LandtechnikBranchennewsTraktormarkt Österreich 2018: Das Tief ist vorbei

Traktormarkt Österreich 2018: Das Tief ist vorbei

Dank der relativ jungen Traktorserie 5R konnte John Deere in Österreich wieder „Meter gut machen“. (Foto: Paar)

 

Der österreichische Traktormarkt hat sich auf einem „realistischen“ Niveau stabilisiert. Diesen Schluss kann man ziehen, wenn man die Zulassungsstatistik für 2018 betrachtet. Realistisch deswegen, weil die Zahlen in 2017 wegen der EU-Regelung „Tractor Mother Regulation“ (TMR) verzerrt waren. Diese veranlasste einige Hersteller bekanntlich dazu, lagernde, aber noch nicht verkaufte Neutraktoren bis 31. Dezember 2017 selbst anzumelden (siehe LANDWIRT-Ausgabe 4/2018). Diese scheinen zudem in der aktuellen Statistik nicht mehr auf.

Niveau von 2016 erreicht

Zurück in die jüngere Vergangenheit – in das Jahr 2018: Laut Statistik Austria wurden im Vorjahr insgesamt 5.309 Traktoren in Österreich neu zugelassen (siehe Abbildung 1). Das entspricht einem Minus von 1.204 Stück oder 18,5 %. Exakt so hoch war das prozentuale Plus von 2016 auf 2017. Stellt man das Jahr 2018 mit dem Jahr 2016 gegenüber (und blendet so das verzerrte Jahr 2017 aus), ergibt sich ein Minus von „nur“ 190 Traktoren bzw. 3,5 %. Damit ist der Gesamtmarkt auf einem relativ stabilen Niveau angelangt.

In der Kategorie Standardtraktoren gelangten 2018 genau 3.950 Traktoren neu zur Zulassung. Das entspricht fast exakt der Prognose von Club Landtechnik Austria-Obmann Rudolf Dietrich (4.000 Stück), die er in der LANDWIRT-Ausgabe 4/2018 gab. Verglichen mit 2016 bedeutet das ein deutliches Minus von 623 Einheiten oder 13,6 %. Im Vergleich zu 2017 sind es gar 1.142 Traktoren oder 22 % weniger. Wie erwähnt, ist der Vergleich zu 2017 wegen der TMR jedoch mit Vorsicht zu genießen. Von den Obst- und Weinbautraktoren wurden 2018 exakt 390 Stück neu zugelassen. Das sind 121 Traktoren oder 23,7 % weniger als 2017 oder minus 53 Traktoren bzw. -12 % gegenüber 2016. Auch die Kommunaltraktoren verloren: 2018 waren es mit 408 Einheiten um 208 Stück bzw. 33,8 % weniger als 2017. Verglichen mit 2016 (410 Traktoren) blieb dieses Segment jedoch auf fast gleichem Niveau. Nur die Kategorie „Sonstige Traktoren“ konnte ordentlich zulegen: 2018 entfielen darauf 561 Traktoren, so viel wie nie zuvor. Im Vergleich zu 2017 verdoppelte sich dieser Traktorenmarkt fast. In den Jahren davor waren es überhaupt noch nie mehr als 100 Stück.

Im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2018 pendelte sich der gesamte Traktorenmarkt in Österreich bei rund 5.800 Stück ein. Bei den Standardtraktoren ergibt sich ein Durchschnitt von rund 4.500 Einheiten in den letzten drei Jahren. Auch damit lag Dietrich in seiner Vorhersage richtig. Auch Andreas Klauser, im Vorjahr noch Präsident von Case IH & Steyr, sowie Hermann Lindner vom gleichnamigen Tiroler Traktorenhersteller lagen mit ihren Prognosen von 4.500 bis 5.000 neu zugelassenen Standardtraktoren nicht weit vom Mittelwert der letzten drei Jahre entfernt.

John Deere überrascht mit Aufholjagd

Damit sind wir bei den einzelnen Herstellern und ihren neu zugelassenen Standardtraktoren angelangt (siehe Abbildung 2): Steyr bleibt mit großem Abstand die Nummer 1 in Österreich. Aus St. Valentin wurden im Vorjahr 930 Standardtraktoren und damit 71 weniger als 2017 neu zugelassen. Dennoch konnte Steyr seinen Marktanteil auf 23,5 % ausbauen (+3,9 Prozentpunkte im Vergleich zu 2017). Was sich in den monatlichen Zulassungsstatistiken abzeichnete, wird auch im Jahresergebnis deutlich: John Deere ist mit 709 Traktoren (+307 Stück) der Überraschungssieger im Jahr 2018. Die Mannheimer konnten sich von Rang 6 auf den zweiten Podestplatz vorkämpfen. Dieses Ergebnis liegt in etwa auf dem Niveau von 2014 und beendet das Tal der Jahre 2015 bis 2017. Es entspricht einem stattlichen Marktanteil von 17,9 %, dieser einem Zuwachs von 10 Prozentpunkten! Das Lagerhaus Technik Center und die RWA führen diesen Erfolg vornehmlich auf die relativ junge Traktorserie 5R zurück. Diese schloss eine bis dahin bestehende Lücke im Portfolio von John Deere: dem in Österreich wichtigen Segment um 100 PS. Platz drei in der Markenwertung geht auch 2018 wieder an New Holland. Mit 522 Neuzulassungen (52 weniger als 2017) ergibt sich ein Marktanteil von 13,2 %, was ein kleines Plus von 1,9 Prozentpunkten bedeutet.

Auch Fendt verteidigt seinen Rang und bleibt auf Platz vier. 397 neu zugelassene Traktoren aus Marktoberdorf entsprechen einem Marktanteil von 10,1 % – auch das ist ein kleines Plus von 1,5 Prozentpunkten. Erst auf Platz 5 findet sich Lindner wieder. Die Tiroler mussten ihren zweiten Platz aus 2017 an John Deere abtreten. 2016 lagen die Tiroler exakt gleichauf mit New Holland, in den Jahren zuvor waren die Blauen vorne. In Kundl fällt die Verzerrung der Zulassungsstatistik durch die TMR besonders deutlich aus. Anders ist eine derartige Achterbahnfahrt von 933 Traktoren in 2017 auf nunmehr 348 Stück in 2018 nicht zu erklären. Wenn man über die Jahre 2016 bis 2018 einen Durchschnitt bildet, kommt Lindner auf 631 neu zugelassene Standardtraktoren – das klingt schon realistischer und würde 2018 den dritten Platz bedeuten (hinter John Deere und vor New Holland). Die Entwicklung der weiteren Hersteller finden Sie in Abbildung 3. Hier teilen auch Massey Ferguson und Same (sowie etwas abgeschwächt auch andere Hersteller) vermutlich das gleiche Schicksal wie Lindner – eine Verzerrung durch die TMR.

Auf und ab im Obst- und Weinbau

Bleibt noch der (genauere) Blick zu den Obst- und Weinbautraktoren. Offensichtlich ließ auch hier die Tractor Mother Regulation ihre Spuren. Das wird vor allem bei Fendt mit Blick auf 2017 deutlich (135 Einheiten). Die Marktoberdorfer konnten im Vorjahr 67 dieser Spezialtraktoren neu zulassen und bleiben deutlich auf dem ersten Platz. Diese Zahl liegt übrigens exakt auf dem Niveau von 2016. New Holland belegt mit 36 Stück – und einem deutlichen Minus – den zweiten Rang. Deutz-Fahr konnte sich mit 24 Neuzulassungen vom siebenten auf den dritten Platz vorkämpfen. Die Einzelheiten zu den weiteren Herstellern von Obst- und Weinbautraktoren entnehmen Sie der Abbildung 4.

Alle Grafiken: Ablinger