LandtechnikHoftechnikUnkraut mit Strom bekämpfen statt mit Herbiziden

Unkraut mit Strom bekämpfen statt mit Herbiziden

Für den Antrieb des 1.400 kg schweren XPower XPU-Systems sind 110 PS Traktorleistung nötig.
Quelle: Hersteller

Mit dem neuen XPower XPU bietet AgXTend jetzt in Kooperation mit Zasso für Kommunen, städtische Betriebe und Unternehmen im Garten- und Landschaftsbau eine neue Möglichkeit, Unkräuter herbizidfrei zu bekämpfen. Als Alternative zu chemischen Wirkstoffen ermöglicht das traktorbasierte XPU dank des XPower-Systems und elektrophysikalischer Technik die  Bekämpfung unerwünschter Vegetation. Somit kann der Einsatz rückstandsfrei, zu jeder Jahreszeit sowie weitgehend unabhängig von Tageszeit und Temperatur erfolgen.

Zwei Komponenten, eine Wirkung

Das XPU System besteht wie die größere landwirtschaftliche Variante aus zwei Komponenten, die im Front- und Heckanbau von Traktoren angehängt werden. Zu der Einheit im Traktorheck gehören ein Generator, ein Getriebe, bis zu 12 Aggregate mit einer Leistung von bis zu 36 kW (mit der Option XPU Power Boost) und ein elektrischer Schaltschrank. Der Applikator im Frontanbau ist seitlich ausschwenkbar, damit auch die Vegetation neben der Traktorspur bekämpft werden kann, und besteht aus drei Reihen statischer Elektroden. Der Generator im Heck wird über die Zapfwelle des Traktors angetrieben und liefert einen Strom mit hoher Spannung, der über den Applikator in der Fronthydraulik über die gesamte Arbeitsbreite von 120 cm in die Pflanzen und dann in den Boden fließt. Der Stromkreis wird über einen zweiten Applikator, der entweder andere Pflanzen oder den Boden berührt, geschlossen. Die elektrische Energie setzt das Chlorophyll sowie das Wasser- und Nährstoffsystem der Pflanzen bereits bei einer einmaligen Behandlung bis in die Wurzeln außer Funktion, da Zellen und Leitbündel irreparabel zerstört werden. Damit ist sichergestellt, dass die Pflanzen binnen einer Sekunde nicht mehr leben; das macht dieses elektrophysikalische Verfahren laut Hersteller sicherer und effizienter als eine mechanische Behandlung, nach deren Einsatz die Pflanzen zum Teil wieder Wurzeln schlagen können. Das XPU System wiegt insgesamt etwa 1.400 kg, die sich auf 300 kg im Frontanbau und 1.100 kg im Heckanbau aufteilen. Bei einer erforderlichen Zapfwellendrehzahl von 540 U/min liegt der Leistungsbedarf des Traktors bei 110 PS.

Das neue XPower XPU bekämpft Unkräuter rückstandsfrei mittels elektrischem Strom auf einer Breite von 1,20 m. Das macht es für kommunale Anwendungen interessant.
Quelle: Hersteller

Die Vorteile, die Wirkung

Der Einsatz des XPU Geräts bietet laut AgXTend gegenüber anderen Verfahren klare Vorteile. Die Wirkung ist systemisch und ähnlich langanhaltend wie bei chemischen Verfahren, ersetzt diese aber vollständig. Die Wirkung ist nur in geringem Umfang von Tageszeit oder Temperatur abhängig, und es sind keine spezifischen Resistenzen der Pflanzen zu erwarten. Da kein Eingriff in den Boden erfolgt, bleibt dieser vor Erosion geschützt und der Samenvorrat im Boden erfährt keine Keimstimulanz. Es gibt keinerlei chemische Rückstände – ein besonderer Vorteil gerade auch bei kommunalen Einsätzen – und das Bodenleben bleibt gänzlich unbeeinträchtigt.

Die Electroherb-Technologie war Bestandteil einer zweijährigen Studie im Rahmen des ControlIinRoad-Projekts. In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Forschungsinstitut AIT wurden invasive Pflanzen mit alternativen Methoden bekämpft; im Mittelpunkt standen dabei die beiden Unkrautarten Beifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) und Japanischer Knöterich (Fallopia spp), die entlang von Verkehrswegen häufig vorkommen und die einheimische Flora und Ökosysteme gefährden. Im Jahr 2019 zeigte ein Vergleich zwischen sieben Bekämpfungsmethoden, dass Electroherb die Produktion der gefährlichen Pollen des Traubenkrauts effektiv zu mehr als 90 % kontrollierte, im Gegensatz zu nur 38% bei herkömmlichen Mähtechniken. Ähnliche Testergebnisse wurden für den Japanischen Knöterich ermittelt.

„Mit XPower und dem jetzt für kommunale Anwendungen und Einsatzfelder in Garten- und Landschaftsbau vorgestellten kleineren XPU Gerät bieten wir neben unserer bewährten Kommunaltechnik nun auch nachhaltige Lösungen für die Bekämpfung unerwünschter Vegetation. Das System arbeitet rückstandsfrei und verliert auch bei nachfolgendem Niederschlag nicht an Wirkung. Boden, Wasser und Insekten sind von der Anwendung nicht betroffen, und der Einsatz ist auch in umweltsensiblen Bereichen, etwa entlang von Gewässern, ohne Einschränkung möglich“, sagt Karsten Vialon, Produktmanager bei AgXTend.