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Tönnies von Corona massiv betroffen

Hunderte Mitarbeiter des Schlachters Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind positiv auf das Coronavirus getestet worden.
Quelle: Tönnies

Nun hat die Covid-19-Pandemie den Branchenprimus Tönnies erwischt. Mehrere Hundert Mitarbeiter wurden positiv auf das Corona-Virus getestet. Deshalb wurde die Schlachtung am Standort in Rheda-Wiedenbrück am 17. Juni eingestellt. Laut dem Unternehmen werden dort pro Woche rund 140.000 Schweine geschlachtet. Bei einer Pressekonferenz mit dem Fleischhersteller sagte Landrat Sven-Georg Adenauer, dass er „die Schließung des Betriebs angeordnet” habe. Dies könne zwei Wochen, aber auch kürzer dauern. Auch Schulen und Kitas im Kreis müssten geschlossen werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Der Hotspot liege bei Tönnies in der Zerlegung. Es müsse nun darum gehen, einen kompletten Lockdown für den Kreis zu verhindern, erklärte Adenauer. Alle betroffenen Mitarbeiter und die direkten Kontaktpersonen – es handelt sich um Tausende Personen – gingen jetzt in Quarantäne.

Tönnies zufolge werden außer der Schlachtung weitere Bereiche nach und nach heruntergefahren. Unternehmenssprecher Dr. André Vielstädte erklärte, dass „die Gesundheit der Mitarbeiter nun oberste Priorität“ habe. Es sei intensiv daran gearbeitet worden, das Virus aus dem Unternehmen herauszuhalten. Bei den Betroffenen entschuldigte er sich im Namen des Unternehmens. Dem Leiter des Tönnies-Pandemie-Krisenstabs, Gereon Schulze Althoff, zufolge, kann der Ausbruch viele Gründe haben. Diese würden nun gemeinsam mit dem Kreis Gütersloh geprüft.

Bevölkerung ist wütend auf Tönnies

Die Schließung der Schulen bis zu den Sommerferien hat bei den Betroffenen Wut ausgelöst. So fanden sich nach Berichten der Nordwest-Zeitung Eltern, Lehrer und Kinder vor dem privaten Tönnies-Anwesen, einem Werk des Schlachtbetriebs sowie einer Kirche in Rheda-Wiedenbrück ein. Auf Schildern war etwa zu lesen „Tönnies macht Profit – unsere Kinder bezahlen den Preis“. Die Schlachtbranche im Allgemeinen und Tönnies im Speziellen waren immer wieder in die Kritik geraten. Grund dafür war der Umstand, dass viele Mitarbeiter in Schlachtbetrieben über Subfirmen beschäftigt sind. Den Unternehmen wurde immer wieder vorgeworfen, dass diese Mitarbeiter unter prekären Umständen wohnen und schlecht bezahlt werden würden.

Die Corona-Ausbrüche lassen auch den Familienstreit zwischen Robert Tönnies und seinem Onkel Clemens Tönnies neu aufflammen. Das Unternehmen gehört den beiden jeweils zur Hälfte. Wie das Handelsblatt berichtet, fordert Robert den Rücktritt seines Onkels.

Schweinepreis blieb trotz Corona-Fällen bei Tönnies stabil

Der Schweinepreis konnte sich in der Woche vom 18. Juni trotz der Corona-Fälle sowohl in Österreich als auch in Deutschland stabil halten. Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, hat an die Fairness der Schlachtunternehmen appelliert, den Corona-bedingten Anlieferungsstopp bei Tönnies nicht für eine Senkung der Schlachtschweinepreise zu missbrauchen. „Durch den Stillstand der Schlachtbänder in Rheda-Wiedenbrück gibt es einen Rückstau bei Schlachttieren“, erläuterte Krüsken. Dies sei für die Schweinemäster nicht nur ein wirtschaftliches Problem, da eigentlich schlachtreife Tiere jetzt weiter gefüttert werden müssten.

Sollte der Tönnies-Standort Rheda-Wiedenbrück als Schlachtstätte möglicherweise mehrere Wochen ausfallen, drohten auch Tierschutzprobleme, stellte Krüsken fest. Die Tiere würden dann weiter wachsen und an Gewicht zulegen, was mit einem erhöhten Platzbedarf einhergehe. „Die Land- und Ernährungswirtschaft ist systemrelevant, woraus sich auch eine Verantwortung für die Fleischwirtschaft ergibt“, betonte der DBV-Generalsekretär. Er rief die Verantwortlichen bei Tönnies dazu auf, alles zu tun, damit die Arbeit am Schlachtbetrieb in Rheda möglichst rasch wieder aufgenommen werden könne.

Nun auch dänische Schweinebranche betroffen

Die Corona-bedingte Schließung der Tönnies-Schlachtanlage in Rheda-Wiedenbrück hat auch unmittelbare Folgen für dänische Schweinehalter. Wie die zu Tönnies gehörende Tican Fesh Meat am 18. Juni bekanntgab, wird das Unternehmen bis auf weiteres keine dänischen Sauen sowie Schweine aus der Ökohaltung annehmen. Der Vorstandsvorsitzende von Tican Fresh Meat, Niels Jørgen Villesen, wies darauf hin, dass der Stopp in Abhängigkeit von den Entwicklungen in Deutschland auch länger andauern könnte.

Laut Villesen wird der Großteil der von Tican in Dänemark geschlachteten Sauen zur weiteren Verarbeitung nach Rheda-Wiedenbrück geschickt. Da dieser Weg verschlossen sei, müsse erst nach alternativen Verarbeitungsstandorten gesucht werden, bevor man neue Tiere annehmen könne, erläuterte der Vorstandschef. Nach Angaben des Unternehmens betrifft der Annahmestopp etwa 1.500 Sauen pro Woche.