AckerbauAlternative KulturenSojabohneWieviele Knöllchen braucht die Sojabohne?

Wieviele Knöllchen braucht die Sojabohne?

Hat das Impfen funktioniert, so haben sich an den Wurzeln genügend Knöllchen gebildet.
Quelle: Böck

Soja zu impfen ist wichtig. Das müsste mittlerweile bei allen Sojabauern angekommen sein und wird großteils bereits umgesetzt. Wenn das Impfen funktioniert hat, siedeln sich an der Wurzel Knöllchenbakterien an, die die Pflanze mit genügend Stickstoff für einen ordentlichen Ertrag versorgen. Und das ist nicht wenig. Ein Sojabestand nimmt laut Helmut Feitzlmayr, dem Pflanzenbaureferenten der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, je Tonne Ertrag zwischen 70 und 75 kg Stickstoff auf. Bei Spitzenerträgen von über 4.000 kg und mehr sind das über 300 kg Stickstoff, die die Pflanze benötigt. Eine Versorgung über Mineraldünger ist bei dieser Menge undenkbar. Es kommt zwar zusätzlich auch die Mineralisation aus dem Boden ins Spiel, aber dem sollte man laut Feitzlmayr nicht zu viel Bedeutung zumessen. Am wichtigsten ist, dass genügend Knöllchen vorhanden sind und diese ordentlich arbeiten.

In den Versuchen aus Oberösterreich reichten 15 große Knöllchen für einen guten Sojaertrag aus.
Quelle: Böck

Knöllchen zählen

Um zu prüfen, ob das Impfen funktioniert hat und genügend Knöllchen gebildet wurden, sollte jeder Landwirt zum Zeitpunkt der maximalen Biomasseausbildung – im Juli – an mehreren Stellen den Bestand kontrollieren. Dazu hat die Bioforschung Austria eine zweiseitige Kurzanleitung zur Knöllchenbonitur veröffentlicht. Für eine aussagekräftige Bonitur sollten Sie mit einem Spaten möglichst die vollständige Wurzel einer Pflanze ausheben. Die Erde schütteln Sie vorsichtig ab. Ist die Erde klebrig und löst sich nicht von der Wurzel, so sollte die Wurzel mit Wasser gereinigt werden. Eine Pflanze einfach aus dem Boden zu ziehen, so wie am Titelbild, ist der falsche Weg. Der Hintergrund dabei ist, dass sich bei mechanischer Beeinträchtigung die Knöllchen von der Wurzel lösen und somit auch für die Bonitur verloren sind. Danach werden die Knöllchen gezählt. Laut Wilfried Hartl von der Bioforschung Austria sollte eine gute Soja mehr als 100 Knöllchen angesetzt haben. „Die Chinesen – die als erstes die Soja kultiviert haben – sagen immer: Die beste Soja ist die mit der Perlschnur“, erklärt Hartl. Wichtig ist seiner Meinung nach auch, dass die Knöllchen sich nicht nur an der Pfahlwurzel befinden, sondern auch viele an den Seitenwurzeln.

 

Die Größe zählt

Die Offizialberatung sieht das nicht ganz so eng. So führt die Landwirtschaftskammer Oberösterreich bereits seit mehreren Jahren Impfversuche bei Sojabohne durch. Dabei werden auch die Knöllchen bonitiert. Helmut Feitzlmayr hat dabei die Erfahrung gemacht, dass es weniger um die Anzahl der Knöllchen, als vielmehr um deren Masse geht. Ein großes Knöllchen bringt demnach mehr Leistung als ein kleines. Das gehört ebenfalls berücksichtigt. Er bonitiert daher neben der Anzahl auch die Größe der Knöllchen. Die Unterteilung liegt dabei zwischen klein wie ein Stecknadelkopf, mittel und groß wie eine Erbse. Das ist besonders wichtig, da sich bei den modernen Impfmitteln und Formulierungen teilweise nur wenige aber auch sehr große Knöllchen ausbilden und diese Soja auch gute Erträge bringen. Ein Blick auf die Ertragstabellen gibt ihm dabei auch Recht. Die beste Variante (TurboSoy + Histick) brachte 2019 mit 15 großen Knöllchen in der Bonitur Erträge von gut 4.200 kg/ha. Auch die Position der Knöllchen – ob an der Pfahlwurzel oder an den Seitenwurzeln – sieht Feitzlmayr nicht so dramatisch. Das ist seiner Meinung nach meist von der Anbauhäufigkeit der Sojabohne abhängig. So bildet beimpfte Soja auf einem jungfräulichen Boden – wo zuvor nie Soja stand – hauptsächlich an der Pfahlwurzel ihre Knöllchen aus. Anders auf Böden, die an die Soja gewöhnt sind. Hier findet man vermehrt auch an den Seitenwurzeln Knöllchen.

Funktion der Knöllchen

Neben der Anzahl sollte man aber auch die Funktion der Knöllchen überprüfen. Dazu schneiden Sie ein Knöllchen auf oder zerdrücken es einfach zwischen den Fingern. Ist das Innere rot gefärbt, so sind sie aktiv und binden Luftstickstoff. Ganz junge Knöllchen sind im Inneren weiß, und eine olivgrüne Farbe zeigt, dass die Knöllchen abgestorben sind. Die Knöllchenbakterien holen sich den Stickstoff aus der Luft. Dementsprechend wichtig ist die Versorgung der Böden mit Luft. Das ist auf verkrustetem Boden sehr schlecht. Gerade dieses Jahr, wo durch die Trockenheit das Saatbett sehr fein wurde, kann es bei Niederschlägen schnell zu einer unerwünschten Krustenbildung kommen. Diese Kruste kann man aber mit einem Striegel aufreißen, um die Luftversorgung wiederherzustellen.

Die Geschichte mit der Düngung

Mit der Flächenausweitung rückt auch die Düngung von Sojabohnen immer mehr in den Fokus. Dementsprechend steigt auch die Anzahl der Düngersorten, die auf die Soja zugeschnitten sind. Grundsätzlich benötigt die Sojabohne wie jede andere Kultur auch genügend Nährstoffe. Auch wenn die Stickstoffdüngung bei Soja im Normalfall wegfällt, sollte man die anderen Nährstoffe nicht vergessen. Im besten Fall sind die Gehalte und Verhältnisse im Boden sehr gut. Dafür ist aber auch die Kenntnis einer umfassenden Bodenuntersuchung wichtig. Eine Düngung mit Phosphor und Kali hat in den meisten Versuchen keine Mehrerträge gebracht. So auch in den Versuchen des Versuchsreferats Steiermark. Soja ist aber auch dafür bekannt, schwer verfügbare Phosphate im Boden zu mobilisieren und zu nutzen. Auf eine ausreichende Versorgung mit Schwefel ist aber zu achten. Nicht zuletzt ist dieser Nährstoff für die Stickstoffeffizienz notwendig. Das ist besonders auf Flächen mit Minimalbodenbearbeitung und auf schweren Böden mit schlechter Erwärmung wichtig. Hier kann man von der Mineralisation des Bodens nicht viel Nachlieferung erwarten. Eine Düngegabe mit Kieserit (Magnesium- Sulfat) brachte in den Versuchen in der Steiermark teilweise Mehrerträge.

 

Mikronährstoffe

Neben den Hauptnährstoffen ist aber bei Soja auch die Versorgung mit Spurenelementen wichtig. Hier stechen besonders Kobalt und Molybdän heraus. Molybdän tut sich besonders durch seine Verfügbarkeit bei hohen pH-Werten hervor. Liegt der pH-Wert unter 6, so ist es nur mehr schwer verfügbar. Kobalt ist als Nährelement nur selten erwähnt. Es ist bei niedrigem pH-Wert besser verfügbar. Diese beiden sind wichtig für die Funktion der Knöllchenbakterien und somit unabdingbar wenn es um die Stickstofffixierung geht. Die Probstdorfer Saatzucht hat dieses Jahr erstmals das Präparat CoMo – einen Blattdünger mit Kobalt und Molybdän – im Angebot. Sicher eine interessante Möglichkeit, um den Bedarf mit den Nährstoffen zu decken. Heimische Versuche in der Sojabohne gibt es derzeit aber noch keine. Ein privater Versuchsansteller aus Deutschland hatte es aber 2019 im Versuch, wobei keine Mehrerträge erzielt wurden. In Österreich ist CoMo derzeit auch das einzige Präparat, das Kobalt in einer schnell pflanzenverfügbaren Form enthält und für das man keinen Giftbezugsschein benötigt. Das Kombiprodukt macht die Versorgung mit Kobalt auf Böden, die mit ausreichend Molybdän versorgt sind, schwierig. Denn übermäßig viel Molybdän wirkt – so wie bei allem – toxisch. Bei Kobalt ist derzeit leider aber auch das geringe Wissen über die Versorgung der Böden ein Problem. Laut Georg Dersch von der AGES steigen zwar die Anfragen, die Bodenproben auch auf den Kobaltgehalt zu untersuchen, eine Interpretation des Ergebnisses – über die Versorgungsklasse – ist derzeit aber wegen mangelnder Erfahrung nicht möglich.

Die Blattdüngung mit CoMo kann mit der zweiten Herbizidmaßnahme kombiniert werden.
Quelle: Böck

Red Bull verleiht Knöllchen

Einen interessanten Denkansatz hatte hier der Landwirt Manfred Derflinger. Seiner Meinung nach müsste man beim Soja-Impfen Vitamin B12 – ein Kobalt-haltiges Vitamin – mitnehmen. Hiervon sind größere Mengen in Energy Drinks enthalten. Das wäre in Zukunft vielleicht eine Alternative zu Cobalt-Düngern, die in Österreich sowieso nur schwer erhältlich sind.