MarktMilchmarktZu wenig Wertschöpfung kommt bei den Milcherzeugern an

Zu wenig Wertschöpfung kommt bei den Milcherzeugern an

Laut einer Studie des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft ist in den vergangenen zehn Jahren die Wertschöpfung bei den Molkereien im Gegensatz zu den Milchpreisen gestiegen.
Quelle: Archiv

Die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board ist der Überzeugung, dass die Landwirte hierzulande nicht angemessen an der Wertschöpfung aus der Milch beteiligt werden. Darüber hinaus tragen sie in Krisensituationen das Marktrisiko durch fallende Erzeugerpreise allein. Bestätigt sieht sich die Erzeugerorganisation durch eine aktuelle Studie von Dr. Karin Jürgens vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL). In dieser wurden die Kennzahlen von 38 Molkereien im Zeitraum von 2009 bis 2018 untersucht. Das zentrale Ergebnis war, dass die Wertschöpfung bei den Molkereien in dem Zeitraum von zehn Jahren kontinuierlich gestiegen ist, die Milchauszahlungspreise hingegen nicht.

Große Molkereien bestimmen Milchpreise

Der Vorstandsvorsitzenden der MEG Milch Board, Frank Lenz, führt dieses Ergebnis darauf zurück, dass die großen Genossenschaftsmolkereien mit geringer Wertschöpfung auch die Milchauszahlungspreise für Molkereien mit besserer Wirtschaftlichkeit bestimmen. „Es gibt keinen Wettbewerb um Milch. Deshalb zahlen die Molkereien mit hohen Wertschöpfungen denselben Milchpreis an ihre Lieferanten wie die Molkereien, die eine niedrige Wertschöpfung erreichen“, monierte Lenz. Von einem funktionierenden Markt mit Chancengleichheit für alle Teilnehmer könne deshalb nicht die Rede sein. Erschütternd sei insbesondere, dass während der Milchkrise 2015/16 viele Molkereien durch den günstigen Milcheinkauf ihre Nettowertschöpfung erhöht hätten.

„Alle Molkereien – auch die Genossenschaften – haben in der Zeit, als es den Bäuerinnen und Bauern an den Kragen ging, beträchtliche Rücklagen gebildet. Sie haben in keinster Weise dazu beigetragen, die existenzbedrohende Lage auf den Höfen zu entschärfen“, kritisierte Lenz. Schuld daran gibt er auch der Andienungspflicht und den Abnahmegarantien der Genossenschaftsmolkereien, was dafür sorge, dass der Wettbewerb um die Milch ausgeschaltet werde. „Es ist längst überfällig und politisch möglich, dieses Relikt abzuschaffen und durch Milchkaufverträge zu ersetzen“, forderte Lenz. Eine Bündelung der Milchmenge biete den Erzeugern die Chance für kraftvolle Verhandlungen mit den Molkereien.

Studie hat handwerkliche Fehler

Kritik an der Studie sowie an den daraus gezogenen Schlussfolgerungen kam unterdessen vom Milchindustrie-Verband (MIV). Der Verband wies darauf hin, dass gerade im genossenschaftlich geprägten, deutschen Milchmarkt die eigenen Gremien und damit die Milcherzeuger über die Höhe des möglichen Milchpreises entschieden. Generell würde „die Partnerschaft zwischen Milcherzeugern und Molkereien funktionieren“. Außerdem weise die Untersuchung „handwerkliche Fehler“ auf. Das BAL selber merke an, dass für die Korrektheit und Vollständigkeit der Inhalte keine Garantie übernommen werde und Hinweise, Empfehlungen und Auskünfte unverbindlich seien.

Rücklagen für Eigentümer

Nach Einschätzung des MIV muss an die angewandte Berechnungsmethode ein großes Fragezeichen gesetzt werden. So würden in der definierten, zeitraumbezogenen Nettowertschöpfung auf der Verwendungsseite neben zeitraumbezogenen Erfolgsgrößen auch die physischen Bestände der Rücklagen einbezogen. Damit würden alle aus den Ergebnissen der Vergangenheit in der Molkerei verbliebenen Wertschöpfungsanteile erneut in der Nettowertschöpfung des Betrachtungszeitraums berücksichtigt. Dieses Vorgehen führe zu wesentlichen Mehrfacherfassungen der tatsächlich von der Molkerei in den einzelnen Perioden des Betrachtungszeitraums erwirtschafteten Ergebnisse beziehungsweise Wertschöpfungen, was kein betriebswirtschaftlich angemessener Indikator sei. Darüber hinaus würden insbesondere in Genossenschaften nur Gewinne und Eigenkapital für die Milcherzeuger als Eigentümer erwirtschaftet. Niemand anderes als die Milchbauern selbst profitierten in einem genossenschaftlichen System von diesen Rücklagen.