ManagementWenn der Tierarzt keinmal klingelt

Wenn der Tierarzt keinmal klingelt

In Zukunft werden Landwirte öfter auf den Tierarzt warten müssen (Christian Mühlhausen/landpixel.de)

Die Kalbin im Stall krümmt ihren Rücken. Ihr Kalb liegt in Steißlage, hat sich im Becken verkeilt. Seit einer halben Stunde versucht der Landwirt es zu drehen. Nichts bewegt sich. Der Tierarzt muss kommen, am Sonntag kurz vor Mitternacht. Im Allgäu, wo es viele Milchviehbetriebe gibt, ist das kein Problem. Hat der Hoftierarzt keine Zeit, kennt jeder Landwirt noch eine zweite Praxis, die Notdienst hat. Das bestätigt auch Mathias Lingg, Milchviehhalter im Oberallgäu. Schwierig ist es in viehschwachen Regionen. Hier finden die Landwirte zwar noch einen Tierarzt, müssen aber häufig warten, bis er kommt. Könnte das bald überall Realität sein? Die Bundestierärztekammer schlägt Alarm und spricht von einem Mangel. In Österreich sieht die Lage ähnlich aus.

Tierärzte werden nicht weniger

In Bayern und Baden-Württemberg gibt es 3.500 niedergelassene Tierärzte. Sie haben eine eigene Praxis oder arbeiten als Angestellte. Die Hälfte davon behandelt Nutztiere. Diese Zahlen sind seit Jahren stabil. Ähnlich ist das Bild in Österreich. Auch an Nachwuchs fehlt es nicht. Seit 1990 bleibt die Zahl der Studenten gleich. Allerdings verschiebt sich das Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Vor 30 Jahren waren die Hälfte der Studenten Frauen, heute sind es 85 %. Warum das so ist, erklärt die Tierärztliche Hochschule Hannover: „Für die Zulassung braucht man sehr gute Abiturnoten. Und da sind die Frauen häufig besser.“ Im Gegensatz dazu sind in Bayern nur zwei von zehn Nutztierpraktikern Frauen, in Baden-Württemberg sind es fünf von zehn.