ForstVorsicht bei Totholz

Vorsicht bei Totholz

Totholz entsteht durch natürliche Absterbeprozesse, Insektenkalamitäten, Schneebruch, Sturm, Feuer und Blitz.
Quelle: Jäger

Der Anteil an Totholz in unseren Wäldern ist in den letzten Jahren angestiegen. Es entsteht durch natürliche Absterbeprozesse, Insektenkalamitäten, Schneebruch, Sturm, Feuer und Blitz. Aber auch die forstliche Bewirtschaftung lässt Baumstümpfe oder Wipfel zurück und produziert damit Totholz. Laut Erhebungen des Thünen-Instituts haben die anhaltenden Trockenperioden und Borkenkäferschäden der vergangenen Jahre beispielsweise in Deutschland dazu geführt, dass die üblichen Mengen von durchschnittlich 22 m3 Totholz pro Hektar in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern mancherorts auf mehreren 100 m3 pro Hektar gestiegen sind. Was für zahlreiche Tiere, Pflanzen und Pilze einerseits ein wertvoller Lebensraum und Lebensgrundlage ist, stellt andererseits eine großes Gefährdungspotenzial für Menschen dar, die sich zu Erholungszwecken im Wald aufhalten und insbesondere für jene, die im Wald arbeiten. Beim Fällen von Bäumen kommt es immer wieder zu Unfällen durch plötzlich abbrechende Kronenteile oder unerwartet umstürzende, abgestorbenen Bäume. Zudem erhöht Totholz in Risikogebieten die Waldbrandgefahr.

Sicherheit an erster Stelle

Totholz ist ein wichtiger Bestandteil naturnaher Wälder. Abgestorbene Bäume sind vor allem für Spechte, die viele aus forstwirtschaftlicher Sicht schädliche Insekten auf ihrem Speiseplan haben, von großer Bedeutung. Die von den Spechten geschaffenen Höhlen sind wiederum Nistplätze für zahlreiche Vogelarten wie Meisen, Kleiber, Hohltauben oder Eulen. Auch Siebenschläfer oder Fledermäuse nutzen diese Behausungen. Molche, Blindschleichen oder Feuersalamander verstecken sich gerne in liegendem Totholz. Auch die Wildkatze braucht Totholz in ihrem Lebensraum. Es gibt also durchaus gute Gründe, Totholz im Wald zu fördern.
Wenn Sie als Waldeigentümer aus ökologischer oder ökonomischer Sicht stehende tote Bäume im Wald belassen, sollte die Sicherheit von Personen trotzdem an erste Stelle stehen. Belassen Sie das Totholz in Gruppen und nur in sicherem Abstand zu Forststraßen und markierten Wegen. In der Nähe von Freileitungen sollten Sie ebenfalls keine Totholzbäume stehen lassen, da die Holzernte dort mit zusätzlichen Gefahren verbunden ist.
Besonders in der Vegetationszeit, wenn die Bäume belaubt sind, ist es nicht einfach, Totholz zu erkennen und richtig zu beurteilen. Ein Beispiel dafür sind vom Eschentriebsterben betroffene Eschen. Selbst wenn ihre Kronen noch belaubt sind, können die oftmals im Wurzelbereich bereits völlig verrotteten Bäume bei geringen Erschütterungen oder Windstößen plötzlich umfallen. Bei einem fortschreitenden Krankheitsverlauf sterben immer wieder Äste und Kronenteile der Eschen ab. Dieses Kronentotholz führt zu einem verstärkten Sicherheitsrisiko bei der Holzernte. Neben herabfallende Totästen oder Wipfelstücken von stehenden Bäumen oder gerade fallenden Bäumen, lauern noch weitere Gefahren: Bei der Fällung eines Baumes können Totholzbäume in unmittelbarer Nähe des zu fällenden Baumes berührt und mitgerissen werden. Durch die Erschütterungen des aufschlagenden Baumes oder durch die Berührung beim Rücken von Holz kann in der Nähe stehendes Totholz plötzlich zusammenbrechen oder umfallen. Die Gefahr des Umfallens durch Erschütterung kann auch zeitlich verzögert auftreten. Vorsicht auch bei liegendem Totholz: Häufig ist es bemoost und sehr rutschig.

Gefahr richtig beurteilen

Die Holzernte in Beständen mit Totholz ist eine Arbeit für Profis. Gelegenheits-Waldarbeiter setzen sich hier Gefahren aus, die sie mangels Erfahrung oft nicht richtig einschätzen können. Die Folge sind Forstunfälle, die vermeidbar gewesen wären. Vor dem Fällen eines jeden Baumes ist eine sorgfältige Gefahrenbeurteilung notwendig. Machen Sie bei der Fällung eine genaue Baumansprache, achten Sie besonders auf das Totholz in der Baumkrone und darauf, dass keine dürren oder verfaulten Bäume im Gefahrenbereich stehen. Wählen Sie Ihren Standplatz und den Fluchtweg stets sorgfältig. Totholz sollte möglich erschütterungsarm gefällt werden. Eine Möglichkeit ist die Fällung des Baumes mit Unterstützung der Seilwinde. Mit ihrer Hilfe wird der Baum nicht umgeschnitten, sondern umgezogen. Das Windenseil wird dafür so hoch als möglich am Baum befestigt. Nach dem Fällschnitt wird der Stamm mit Hilfe der Seilwinde über seinen Schwerpunkt gezogen. Sobald die Seilwinde bedient wird, darf sich im Gefahrenbereich niemand aufhalten. Dürre Kronenteile brechen meist schon bei leichter Bewegung des Baumes ab und die Bäume können beim Fallen brechen.