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Wildschweine mit Gefahren-Lauten vergrämen

Der Raptor Wildschweinschreck soll Schwarzwild wirksam vergrämen. (Foto: Hersteller)

Die Schwarzwildpopulation habe in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, enorme Schäden in der Landwirtschaft seien die Folge. Zur Vermeidung dieser Schäden wird meist auf Elektrozäune oder jagdliche Methoden zurückgegriffen – beides sei zeit- und kostenintensiv. Akustische Methoden konnten bislang noch nicht überzeugen.

Mit den eigenen Lauten vertrieben

Der Raptor-WLS R35 „Wildschwein-Schreck“ von Protectronic soll jedoch Abhilfe schaffen. Er besteht aus Lautsprechern, die spezielle Gefahren-Laute von Wildschweinen verbreiten. Diese Vergrämungs-Methode hängt mit der Sprache der Wildschweine zusammen: Wildschweine produzieren eine Vielzahl von Lauten, mit denen sie untereinander kommunizieren. Bei Gefahr stoßen sie Schreck-, Warn- und Alarmlaute aus.

Genau diese arteigenen Laute in Kombination mit anderen Schlüsselgeräuschen (die Gefahr bedeuten) werden beim Raptor Wildschwein-Schreck verwendet. Die Sounds treffen die Tiere direkt auf ihrer Instinkt-Ebene treffen und zeigen daher auch langfristig ihre Wirkung, so der Hersteller.

Schweizer Studie zeigt Fluchtverhalten auf

Das Gerät wurde zusammen mit Schweizer Wissenschaftlern entwickelt. Seine Wirkung wurde in einer Studie der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) untersucht. Dabei wurden die Wildschweine mit Sendern ausgestattet – die daraus gewonnenen GPS-Daten lieferten äußerst interessante Erkenntnisse, so der Hersteller. Die ZHAW hat das Gerät einem Langzeit-Test unterzogen und mit konventionellen Präventionsmethoden verglichen. Zitat aus der Studie:

„Mit dem Wildschwein-Schreck steht nun ein zusätzliches flexibles Instrument zur Vergrämung von Wildschweinen auf Landwirtschaftsflächen zur Verfügung. Die akustische Vergrämung eignet sich, um die kritischen Phasen unmittelbar nach der Aussaat sowie während der Milchreife von Mais und Weizen abzudecken.“

Untermauert wurde die Wirkung mit Bewegungsdaten von 36 Wildschweinen, die mit einem GPS-Halsband ausgestattet waren. Nachfolgendes Beispiel zeigt ein Tier, das nach der Installation zweier Wildschwein-Schrecks langfristig mehr als 1.000 m Abstand hielt:

GPS-Wegedaten eines Wildschweines vor (blaue Linien) und nach (gelbe Linien) der Installation zweier Raptor Wildschwein-Schrecks.(Auszug/Illustration aus der Studie der ZHAW, Satellitenbild: Google Earth)

 

Auch gegen Rehe und Vögel

Protectronic bietet den Raptor-WLS R35 neben der Variante als Wildschwein-Schreck auch zur Vergrämung von Rehen an. Auch ein Kombigerät gegen Wildschweine und Rehe ist erhältlich. Mit dem Raptor soll zudem das Retten von Rehkitzen möglich sein. Wenige Tage vor dem Mähen aufgestellt, sollen mittels Raptor die Rehgeiße samt den Kitzen von den Flächen ferngehalten werden.
Zudem ist das Gerät auch als Variante zur Abwehr von Vögeln (auch als Funk-Version) zu haben.