Bauernsprecher Hans MeisterWollen Sie das überhaupt wissen?

Wollen Sie das überhaupt wissen?

„Was, du hast nicht für jede Jahreszeit ein eigenes Fahrrad? Was bist du für ein verdammter Saubauer bitte?“, twitterte Pressesprecher Daniel Kosak im Dezember des Vorjahres einem seiner Freunde auf Twitter.

Herr Daniel Kosak ist der Pressesprecher von Frau Ministerin Köstinger im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus in Österreich, das auch die Agenden der Landwirtschaft führt.

Als Pressesprecher der Landwirtschaftsministerin ist Herr Kosak, wie man das von einem Öffentlichkeitsarbeiter erwarten darf, auch im Internet und auf „Twitter“ aktiv (siehe Leitartikel Seite 6).

Er kommuniziert über Twitter sowohl dienstlich als auch privat und nutzt dabei das gleiche Profil. Dabei spielt der Begriff „Saubauer“ öfter eine unrühmliche Rolle. Ein paarmal wird Herr Kosak von seinem Twitterpartner als „du Saubauer“ bezeichnet, ein andermal fragt er den User „was bist du für 1 verdammter Saubauer bitte?“

Dabei ertappt, kommt von Herrn Kosak die Entschuldigung: Das war nur ironisch gemeint.

Für mich als Journalist stellte sich die Frage, wie ich damit umgehen soll? Wollen Sie als Leser das überhaupt wissen? Soll ich darüber schreiben oder es als Blödelei unter Freunden abtun und vergessen? Ist es so wesentlich, daraus eine Geschichte zu machen oder ist es besser, den Mist einfach unter den Teppich zu kehren? Auch könnte man die Meinung vertreten, dass wir nicht jedes Wort, jede Äußerung auf die Goldwaage legen sollen.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass heute im Internet und den sogenannten sozialen Medien so viel Dummheiten, Hass und Anstiftungen zum Bösen verbreitet werden, die zu genauem Hinhören, Hinschauen und Bewerten verpflichten. Gerade als Journalist.

Deshalb berichte ich über diese Geschichte doch, weil es auch für einen Pressesprecher eines Ministeriums ein No-Go gibt. Dazu gehört, darauf zu achten die eigene Klientel, die Landwirte, nicht zu beleidigen und herunterzumachen. Dafür braucht es nur ein bisschen Sensibilität, Selbstkontrolle und Achtsamkeit.

Ironisch gemeint

„Was bist du für ein verdammter Saubauer bitte“, kann und darf ein Pressesprecher eines Landwirtschaftsministeriums nicht twittern. Das geht nicht. Genauso wenig, wie ein VW-Angestellter nicht twittern darf, dass er stolzer Mitarbeiter einer in Amerika verurteilten Schummelfirma sei. Der VW-Mitarbeiter würde das beruflich kaum überleben – auch nicht, wenn es ein ironischer Tweet war. Sich hinterher mit: „Das war ein ironischer Tweet. Sie haben aber recht, dass man ihn falsch verstehen kann“, zu entschuldigen, kommt zu spät.

„Ironisch gemeint“ ist die Standardrechtfertigung aller bei einer politischen Unkorrektheit Ertappten. Wenn jemand das Gegenteil von dem sagt, was er meint, dann ist das Ironie. Also, in unserem Fall wurde von Herrn Kosak wohl „verdammter Saubauer“ geschrieben, aber das Gegenteil gemeint. Frage an den Pressesprecher: Wie soll der Leser wissen, ob der Satz, den er liest, so gemeint ist wie er da steht oder das genaue Gegenteil bedeutet?

Missverständnisse sind da vorprogrammiert. Das wissen in der Regel auch alle, die mit der Entschuldigung „das war ironisch gemeint“ spielen, weil sie sie im Falle des Falles als Fluchttür benutzen.

Will man ironisch sein, muss man den ironisch gemeinten Text kennzeichnen oder man schreibt es am besten gleich dazu.

Wenn ich jetzt schreibe, Herr Kosak ist der perfekte Pressesprecher, dann habe ich das zum Beispiel ironisch gemeint.

Sie wollen uns Ihre Meinung zum Thema sagen? Schreiben Sie uns:

hans.meister@landwirt-media.com, Tel.: 0043 316/821636-167, Fax: DW 151

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