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Betriebszweige geschickt kombinieren

Agathe und Karl mit den Töchtern Laura und Anna Lena. In der Erlebnisküche stellen sie Produkte für den Hofladen her. Bei Koch- und Backkursen haben hier bis zu 15 Teilnehmer Platz.
Quelle: Buffler

Doren im Bregenzerwald. An einer schmalen Landstraße liegt der Biohof von Familie Lingenhel. Ein langer Bau mit Satteldach, die Zufahrt zum Heustock führt über eine Brücke an der Längsseite des Gebäudes. Darunter liegt versteckt der Eingang zum Hofladen.

Wo früher die Kühe standen, lässt heute eine Glastür die Kunden herein. Ein heller Vorraum mit weißen Wänden und Holzboden. An der Wand steht ein Kühlschrank samt Regalen, gefüllt mit hofeigenen Produkten.

Den Kunden vertrauen

Biolandwirt Karl Lingenhel erzählt: „Das ist unser Selbstbedienungsbereich. Die Tür geht um fünf in der Früh auf und abends um neun zu. Die Kunden nehmen ihre Produkte mit und werfen das Geld in eine offene Schublade.“ Mit dem Bezahlsystem hatten Karl seine Frau und Agathe bisher noch nie Probleme: „Wenn man selber ehrlich und offen ist, sind es die Kunden auch.“

Ein „Hoflädele“ mit Selbstbedienung führen die Lingenhels schon lange. Agathe erinnert sich: „Wir stellten anfangs Milch und Joghurttöpfe auf Tische. Die Kunden haben ihre Produkte selber abgefüllt. Das wurde zu einem Selbstläufer.“ Die Familie eröffnete deshalb 2018 im alten Stall zusätzlich einen Hofladen, der nur Freitagnachmittag und Samstagvormittag geöffnet hat. Beim Umbau verwendeten sie das Holz aus dem eigenen Wald. Wichtig, um Kosten zu sparen, aber auch um dem Konzept der Kreislaufwirtschaft gerecht zu werden. Das hat beim Biohof Lingenhel Priorität.

In den Regalen stehen Lebensmittel und Drogerieartikel. Laura, die zweitälteste Tochter, erklärt: „Wir bieten ein breites Sortiment an, damit die Kunden hier ihren Wocheneinkauf erledigen können. Niemand will fünf Läden anfahren, bis er alles hat.“ Die gelernte Landwirtin und Chefin des Hofladens fügt hinzu: „Produkte wie Nudeln, Linsen, Eier und Waschmittel verkaufen wir unverpackt, um Müll zu vermeiden. Das gefällt unseren Stammkunden, die ihre eigenen Behälter mitbringen.“

Verkaufen, was der Hof liefert

Vieles, was die Lingenhels im Hofladen verkaufen, stellen sie selber her. Karl verarbeitet ein Drittel der Milch seiner 25-köpfigen Braunviehherde zu Joghurt und Käse. Die Kälber schlachtet der Dorfmetzger. Das Fleisch verkauft Laura im Laden in 5 und 10 kg Paketen. An Weihnachten und Ostern liegt auch Wurst in der Theke. Aus dem Obst der Streuobstwiese brennt die Familie Schnaps und kocht Marmeladen. Die Kräuter aus dem Garten verwendet Agathe für Kräutersalze und Seifen: „Was wir selber nicht haben, kaufen wir von Vorarlberger Biobauern. Früchte wie Orangen und Nüsse müssen wir importieren. Die Bauern kennen wir persönlich.“

Früher hat Agathe die Produkte in ihrer Wohnküche hergestellt. Dort wurde es aber zu eng, als Koch- und Backkurse hinzukamen. Denn immer häufiger wollten Kunden bei Agathe über die Schulter schauen und lernen. Irgendwann war es Karl zu viel, dass ständig Menschen in der Stube saßen: „Wir wollten einen extra Raum, wo unsere Kunden kochen und danach zusammensitzen können.“ So entstand direkt neben dem Hofladen die Erlebnisküche. Dort können bis zu 15 Personen unter Anleitung von Agathe werkeln: „Beim Kochen ist man freier, redet viel mehr miteinander. Ideal für Vereins- und Firmenausflüge“

Agathe und Karl mit den Töchtern Laura und Anna Lena. In der Erlebnisküche stellen sie Produkte für den Hofladen her. Bei Koch- und Backkursen haben hier bis zu 15 Teilnehmer Platz.
Quelle: Buffler

Zusammen kochen, zusammen feiern

Im Anschluss sitzen die Gruppen im neuen Seminarraum zusammen. Das Holz an Wänden und Möbeln ist unbehandelt. Unter dem Holzboden liegen ungebrannte Lehmziegel, die Wärme speichern und diese langsam abgeben. Lingenhels jüngste Tochter Annalena, gelernte Hotelfachfrau, weiß: „Deshalb ist es auch so heimelig geworden. Hinzu kommt die tolle Sicht auf die Berge. Wir sind das nächste halbe Jahr ausgebucht.“

Den Seminarraum kann man auch ohne Kochkurs mieten, für Geburtstage aber auch Fortbildungen. Etwa 50 Personen finden hier Platz, die Tagesmiete kostet 150 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Dazu bieten Agathe und Annalena Verpflegung an: Brotzeit, Mittagessen, Kaffee und Kuchen. Auch hier gilt wieder: Die meisten Lebensmittel stammen vom eigenen Hof. Wer davon nicht genug bekommt, schaut beim Hinausgehen am Selbstbedienungsbereich vorbei.

Der Betrieb


Biohof Lingenhel

 

Karl (55) und Agathe (50) Lingenhel
Lisa (24), Laura (22), Anna Lena (20), Kevin (18)

23 ha Grünland (Heumilch)
7 ha Wald
25 Stück Original Braunvieh, 5.000 kg Milchleistung

Hofladen, Seminarraum, Erlebnisküche

www.biohof-lingenhel.at