ForstWaldschäden durch Klimaerwärmung

Waldschäden durch Klimaerwärmung

Das Triebsterben an der Schwarzkiefer verursacht ein Pilz.
Quelle: Jäger

83Seit dem Sommer 2015 vermehrt sich der Buchdrucker im Norden von Österreich in einem Ausmaß, das bisher nicht bekannt war. Die Schäden durch Borkenkäfer betrugen im Jahr 2018 österreichweit 5,2 Millionen Kubikmeter (Quelle: Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren) und für 2019 ist keine Verbesserung zu erwarten. Den Großteil der Schadholzmengen verursachte der Buchdrucker an Fichte. In Österreich ist vor allem das Wald-und Mühlviertel am stärksten betroffen, mehr als zwei Drittel der Borkenkäferschäden fielen 2018 dort an. Waldwachstums-Modelle prognostizierten die Probleme der Fichte in den von Borkenkäfern betroffenen Regionen bei verschiedenen Szenarien des Temperaturanstiegs bereits. Die Situation kommt daher prinzipiell nicht unerwartet, erschreckend ist die Geschwindigkeit, mit der eine Baumart auf großer Fläche in Bedrängnis kommt.

Trockenheit schwächt auch Kiefern

In den betroffenen Gebieten sind regionenweise auch andere Baumarten in schlechtem Zustand, Trockenheit ist dabei ein wesentlicher Faktor. Verstärkt wird diese durch höhere Temperaturen: Da die Verdunstung deutlich ansteigt, kommt es für die Vegetation auch bei gleichbleibender Niederschlagsmenge früher zu Wassermangel. Die Weißkiefer stirbt in den letzten Jahren im Wald- und Weinviertel vermehrt nestweise ab. Fast immer sind Borkenkäfer wie etwa Sechszähniger und Zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer beteiligt. Wie bei der Fichte sollten auch befallene Kiefern rechtzeitig vor Abschluss der Brutentwicklung aus dem Wald gebracht werden. An der Schwarzkiefer ist es wiederum vor allem ein pilzlicher Krankheitserreger, Diplodia sapinea. Der Pilz kommt weit verbreitet als Endophyt in den Kiefern vor, ohne Symptome zu verursachen. Warme Winter begünstigen sein Wachstum, trockene Sommer schwächen den Wirtsbaum. So wird der Pilz zum Pathogen und verursacht das Triebsterben der Schwarzkiefer.

Rußrindenkrankheit an Ahorn

Selbst die Tanne ist nicht gefeit vor den negativen Auswirkungen extremer Trockenheit, auch nicht in an sich niederschlagsreichen Gebieten. Der in Vorarlberg extrem trockene Sommer 2018 schwächte Tannen so stark, dass sie attraktive Wirte für den Befall durch die Tannenborkenkäfer- Arten wurden. Ein für dieses Bundesland ungewohnt hoher Schadholzanfall war und ist die Folge. Ein bei uns neu in Erscheinung getretenes Pathogen bei Ahornarten, insbesondere am Bergahorn, ist Cryptostroma corticale. Ein Pilz, der lange unbemerkt im Holz wachsen kann. Bei hohen Sommertemperaturen kommt es zu verstärktem Wachstum des Pilzmyzels, das schließlich die Rinde erreicht und diese zum Absterben bringt. Nun entwickeln sich die typischen Symptome der Rußrindenkrankheit: Es bildet sich eine schwarze Schicht mit einer enormen Mengen von Sporen. Diese bergen auch ein Risiko für die menschliche Gesundheit, da sie Lungenerkrankungen auslösen können. Im Sommer 2018 wurde erstmals nestweises Absterben von Bergahorn in einem Waldbestand im Weinviertel beobachtet. Wenn auch der Fokus in der Forstwirtschaft aufgrund der dramatischen Lage derzeit auf der Fichte und deren Borkenkäfern liegt, dürfen daher die anderen Baumarten nicht unbeachtet bleiben. Aus Sicht des Waldschutzes gilt außerdem die Empfehlung, auf Vielfalt bei Baumarten und Strukturen zu setzen.