RindRinderhaltungRinderfütterungWas Sie über den Pansen wissen sollten …

Was Sie über den Pansen wissen sollten …

Von Karin Ch. TAFERNER, LANDWIRT Redakteurin

1. Der Pansen soll voll sein

Der Pansen füllt die gesamte linke Bauchseite der Kuh. Der Grad der Pansenfüllung gibt Auskunft über das Fressverhalten der Kuh. Eine eingefallene Hungergrube deutet darauf hin, dass die Kuh noch nicht genug gefressen hat. Das kann einerseits daran liegen, dass es zu wenig Futter gab oder dass die Kuh das Futter nicht annimmt. Kranke oder rangniedere Tiere (Erstlaktierende, Kalbinnen…) haben häufiger eingefallene Hungergruben als gesunde Kühe. Konkurrenz am Futtertisch und ein ungenügendes Tier-Fressplatz-Verhältnis reduzieren die Futteraufnahme. Achten Sie darauf, ob der Pansen Ihrer Kühe gefüllt ist. Das ist ein erster Hinweis darauf, ob die Kuh gesund ist.

2. Der Pansen lebt

Im Pansen leben viele Kleinstlebewesen (Mikroorganismen), sogenannte Pansenmikroben. Die größten Gruppen sind Bakterien, Pilze und Hefen. Sie zerlegen das gefressene Futter und bauen daraus für den Wiederkäuer nutzbare Baustoffe auf. Jede Art ist auf bestimmte Futterinhaltsstoffe spezialisiert. Stärkeabbauende Bakterien nehmen zu, wenn die Kuh eine getreideund maisbetonte Ration frisst. Bei grundfutterbetonter Fütterung leben im Pansen mehr zelluloseabbauende Bakterien. Sauerstoff hemmt diese Bakterien. Hefen können Sauerstoff veratmen. Sie halten den Pansen sauerstofffrei. Darum werden auch Lebendhefen als Futtermittelzusatzstoff eingesetzt.

3. Im Pansen werden Säuren gebildet

Im Pansen befinden sich der Pansensaft und die Fasermatte. Der Pansensaft einer gesunden Kuh hat einen pH-Wert über 6,2. Je öfter die Kuh frisst, umso stabiler bleibt der pH-Wert im Pansen. Durch Abbauprozesse entstehen flüchtige Fettsäuren, die den pH-Wert senken. Vor allem bei kraftfutterbetonten Rationen sinkt der pH-Wert im Pansen, weil die stärkeabbauenden Bakterien viel Milchsäure bilden. Bei faserreicher Fütterung wird vermehrt Essigsäure gebildet, die eine weniger stark säuernde Wirkung hat. Zudem nimmt das Wiederkauen zu, wenn grundfutterbetont gefüttert wird. Beim Wiederkauen bildet die Kuh Speichel, der eine puffernde Wirkung hat und einer Acidose vorbeugt. Kühe, die wenig wiederkauen, sind acidosegefährdet.

4. Der Pansen kann übersäuern

Liegt der pH-Wert im Pansen unter 5,8, leidet die Kuh an Acidose. Rinder können pH-Werte unter 6,2 kurzfristig aushalten. Dabei ist zu beobachten, dass die Tiere zunächst am ersten Tag weniger wiederkauen, danach aber gezielt nach langen Partikeln in der Ration selektieren und mehr trinken. Erst bei andauernder Übersäuerung beginnen ernsthafte Gesundheitsprobleme. Bei akuter Pansenübersäuerung (pH dauerhaft unter 5,5) ist es auch für Tierärzte kaum möglich einzugreifen. Diese Form der Acidose kommt deutlich seltener vor als die subakute Pansenacidose (SARA). Bei SARA liegt der pH-Wert täglich mindestens drei Stunden unter 5,8. Das schädigt die Pansenwand und hemmt das Bakterienwachstum. Der Pansen ist nicht mehr im Gleichgewicht. Bei SARA zeigt sich auch eine deutlich verringerte Faserverdaulichkeit. Je weniger Zucker und Stärke in der Ration ist, umso geringer ist die Gefahr von Acidose.

Studien zeigen, dass weltweit bis zu 50 % der Milchkühe an SARA leiden. Sie fressen unregelmäßig und ihre Leistung sinkt. Sie haben einen geringen Milchfettgehalt und sind anfälliger für Verdauungsstörungen (Durchfall, Aufblähen) oder Lahmheiten und Euterentzündung. Eine Kuh mit SARA kostet Sie rund einen Euro am Tag (entgangener Milcherlös und Tierarztkosten). Achten Sie darauf, dass das Verhältnis zwischen Grundund Kraftfutter ausgeglichen ist. Bei Kraftfutteranteilen von über 50 % steigt das Acidoserisiko deutlich an. Durch Futterselektion auf Kraftfutter kann es trotz ausgewogener Vorlage zu Acidose kommen!