BioAcker und GrünlandTransfermulch: Der hofeigene Dünger für Bio-Ackerbauern

Transfermulch: Der hofeigene Dünger für Bio-Ackerbauern

Die schnellste Art, das System „Cut & Carry“ zu mechanisieren: Ein Feldhäcksler wirft direkt auf einen Streuer. Foto: Stumm, Uni Bonn

Viehlose Bio-Ackerbauern stehen vor diesen Fragen: Was tun mit meinem Kleegras, mit meiner Luzerne? Kann ich sie sinnvoller nutzen, als sie nur zu mulchen? Die Bedeutung in biologischen Fruchtfolgen steht außer Frage: Kein anderes Fruchtfolgeglied hinterlässt derart viel Stickstoff sowie organische Masse (Kohlenstoff) – und ist damit Humusmehrer Nummer 1. Wer den Aufwuchs nicht als Futtermittel verkaufen will oder kann, dem bleibt nur das Einmulchen.

Luzerne sinnvoll nutzen

Immer mehr Bio-Ackerbauern verzichteten daher in den letzten Jahren auf Luzerne, Rotklee oder Kleegras in ihren Fruchtfolgen und setzten lieber auf Marktfrüchte, die man leichter absetzen kann. Schwierige Feldaufgänge, lückige Bestände in Trockenjahren, die dann von Mäusen und unerwünschten Arten besiedelt werden, und vielleicht auch ein stiefmütterliches Dasein setzten dem Anbau von Luzerne bzw. Kleegras weiter zu.

Noch relativ unbekannt in der breiten Masse ist ein Verfahren, das den Aufwuchs innerhalb des eigenen Betriebskreislaufes nutzt. Es heißt Transfermulch oder „Cut & Carry“, frei übersetzt: mähen und abfahren. Dabei erntet man den Aufwuchs von einem „Geberfeld“ und streut ihn auf einer anderen Fläche, dem „Nehmerfeld“, wieder aus. Das hat den Vorteil, dass der Luzernebestand nicht „träge“ vom Stick stoff aus dem eigenen Mulchmaterial wird. In diesem Fall müsste die Luzerne ja weniger Luftstickstoff binden. Laut Literatur beträgt die Stickstofffixierung von gemulchtem, überjährigem Kleegras 75 bis 200 kg/ha, während sie von futterbaulich genutztem Kleegras (also wenn der Aufwuchs abgefahren wird) 190 bis 380 kg/ha ausmachen kann (siehe Tab. 1).

So bindet das Kleegras insgesamt mehr Luftstickstoff – zusätzlich steht der Aufwuchs anderen Flächen zur Verfügung. In extremen Trockenjahren seien die Unterschiede dagegen nicht so groß, da das Mulchmaterial langsamer umgesetzt wird. Das Mulchmaterial hat auch einen gewissen Düngewert. So sind für 100 kg Stickstoff je Hektar laut Christoph Stumm von der Uni Bonn folgende Mengen und Materialien nötig:

  • 20 t frisches Kleegras: 20 % Trockenmasse, 2,5 % Stickstoff in der Trockenmasse, C/N-Verhältnis 16 : 1
  • 10 t Kleegrassilage: 40 % Trockenmasse, 2,5 % Stickstoff in der Trockenmasse, C/N-Verhältnis 16 : 1
  • 25 m³ Biogasgülle: 0,4 % Stickstoff in der Frischmasse

Baustein für Humus

Der Stickstoff ist aber nicht alles. Ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, ist das Einbringen von Kohlenstoff. Dieser ist „Hauptbaustein“ von organischer Masse. Und mit der Zufuhr von organischer Masse können Sie langfristig die Humusgehalte Ihrer Böden stabilisieren (denn Bodenbearbeitung bedeutet Humusabbau) oder gar steigern. Die Folgeeffekte sind schnell erklärt: Mehr Humus, höheres Wasserspeichervermögen, höhere Krümelstabilität – ergibt insgesamt eine höhere Bodenfruchtbarkeit. Stichwort langfristig: Die „Düngewirkung“ des Transfermulches zeigt sich im Jahr der Ausbringung nicht vollständig wirksam.

Die von uns befragten Bio-Bauern berichten, dass die Folgefrucht noch stärker davon profitiert, der Effekt sei dort deutlicher zu sehen. Für das System Cut & Carry eignen sich nicht nur Feldfutter-Bestände. Praktiker setzen dafür zum Beispiel auch Grünschnittroggen oder Wickroggen ein. Einer davon ist Franz Brunner aus Groß Burgstall (NÖ). Das Mulchmaterial gewinnt er aus einem Mischbestand aus Roggen, Wicken, Rübsen, Klee und Gräsern. Weil das Feld Mitte Mai früh geräumt ist, kann er als zweite Hauptkultur noch Soja, Buchweizen oder Körnerhirse anbauen. Ihm ist eine länger anhaltende Mulchschicht wichtig. Bio-Bauer Walter Klingenbrunner definiert es so: „Die eigene Zielsetzung definiert den Anwendungszeitpunkt: Wer eine hohe Mulchschicht anstrebt, sollte das Mähgut anwelken lassen. Dann benötigt man auch eine geringere Menge. Wer im ersten Jahr eine höhere Düngewirkung erzielen will, sollte frisches Material streuen.“ 

Das gehäckselte Kleegras kann direkt auf Hackfrüchte gestreut werden.

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