AckerbauGetreideWinterweizen, Winterdurum und Dinkel

Winterweizen, Winterdurum und Dinkel

Eine optimale Sätechnik, die passende Sorte und hochwertiges Saatgut tragen zum Erfolg in der Weizenproduktion bei. Foto: Oberforster

Von Michael OBERFORSTER und Waltraud HEIN

 

Das Getreide musste in diesem Jahr mit starken Wettergegensätzen zurechtkommen. Von Februar bis Ende April war es gebietsweise zu trocken, der Mai brachte ein kühles, nasses Wetter, und im Juni war es heiß und niederschlagsarm. Der Braunrost trat oft massiv auf. Sorten reagieren auf variable Wachstumsbedingungen nicht immer gleich. Ergebnisse mehrjähriger Prüfungen ermöglichen deshalb präzisere Aussagen zu den Werteigenschaften als Beobachtungen aus einer einzelnen Saison.

Braunrost bei Winterweizen: Die Krankheit wird durch warmes Wetter, taureiche Nächte und gelegentliche Niederschläge gefördert. Foto: Oberforster
Ährenfusarium bei milchreifem Winterweizen: Für enge Mais-Weizen-Fruchtfolgen sollten keine Sorten mit erhöhter Anfälligkeit für Ährenfusarium gewählt werden. Foto: Oberforster

Hauptkrankheit Braunrost

Die Feuchtigkeit im Mai in Verbindung mit höheren Temperaturen im Juni förderte den Weizenbraunrost. Er war heuer weit verbreitet und schädigte Weich- und Durumweizen, Triticale, Dinkel, Emmer und Einkorn. Der Braunrost bildet infolge erblicher Veränderungen Rassen mit unterschiedlicher Pathogenität aus. Viele Sorten werden im Laufe der Zeit rostanfälliger. Teils gravierende Symptome zeigten Activus, Augustus, Bernstein, Christoph, Edelmann, Ehogold, Element, Emilio, Energo, KWS Epilog, Hewitt, Ludwig, Messino, Midas, Mulan, Pedro, Richard, Roland, Sailor, Siegfried, Spontan, Tiberius und Tilliko. Einige Sorten verhielten sich etwas abweichend von ihrer Einstufung bzw. ungleich in den Anbauregionen. Florencia und Frisky verfügen weiterhin über eine hohe Abwehrkraft. Aktuell muss sich die Braunrostkontrolle auch wesentlich auf die azolhältigen Fungizide stützen.

 

Stickstoff effizient nutzen

Eine wichtige Kenngröße ist jene Stickstoffmenge, die sich im Ernteprodukt wiederfindet. Weizensorten mit hohem Kornproteinertrag pro Hektar können als effiziente Verwerter des Stickstoffs bezeichnet werden. Bei den Qualitätsweizen Ostösterreichs sind die Sorten Activus, Alessio, Arnold, Aurelius, Bernstein, Christoph, Energo, Lennox, Midas und Messino zu nennen. In den Übergangs- und Feuchtgebieten liegen Aurelius, Bernstein, Gerald, Siegfried, Spontan, Tiberius und WPB Calgary voran. Auf Biostandorten setzten Alessio, Arminius, Arnold, Aurelius, Ehogold, Energo und Lukullus den verfügbaren Stickstoff am besten in Kornprotein um. Weizensorten mit hohem Stickstoffentzug über das Korn reduzieren die Gefahr einer Nitratverlagerung ins Grundwasser und sind damit auch positiv für die Umwelt.

 

Qualitätsweizen für Ostösterreich

In der pannonischen Region kommen Böden und Klima der Erzeugung hochwertiger Backweizen entgegen. Die oftmals heiße und trockene Witterung Ende Juni und im Juli beschleunigt die Abreife und führt zu einem Weizen mit höherem Hektolitergewicht und Proteingehalt. ACTIVUS ist frühreif, mittelgut standfest (Note 4), hat ertraglich durchwegs überzeugt und wird auch als Ethanolweizen vermarktet. In Jahren mit wechselhafter Witterung zur Reife sollte er vorrangig geerntet werden. Der unbegrannte LENNOX (Lagerung 3) entstammt einer Kreuzung aus Winter- und Sommerweizen. Ein knappes Wasserangebot bewältigt Lennox vergleichsweise gut. Im Hinblick auf seine mäßige Frosthärte empfiehlt sich eine mittelspäte Saat, im Herbst sollen sich die Pflanzen nicht zu weit entwickeln. Der 2016 registrierte AURELIUS vereint gute Standfestigkeit (Note 3) mit Schlechtwettertoleranz zur Reifezeit, überdurchschnittlichem Ertragspotenzial, hohem Hektolitergewicht und mittlerem Proteingehalt. Auf Infektionen mit Ährenfusarium reagiert er sensibler. MESSINO und MIDAS (Lagerung 5) sind bewährte Einzelährentypen, sie schöpfen oft mit 380 bis 550 Ähren/ m2 das standörtliche Potenzial aus. Ab Beginn des Halmschiebens sollen sie auf Gelbrost kontrolliert werden. CHRISTOPH ist kurzhalmig, standfest (Note 3) und eignet sich für tiefgründige und leichtere Böden gleichermaßen. Die Anfälligkeit für Ährenfusarium erfordert in Jahren mit verregneter Blüte eine fungizide Hilfe. Der spätreife, hochwüchsige und dennoch standfeste (Note 3) BERNSTEIN ist für Böden mit guter Wasserspeicherkraft vorgesehen. Auf geringeren Böden reagiert er infolge übermäßiger Reduktion der Seitentriebe dürreempfindlicher. Die ursprüngliche Braunrostresistenz ist durch Verschiebung bei den Rassen verloren gegangen. EMILIO (Lagerung 5) reift frühzeitig und ist dank tiefer Keimruhe auch bei feuchter Abreifewitterung fallzahlstabil. Ein hohes Hektolitergewicht und ein mittelhoher Proteingehalt zeichnen LUKULLUS und LAURENZIO aus. Die Anfälligkeit für Gelbrost schmälert den Anbauwert, beide Sorten haben an Bedeutung eingebüßt. ENERGO (Lagerung 4) ist ein verlässlicher Qualitätsweizen für Ostösterreich und klimatische Übergangslagen. Wer einen blattgesunden Weizen mit herausragender Korn- und Backqualität sucht, wird bei ALESSIO fündig. CAPO ist auf mittleren und geringeren Böden konventionell wirtschaftender Betriebe weiterhin in Verwendung. Hier stellt die schwächere Standfestigkeit (Note 7) normalerweise kein Problem dar. ARNOLD vereint eine mittlere Lagerneigung (Note 5) mit früher Reife, geringerem Ertragspotenzial und exzellenten Qualitätseigenschaften. Ähnlich wie bei Capo und Element liegt seine hauptsächliche Bedeutung mittlerweile auf Bioflächen.

Qualitätsweizen für Feuchtlagen

In geringerem Umfang wird auch außerhalb des Pannonikums Qualitätsweizen erzeugt. Teilweise deckt dieser den Bedarf von Mühlen in der Region. Allerdings ist die Erzeugung schwieriger, der geforderte Proteingehalt von zumeist 14 % wird hier öfter als im Trockengebiet unterschritten. Nur für einen Teil der Qualitätssorten gibt es aus dem Feuchtgebiet stichhaltige Daten. AURELIUS brachte in zweijährigen Prüfungen ansprechende Resultate. Insbesondere nach Vorfrucht Mais ist auf einen möglichen Befall mit Ährenfusarium zu achten. Auch BERNSTEIN hat seine Eignung für die Feucht- und Übergangslagen bewiesen. RICHARD (Lagerung 4) und LUKULLUS sind ertragsschwächer, erreichen aber eher den Qualitätszuschlag. In einem regenreichen Frühjahr wie 2016 neigen die angeführten Sorten vermehrt zu Septoria tritici-Blattdürre. Dann ist die Fungizidstrategie speziell darauf auszurichten.

Ertragsstarke Mahlweizen

In den Feucht- und Übergangslagen dominieren die Mahlweizen, mehrheitlich handelt es sich um Sorten deutscher, französischer oder niederländischer Züchter. TIBERIUS (Lagerung 3) brachte überwiegend gute Ertragsergebnisse, auch das hohe Hektolitergewicht und die überdurchschnittliche Mehlausbeute sind positiv. Gegen Braunrost ist ein gut wirksames Fungizid einzuplanen. Der kurzwüchsige, standfeste (Note 2) und später reifende FRISKY widersteht dem Braunrost erfolgreich. Aufgrund seines niedrigen Eiweißgehalts ist Frisky vorwiegend als Ethanol- und Futterweizen im Anbau. GERALD (Lagerung 3) kombiniert eine effiziente Stickstoffnutzung mit hohem Ertragspotenzial und mittlerer Backqualität. WPB CALGARY ist kurzwüchsig, standfest (Note 2) und vergleichsweise blattgesund. Wegen der Sensibilität für Ährenfusarium sollten Ernterückstände von Mais sauber untergepflügt werden. Der ähnlich spätreife SIEGFRIED (Lagerung 3) ist ein kornzahlbetonter Ährentyp mit Eignung für sämtliche Gebiete. SPONTAN ist standfest (Note 2), zeigt eine mittlere Reife und verfügt über eine breite Krankheitstoleranz, lediglich auf Braunrost ist zu achten. Von den meisten anderen Mahlweizen hebt er sich durch den mittleren Proteingehalt ab. Die kompakte und standfeste (Note 2) EU-Sorte RGT REFORM zählt im Alpenvorland zu den ertragsstabileren Weizen. Die Widerstandskraft gegen Braun- und Gelbrost hat zuletzt etwas nachgelassen. Der kurzhalmige, standfeste (Note 2) und fusariumtolerante ADVOKAT bietet sich auch für Fruchtfolgen mit hohem Maisanteil an. PEDRO und SAILOR (Lagerung jeweils 4) sowie MULAN (Lagerung 3) liegen in den meisten Gebieten ertraglich bereits zurück. Der im Dezember zur Registrierung anstehende APOSTEL ist ähnlich ertragsstark wie WPB Calgary und reift früher, die Lagerneigung ist mittel.

Futterweizensorten

Der kurzhalmige HEWITT (Lagerung 2) ist im Alpenvorland, im Südburgenland, der Oststeiermark und in Kärnten verbreitet. Von Mehltau und Braunrost war er heuer mehr infiziert als es seiner Einstufung entspricht. Folgt Hewitt nach Mais, sollte ein Augenmerk auf Ährenfusarium gelegt werden. FLORENCIA ist ein kurzstrohiger, standfester (Note 2) und spät reifender Weizen für klimatisch begünstigte Lagen. Auf die Anfälligkeit für Gelbrost ist zu achten. Neben den eigentlichen Futterweizen werden in Tierhaltungsbetrieben vielfach auch leistungsstarke Mahlweizensorten innerbetrieblich genutzt.

Gut ausgebildete Ähren von fünf Weizensorten in der späten Milchreife: Bernstein, Aurelius, Tiberius, Gerald und Spontan (von links nach rechts). Foto: Oberforster

Weizensorten für Biobetriebe

Die Vermarktung von Bioweizen ist schwieriger geworden. Einerseits gab es einen markanten Flächenzuwachs, andererseits haben die für Österreich wichtigen Abnehmerländer Deutschland und Schweiz einen geringeren Importbedarf. Außerdem ist die Inlandsvermahlung bei Bioweizen nicht im selben Ausmaß gestiegen wie das Angebot. Dementsprechend unterschreiten die Erzeugerpreise das Vorjahresniveau. Vornehmlich werden Sorten der Backqualitätsgruppen 7 und 8 angeboten. CAPO ist dank seiner günstigen Kombination aus Ertragspotenzial, Leistungsstabilität, Krankheitsresistenz und Kornqualität der bedeutendste Weizen auf Biobetrieben. Wird eine eiweißreichere Sorte benötigt, wäre an TOBIAS zu denken. In Ostösterreich verfehlte er Capo ertraglich allerdings um 8 %. ARNOLD reift früher und vereint eine knappe Ertragsleistung mit hoher Proteinbildung. In diesem Merkmal wurde Capo um 0,8 bzw. 1,1 % übertroffen. Der wüchsige ARMINIUS verwertet den angebotenen Stickstoff effizient und hat ertraglich und qualitativ überzeugt. TILLIKO ist ein später reifender Kolbenweizen mit schwächerem Hektolitergewicht. Seine Resistenz gegen manche Rassen des Weizensteinbrandes ist wertvoll (siehe LANDWIRT Bio, Heft 5/2019). EHOGOLD entwickelt sich im Frühjahr rasch, ist langhalmig, kann Samenunkräuter ziemlich gut unterdrücken und ist für Standorte mit geringerer Lagergefahr gedacht. ALESSIO ist mittel standfest und verfügt über eine breite Krankheitstoleranz. Ähnliche Ertrags- und Qualitätsergebnisse brachte auch LUKULLUS, die Anfälligkeit für Gelbrost stellt ein Risiko dar. Der hochwüchsige EDELMANN ist auswuchsfest und übersteht unbeständiges Wetter zur Gelb- und Vollreife mit geringeren Schäden. BERNSTEIN, ENERGO und AURELIUS bestätigten ihr gutes Ertragspotenzial, sind unter Biobedingungen allerdings proteinärmer. Wenn Wirtschaftsdünger am Betrieb fehlen, sollten sie möglichst nach Stickstoff liefernden Vorfrüchten platziert werden. Als weitere Qualitätsweizen stehen Albertus, Christoph, Element und Lennox bereit. Biosaatgut gibt es überdies von den Mahlweizen Gerald, RGT Reform (EU-Sorte) und Spontan.

Dinkelsorten

Wegen der im Vergleich zu 2016 deutlich reduzierten Dinkelfläche halten sich Angebot und Nachfrage wieder die Waage. Die traditionellen Züchtungen („reine Dinkel“) ATTERGAUER DINKEL, EBNERS ROTKORN und OSTRO sind hochwüchsig, in der Standfestigkeit schwächer (Note 8 bzw. 7) und bezüglich Winterhärte, Vesenertrag, Kernanteil und Qualität ähnlich einzuschätzen. Den Gelbrost wehren Ebners Rotkorn und Ostro nur unzureichend ab, Attergauer Dinkel ist etwas weniger anfällig. Die genannten Sorten werden im Rahmen der ÖPUL-Maßnahme „Anbau seltener landwirtschaftlicher Kulturpflanzen“ mit 120 Euro/ha gefördert. Biosaatgut gibt es von Attergauer Dinkel, Ebners Rotkorn, FILDERWEISS und Ostro sowie den EU-Sorten COMBURGER und ZOLLERNSPELZ. Von Ostro wird auch entspelztes Saatgut angeboten, bei Comburger ist die gesamte Saatware nacktkörnig. Es ermöglicht eine exaktere Berechnung der Saatstärke und trägt zur Vermeidung von Anbaufehlern infolge verstopfter Säleitungen bei. Die fehlenden Spelzen mindern allerdings den Schutz vor bodenbürtigen Sporen des Weizensteinbrandes, Infektionen sind dadurch leichter möglich. Eine fungizide Beizung des nackten Saatgutes ist aktuell nicht vorgesehen. Bei konventionell wirtschaftenden Betrieben würde diese auch den Befall mit Zwergsteinbrand verhindern.

In der späten Milchreife verfärben sich die Halme der meisten Dinkelsorten kurzzeitig rotviolett. Wegen seiner Spindelbrüchigkeit soll Dinkel in der Vollreife nicht lange am Feld verbleiben. Foto: Oberforster
Gut ausgebildete Körner von Winterweizen (im Bild unten) und Winterdurum (im Bild oben). Die Körner von Durumweizen sind zumeist etwas länglicher und mehr bernsteinfarben. Foto: Oberforster

Winterdurum weniger dürreempfindlich

Der Anbau von Durumweizen hat abgenommen, eine ungünstigere Erlössituation ist wesentlich dafür verantwortlich. Von 2011 bis 2015 notierte qualitativ hochwertiger Durumweizen an der Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien meist zwischen 250 und 320 Euro/t, am 28. August dieses Jahres waren es 216 Euro/t (Großhandelsabgabepreise, exkl. MwSt.). Die reduzierte Anbaufläche betrifft in erster Linie Sommerdurum. Dank rascherer Entwicklung im Frühjahr und tiefer reichendem Wurzelsystem kann Winterdurum Trockenphasen eher überstehen. Trotzdem werden die Ertragsleistungen von Winterweizen unterschritten, eine geringere Kornzahl pro Ähre ist der Hauptgrund dafür. Der lange Zeit dominierende AURADUR ist kurzwüchsig, mittel standfest (Note 5) und ziemlich sicher vor Winterweizen zu ernten. DIADUR (Lagerung 4) ist ertragsstärker und liefert zumeist einen hohen Anteil glasiger Körner. Die größere Anfälligkeit für Blattkrankheiten verlangt eine angepasste Fungizidstrategie. Der ähnlich standfeste (Note 4) SAMBADUR liegt ertraglich an der Spitze und wird in den kommenden Jahren die Hauptsorte sein. TEMPODUR (Lagerung 5) reift einige Tage später. Die Kahlfröste im Februar 2012 hat WINTERGOLD vergleichsweise gut überstanden. Aufgrund der Lagerneigung (Note 6) sollten dichte Bestände mit einem Wuchsregler stabilisiert werden. Biodurum mit entsprechender Qualität (Kornglasigkeit mind. 80 % usw.) ist am Markt problemlos absetzbar. Dafür steht Saatgut von Wintergold bereit.

 

Sortenbeschreibung geändert Von 1971 bis Oktober 2018 beschrieben niedrige Noten (von 1 bis 3) im Allgemeinen eine günstige und hohe Noten (von 7 bis 9) im Allgemeinen eine ungünstige Ausprägung der jeweiligen Sorteneigenschaft. Für manche Merkmale oder spezielle Nutzungsformen war diese Vorgangsweise aber wenig zutreffend. Anfang November 2018 erfolgte deshalb ein Umstieg auf das Schema „1 = gering ausgeprägt, 9 = stark ausgeprägt“. Von den in Tabelle 1 angeführten Merkmalen sind das Hektolitergewicht und der Rohproteingehalt nun umgekehrt skaliert.