ForstZu viel Stickstoff bremst Waldwachstum

Zu viel Stickstoff bremst Waldwachstum

Im Vergleich zum Stickstoff haben andere Umweltfaktoren wie zum Beispiel die Lufttemperatur, der Niederschlag oder der Ozongehalt überall einen geringeren Einfluss auf das Baumwachstum.
Quelle: Jäger

Das ist das Ergebnis einer in 23 europäischen Ländern durchgeführten Studie unter Leitung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Dabei wurden Daten auf insgesamt 442 Waldbeobachtungsflächen erhoben. Unterhalb von etwa 30 kg pro Hektar und Jahr steigert Stickstoff laut WSL in der Regel den Zuwachs. Der Grund für einen ausbleibenden weiteren Anstieg des Wachstums liege in den fehlenden Mengen anderer wichtiger Nährstoffe und der Bodenversauerung. Erstmals in Europa hätten die Forschenden nachweisen können, dass es einen Kipppunkt gebe, und zwar im Mittel bei 25 kg bis 35 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr. Liege der lokal ermittelte Wert darüber, wüchsen die Bäume weniger. Am stärksten trete dieser Effekt bei den Buchen auf. In Versuchen hätten Forschende in den vergangenen Jahrzehnten für mitteleuropäische Wälder indes einen Stickstoffgrenzwert von 10 kg bis 20 kg pro Hektar und Jahr ermittelt. Die beiden Werte könnten jedoch nicht direkt verglichen werden, betonte die WSL. Letzterer Wert beziehe sich auf langfristig erhöhte Stickstoffeinträge, nicht nur mit Blick auf das Baumwachstum, sondern auch auf andere mögliche Auswirkungen hinsichtlich der Biodiversität, Flechten, Pilze oder Nitratauswaschung.

Stickstoffausstoß weiterhin begrenzen

Fest stehe: Zu viel Stickstoff bringe das Nährstoffgleichgewicht im Waldökosystem ins Wanken, stellte die WSL klar. Über die Höhe dieses Grenzwertes diskutierten Forschende seit Jahrzehnten. Nun sei es erstmals gelungen, einen konkreten Grenzwert für das Baumwachstum auf einer derart großräumigen Skala in natürlich gewachsenen und bewirtschafteten Wäldern zu bestimmen, erklärte Sophia Etzold von der WSL, die leitende Autorin der Studie. Im Vergleich zum Stickstoff hätten andere Umweltfaktoren wie zum Beispiel die Lufttemperatur, der Niederschlag oder der Ozongehalt überall einen geringeren Einfluss auf das Baumwachstum. Die Resultate legten nahe, dass der Stickstoffausstoß weiterhin begrenzt werden sollte, um Einbußen beim Wachstum der Wälder vorzubeugen.