AckerbauAlternative Kulturen(Wieder) Zuckerrüben anbauen

(Wieder) Zuckerrüben anbauen

Jetzt in den Rübenanbau einsteigen.
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Der Fall der Zuckermarktordnung und der Rübenderbrüssler haben den österreichischen Zuckerrübenanbau in den vergangenen Jahren verändert. Das Resultat sind rückgängige Flächen. Während 2015 noch gut 45.000 ha Zuckerrüben auf den Feldern standen, wurden 2020 nur mehr rund 34.000 ha angebaut. Davon fielen etwa 7.500 ha dem Rübenderbrüssler und der Trockenheit zum Opfer. Übrig blieb zu wenig Fläche, um die zwei Zuckerfabriken der Agrana weiterzuführen. Daher beschloss der Agrana-Vorstand, den Standort Leopoldsdorf zu schließen, sofern die kontrahierte Fläche für 2021 nicht die 38.000-ha-Marke überschreitet. Um das zu erreichen, hat die Agrana auch für Landwirte sehr attraktives Maßnahmenpaket parat, was den Rübenanbau interessant werden lässt. Und das sowohl für Neueinsteiger als auch für alten Hasen.

Gute Preise

Betriebe, die von den Rübenverladeplätzen weiter entfernt sind, können auch auf die Lademaus zurückgreifen.
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Der wohl wichtigste Punkt ist der Mindestpreis von 32 Euro/t Rüben im ersten und 34 Euro/t Rüben im zweiten Jahr. Bei einer Rübenmenge zwischen 70 und 85 t/ha ergibt das einen Deckungsbeitrag zwischen 620 und gut 1.000 Euro/ha. Laut Martin Bäck von der LK Oberösterreich lag der Schnitt der letzten drei Jahre in Oberösterreich bei 86 t/ha. Auch im niederösterreichischen Trockengebiet rechnet man dieses Jahr mit einem Durchschnittsertrag von über 80 t/ha, so Gottfried Klinghofer von der Agrana. Bäck betont aber auch, dass die Erträge auf Böden wo zuvor noch nie Rüben angebaut wurden, die Erträge noch um ein paar Tonnen besser seien. Zusätzlich zum Erlös aus der Rübenproduktion kann jeder Rübenbauer einen Kombivertrag abschließen. Demzufolge soll für Mais und Getreide, die ein Rübenbauer an die Agrana nach Pischelsdorf in das Ethanolwerk oder nach Aschach in die Stärkefabrik liefert, einen Preisaufschlag bekommen. Dieses Jahr werden beispielsweise laut Klinghofer für jede Vertragstonne wieder ein Preisaufschlag ausbezahlt. Seit dem Fall des Kontingents kann theoretisch auch jeder Landwirt nun Rüben produ zieren. Da die Rübenplätze im Eigentum der Rübenbauern stehen, können diese jedoch nur nach einem Erwerb von mindestens fünf Anteilen an der Österreichischen Zuckerrübenverwertungsgenossenschaft (ÖZVG) benützt werden Dazu kommt noch eine Beteiligung am jeweiligen Landesverband. Für Neueinsteiger, welche noch wenig Erfahrung mit der Unkrautbehandlung in Rüben haben und auch Landwirten, welche wenig Zeit für die Behandlungen aufbringen möchten, wird Conviso- Rübensaatgut empfohlen. Dabei handelt es sich um spezielle Sorten, die mit dem gleichnamigen Herbizid behandelt werden können. Dadurch werde die Herbizidmaßnahme einfacher, so Martin Bäck. Es ist nur mehr eine Spritzfolge mit zwei Terminen notwendig und auch der Zeitpunkt der Spritzungen ist nicht mehr ganz so problematisch. Auch bei der Saat- und Erntetechnik wird Einsteigern geholfen. So können Betriebe, die von den Rübenverladeplätzen weiter entfernt sind, auch auf die Verlademaus (siehe Foto) zurückgreifen und die Rüben abtransportieren lassen. Bei den Neueinsteigern legt man große Hoffnung auf Oberösterreich, den niederösterreichischen Voralpenraum und das Waldviertel. Erste Betriebe, die dieses Jahr erstmals Rüben angebaut haben, standen zu Redaktionsschluss kurz vor der Ernte. Optisch waren viele der Bestände laut Klinghofer top. Doch mit ein paar neuen Hektar Rüben alleine wird man die Zuckerfabrik nicht retten können. Es liegt vielmehr in den Händen des niederösterreichischen Trockengebiets – dem Hauptanbaugebiet der Zuckerrübe. In ganz Niederösterreich wurden 2015 noch gut 35.000 ha Rüben geerntet. Zuletzt waren es laut Klinghofer nur mehr knappe 20.000 ha.

 

Convisio-Rüben erleichtern die Herbizidstrategie.
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Derbrüssler am Rückzug?

Im Hauptanbaugebiet östlich und nördlich von Tulln trat in den vergangenen Jahren der Rübenderbrüssler massiv auf. Dieser Schädling reduzierte in manchen Gebieten einen auflaufenden Rübenbestand in nur wenigen Tagen. Trotz Saatgutbeize und Einsatz von Insektiziden konnte die Lage nicht entspannen. Auch nach dem ersten oder gar zweiten Wiederanbau blieben keine Rüben übrig. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Motivation hiesiger Landwirte, Rüben anzubauen, schwindet. Doch das diesjährige Derbrüssler-Monitoring verspricht Entspannung. Laut Gottfried Klinghofer von der Agrana wurden im Spätsommer deutlich weniger Eier und Larven im Boden

gefunden als in den vergangenen Extrembefallsjahren. Die Niederschläge von mindestens 250 Litern/m2 im Sommer sollen den Larven und Jungkäfern schwer zugesetzt haben. Man geht daher davon aus, dass der Druck im kommenden Jahr deutlich geringer sein wird. Auch wenn der Schädling laut Klinghofer sicherlich nicht komplett verschwinden wird. Mit zwei bis fünf Käfern pro Quadratmeter könne man aber gut leben. Hierfür reiche die Insektizide-Beize aus, die höchstwahrscheinlich durch eine Notfallzulassung zur Verfügung stehen werde. Sollte der Schädling nächstes Jahr wider Erwarten doch zuschlagen, so gibt es eine Prämie von 250 Euro pro Hektar für den Wiederanbau aufgrund von Schädlingsbefall vom Bund. Außerdem wird das Saatgut für den Wiederanbau gratis zur Verfügung gestellt.

 

Mit Leopoldsdorf …

… steht und fällt das oben Beschriebene. Wird die Fabrik geschlossen, so muss die Anbaufläche auf maximal 25.000 ha reduziert werden. Außerdem gehen den Rübenbauern die attraktiven Mindestpreise der Verträge und die Boni der Kombiverträge verloren. Es ist laut Agrana auch ausgeschlossen, dass eine geschlossene Zuckerfabrik wieder in Betrieb genommen wird. Ein Neustart ist wirtschaftlich nicht möglich, und auch ein Neubau in Zukunft ist aus jetziger Sicht ausgeschlossen. Somit ginge ein Bereich eines lukrativen Zweigs der Landwirtschaft teilweise verloren.

LANDWIRT Info

Landwirte die Interesse haben neu beim Rübenanbau einzusteigen können sich bis Ende Oktober bei Gottfried Klinghofer per Mail gottfried.klinghofer@agrana.com oder telefonisch 0676 892611275 melden.