitig vor Erosion schützen.“

Wenn die Maispflanzen noch sehr klein sind, darf die Mulchschicht nicht zu hoch sein. Foto: Klingenbrunner

Zweimal hacken, dann Mulch streuen

Den besten Zeitpunkt für das Mähen und Streuen des Transfermulchs sieht Klingenbrunner nach dem zweiten Hackdurchgang, wenn der Mais 20 bis 30 cm hoch ist. „Zu diesem Zeitpunkt ist schon mehr Masse vom Klee da. Der Effekt der Unkrautunterdrückung ist sicher gut. Aber völlig verlassen kann man sich nicht darauf, weshalb ich vor dem Mulchen ein- bis zweimal hacke. Mein langfristiges Ziel ist aber schon, durch Cut & Carry auf das Hacken verzichten zu können.“ Bis dahin sei aber noch viel Ausprobieren nötig, vor allem was den richtigen Zeitpunkt und die Menge betrifft. Gegen Disteln habe man aber dennoch geringe Chancen – sie lassen sich auch von der Mulchauflage nicht aufhalten. Eine 8 cm hohe Mulchschicht direkt nach der Saat sei zu viel des Guten gewesen. „Der Mais ist schwer durchgekommen, die Distel leicht.“

Der Querdenker

Josef Jugovits will weiter an seinem System „Cut & Carry over“ feilen. Foto: Weninger

Josef Jugovits geht an Dinge anders heran, wie er selbst sagt: „Ich bin gelernter Maschinenbauer. Wenn ich eine Maschine betrachte, dann sehe ich Kraftlinien und Konstruktionen. Nicht einfach die Farbe oder das Design.“ Der Landwirt aus Schachendorf (Burgenland) hat seinen heute 100 ha großen Ackerbaubetrieb 2007 auf Bio-Landbau umgestellt. Insgesamt 28 Kulturen wachsen am Betrieb. Die Tierhaltung hat die Familie bereits 1985 aufgegeben. „Seitdem wir viehlos waren, konnte ich zusehen, wie die Böden verarmten. Daher gehen wir heute mit der organischen Masse sorgsam um – das ist unser Reichtum“, so Jugovits. Diesen Reichtum will er ausbauen: „Stickstoff und Kohlenstoff fehlen. Den Stickstoff kann ich über Leguminosen einbringen. Den Kohlenstoff muss ich über organische Masse zuführen.“ Der hohe Schluffanteil in manchen seiner Äcker birgt die Gefahr von starker Verschlämmung. Gerade dort sei die Zufuhr von Kohlenstoff wichtig, meint der Burgenländer.

Die Mischung macht’s

Diese Felder will er als Geberflächen für sein Cut & Carry-System nutzen. Seine Flächen will er generell in Geber- und Nehmerfelder einteilen. „Dabei sollen die Geberfelder nicht stiefmütterlich behandelt, sondern ordentlich gepflegt werden: Eine jährliche Klee- und Luzerne- Nachsaat sowie die regelmäßige Düngung mit Kalk, Kalium und Phosphor gehören dazu“, verdeutlicht Jugovits. Schließlich will er die Böden seiner Geberfelder, die fünf bis sechs Jahre bestehen bleiben sollen, nicht verarmen lassen. Die Grundlage bildet eine Saatmischung aus Luzerne, Rotklee und verschiedenen Gräsern. „Diese Mischung ist wetterstabil. Wenn eine Art zum Beispiel wegen ungünstigen Wetters schwächelt, nimmt eine andere Art ihren Platz ein. So wachsen auch Mäusefenster wieder zu“, erklärt der Bio-Bauer. Von den als „Bodengesundung“ angelegten Kleegrasflächen hält er nichts: „Der Umbruchzeitpunkt passt mir nicht, das Wachstum ist durch das gehäckselte Mulchmaterial gehemmt, die Mäuse breiten sich zu stark aus und es ist eine Energieverschwendung – dort vernichtet man Stickstoff, woanders fehlt er“, so Jugovits. Deshalb gibt er seine Kleegrasflächen als Feldfutter an. Dabei ist kein Umbruchzeitpunkt vorgeschrieben, Mahd und Abtransport dagegen schon. Das Problem, das viele viehlose Bio-Ackerbauern dabei haben: Es ist kein Partnerbetrieb in der Nähe, der das Futter abkauft oder gegen Mist eintauscht.

Vom Kompost zum Transfermulch

Daher begann der Querdenker 2015 mit der Kompostierung des Ackerfutters. Den kurz angewelkten Aufwuchs sammelte er per Kurzschnittladewagen auf Feldmieten. In diese mischte er Urgesteinsmehl ein. Das Aufsetzen der Miete erledigte Jugovits einfach mit einem Miststreuer, das Umsetzen mit dem Frontlader. Nachdem er 2017 auf den Öko-Feldtagen in Frankenhausen (D) einen Vortrag über Cut & Carry in Gemüse hörte, wollte er es 2018 selbst ausprobieren. Geplant war, den ersten Schnitt von 5,5 ha Kleegras mit einem Feldhäcksler mit Direktschneidwerk auf einen Kompoststreuer zu häckseln. Die Nehmerfläche sollten 2,8 ha Körnermais mit 75 cm Reihenabstand sein. Dort plante er alle 18 m Fahrgassen, indem er jeweils eine Maisreihe ausließ. So konnte er auch mit bodenschonenden Breitreifen in den Bestand fahren. Die Ausbringung war nach dem zweiten Durchgang mit der Fingerhacke bei einer Maishöhe von etwa 40 cm geplant. Wegen einer Schlechtwetterphase, die im Mai 2018 einen Niederschlag von 180 mm bescherte, war die Ernte erst Mitte Juni möglich – zu diesem Zeitpunkt war der Mais bereits einen Meter hoch. Das Kleegras lagerte stark und war teilweise schon samenreif. Weil nur ein Streuer verfügbar war, setzte Jugovits auch einen Kipper zur Abfuhr ein. Damit legte er einen Puffer am Feldrand an, den er später auf den Streuer verlud und ausstreute.

Mit einem vierreihigen Strip-Till-Gerät bereitet Josef Jugovits die Äcker für die Reihenkulturen vor.

Bis in den Herbst feucht

Mit der Häcksellänge von 1 cm war der Bio-Bauer zufrieden. Die Überlappung des Streuers war gerade noch ausreichend. Daher möchte er die Fahrgassen künftig auf 15 m verkleinern. „Mais hat kein Problem mit abgedeckten Blättern oder Wurfschäden. Schäden sind eher durch das Wenden oder bei Kurvenfahrten möglich“, so die Erfahrung des Landwirts. Die Mulchschicht war ca. 2 bis 3 cm hoch. Trotz des heißen Sommers blieb der Boden unter der Mulchauflage bis zum Herbst feucht. Aus der Mulchschicht im Mais entstand – wegen der enthaltenen keimfähigen Samen – eine „wunderbare Kleegrasuntersaat“, wie Jugovits sagt. In den Fahrgassen konnte sich zum Teil Ambrosia etablieren. „Daher möchte ich die Fahrgassen künftig extra begrünen.“

Die gesamten Reportagen finden Sie in der LANDWIRT Bio-Ausgabe 2/2019. Bestellen Sie gleich ein Probeheft!