BioAcker und GrünlandWas tun, wenn Krähen das Maisfeld lieben?

Was tun, wenn Krähen das Maisfeld lieben?

Foto: Agrarfoto

Von Roman GOLDBERGER und Christina VETTA, LANDWIRT Redakteure

Es ist Mai. Vor zwei Wochen wurde der Mais gesät und nun spitzt der Keimling schon zwei, drei Zentimeter aus dem Boden. Beste Bedingungen für die Krähen, die sich zu Hunderten auf dem Feld tummeln. Sie hüpfen von einer Pflanze zur nächsten und ziehen diese heraus – sie haben es auf das Saatkorn abgesehen. Schnell lernen die klugen Vögel, dass die Jungpflanze direkt zum Saatkorn führt. Und so werden ganze Saatreihen ausgezogen. Kommt Ihnen das bekannt vor? Kaum einem Bio-Bauern mit Maisbauerfahrung ist diese Szene neu. Durch die nicht erlaubte Beizung fehlt der Vergrämungseffekt gegenüber Vögeln. Daher müssen sich Bio-Bauern anderer Maßnahmen bedienen.

Raubvogelrufe vertreiben Krähen

„Wir hatten das Problem, dass Krähen bis zu einem Drittel der Saatkörner auspickten – zum Teil schon vor dem Maisaufgang und zum Teil danach“, erzählt Johann Reiter. Der Milchbauer aus der Steiermark suchte deshalb nach einer effektiven Krähenabwehr. Fündig wurde er bei einer burgenländischen Firma, spezialisiert auf akustische Vogel- und Wildabwehr. Diese bietet Lautsprecher an, die Raubvogeltöne, Vogelangstschreie oder Jagdgeräusche intervallartig abspielt. „Ich stelle den Lautsprecher nach der Saat für zwei Wochen auf das Feld“, sagt Reiter. Bis dahin sind die Jungpflanzen groß genug und werden nicht mehr aus der Erde gezogen. Steht das Gerät länger, gewöhnen sich die Vögel an die Geräusche und reagieren nicht mehr darauf. Da ein Lautsprecher mehrere Hektar Fläche akustisch abdeckt, reicht in seinem Fall ein Gerät. Befestigt wird es in etwa zwei Metern Höhe auf einem Holzstock, für die Inbetriebnahme ist eine handelsübliche 12-Volt-Autobatterie notwendig. Bei Dämmerung schaltet sich der Lautsprecher automatisch ab. Wem der Preis von knapp 700 Euro zu hoch ist, der kann das Gerät auch um 90 Euro pro Monat mieten. Ein positiver Nebeneffekt des Lautsprechers sei es, dass auch Rehkitze auf angrenzenden Wiesenflächen verschreckt werden und somit weniger Tiere durch Mähwerke umkommen, so Reiter. In Siedlungsnähe sei der Lautsprecher aber nur bedingt geeignet. Gegen das Auspicken des Saatguts vor dem Maisaufgang konnte der Steirer mit dem Walzen des Saatbeets vorgehen. „Das hat die Situation verbessert.“ Im heurigen Jahr wird er die Reihen blindstriegeln, um zu verhindern, dass sich die Krähen, Tauben und Fasane an den Saatreihen orientieren.

Ablenkfütterung für Notfälle

„Eine Möglichkeit, bereits anwesende Tauben, Fasane und Krähen vom eigenen Feld fernzuhalten, ist die Ablenkfütterung“, erklärt Bio-Berater Manuel Böhm. Dabei wird eine größere Menge Mais auf Wege und Raine neben dem Maisfeld gestreut. „Eine gute Wirkung zeigt die Ablenkfütterung, wenn der Mais vorher gekocht und mit Zucker versetzt wird“, so der Bio-Ackerbau-Berater aus Oberösterreich. Geeignet dafür seien alte Kartoffeldämpfer. Ist das technisch nicht möglich, so sollte der Mais 24 bis 48 Stunden in Zuckerwasser eingeweicht werden, denn die Krähen haben es gerade auf das aufgeweichte Maiskorn abgesehen. Wichtig sei zudem, dass die Maishäufel an mehreren Stellen neben dem Feld angelegt werden und während der kritischen Zeit nie ganz aufgefressen werden. Ansonsten würde sich diese Maßnahme zum Nachteil auswirken, erklärt Böhm: „Man muss davon ausgehen, dass durch die Ablenkfütterung mehr Krähen angelockt werden, die bei Futtermangel dann erst wieder auf die Maispflanzen losgehen.“ Wichtig sei die tägliche Kontrolle, so der Bio-Berater, der darauf hinweist, dass die Ablenkfütterung nur dann sinnvoll ist, wenn die Krähen das Feld bereits eingenommen haben. Keinesfalls sollten prophylaktisch Ablenkfutterstellen angelegt werden.

 

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