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Tödliche Traktorunfälle: Die Analyse

Arbeiten im Wald gelten als unfallträchtig. Hier sind vor allem ältere Landwirte betroffen.
Quelle: Zeitungsfoto.at/Liebl Daniel

Nach einem tödlich verlaufenden Traktorunfall werfen sich viele grundlegende Fragen auf: Wer, wann, wobei und vor allem wie und warum? Antworten auf diese Fragen soll eine aktuelle Untersuchung der HBLFA Francisco Josephinum / BLT Wieselburg liefern. Dabei wurden die Unfallursachen von 24 tödlichen Traktorunfällen aus dem Jahr 2019 in Österreich ausgewertet. Aus diesen Ergebnissen können Sie lernen, um nicht selbst Opfer eines tödlichen Traktorunfalls zu werden.

Meist erwischt es den Fahrer

Die Erhebung beruht auf einer Internetrecherche über die bei Traktorunfällen 2019 in Österreich getöteten Menschen. Nicht veröffentlichte tödliche Unfälle sind nicht erfasst, ebenso auch jene Traktorfahrer, die aufgrund ihrer schweren Verletzungen erst Tage nach dem Unfall verstarben.

Bei den Unfalltoten nicht mitgezählt sind außerdem zwei ältere Traktorfahrer, die während der Fahrt einen Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod erlitten haben. Ebenso zwei ältere Landwirte, die durch laufende Maschinenteile (Streuwerk Stalldungstreuer, Kratzboden Ladewagen) erfasst und getötet wurden sowie tödlich verletzte Auto- oder Motorradfahrer, die beispielsweise bei einem Überholvorgang in einen entgegenkommenden Traktor fuhren.

Entsprechend dieser Zusammenstellung wurden bei Traktorunfällen 2019 in Österreich insgesamt 24 Menschen getötet. Bei den unter 18-Jährigen waren es zwei, bei den 18- bis 60-Jährigen dreizehn und bei den über 60-Jährigen neun Menschen, die bei Traktorunfällen getötet wurden. Von den Verstorbenen waren 23 männlichen und eine weiblichen Geschlechts.

Unter den tödlich Verletzten waren 21 Fahrer, zwei Mitfahrer und ein Helfer. Ein fünfjähriger Mitfahrer verstarb bei einer Fahrt mit einem Oldtimer, wobei der Traktor von der engen Straße abkam, über die Böschung stürzte und sich überschlug. Ein Dreizehnjähriger fuhr auf einem Trittbrett mit, stürzte dabei herunter und erlitt tödliche Kopfverletzungen. Weil der Traktor aus unbekannter Ursache ins Rutschen geriet, wurde eine Erntehelferin eingeklemmt und erdrückt.

Das Umfeld

Betrachtet man die tödlichen Traktorunfälle nach ihrem Umfeld, dann können sieben der Landwirtschaft, neun der Forstwirtschaft, drei der Innenwirtschaft und fünf der Freizeit zugeordnet werden. Zum Anteil in der Forstwirtschaft ist anzumerken, dass Güterwege und Forstwege der Nutzung entsprechend oft nur geschottert, häufig eng und im steilen Gelände sind. Fahrfehler, wie vom Weg abkommen, enden dann oft mit einem Traktorabsturz. Noch dazu sind viele der Forstwege häufig von Schnee und Eis bedeckt, die Traktoren mit Kippmulde und Seilwinde ausgestattet und die Landwirte arbeiten (vor allem in der dunklen Jahreszeit) bis in die Dämmerung hinein.

Zu den Freizeit-Unfällen ist anzumerken, dass sich zwei der tödlichen Traktorunfälle bei Ausfahrten mit Oldtimer-Traktoren ereigneten, zwei im Zusammenhang mit alten Traktoren am Wochenende außerhalb land- oder forstwirtschaftlicher Tätigkeiten und einer bei der Mitfahrt mit einem Fünfzehnjährigen auf einem asphaltierten Feldweg. Bei einem der erfassten Freizeitunfälle mit tödlichem Ausgang war der Fahrer nachweislich betrunken.

In der Forstwirtschaft trifft es meist ältere Personen, während bei Freizeit-Unfällen auch Kinder und Jugendliche getötet werden.

 

Heikle Zeit: Abende und Wochenenden

Betrachtet man den Unfallzeitpunkt, dann zeigt sich, dass die meisten tödlichen Traktorunfälle nachmittags und abends passierten. Da möchte man noch schnell das selbstgesteckte Tagesziel der Arbeit erreichen, denn für Morgen ist schon eine andere Arbeit geplant. Man wird auch schon müde und fährt unkonzentriert.

Was auch auffällt ist, dass wir insbesondere in der Altersgruppe der unter 60-Jährigen eine Häufung der tödlichen Unfälle an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen haben. Viele davon sind Nebenerwerbslandwirte oder auch Hobbylandwirte, die das Wochenende oder den Feiertag intensiv nutzen, um die Arbeit in der Land‐ und Forstwirtschaft noch schnell zu erledigen. Auch findet sich diese Gruppe verstärkt im Bereich jener, die abends verunfallen. Denn nach dem Haupterwerb wird im Nebenerwerb in der Landwirtschaft noch bis spät am Abend gearbeitet.

Gefahrenquelle Forstweg/Feldweg

Von den 24 bei Traktorunfällen 2019 in Österreich getöteten Menschen verunglückten 17 bei der Fahrt mit dem Traktor, vier bei der Arbeit mit dem Traktor und drei bei stehendem Traktor.

Von den 17 bei der Fahrt mit dem Traktor Verunfallten starben drei im Straßenverkehr, neun auf Forst- oder Feldwegen sowie fünf bei Fahrten mit dem Traktor auf abschüssigem Gelände. Zu den Toten im Straßenverkehr zählt auch der bereits erwähnte fünfjährige Mitfahrer, der bei einer Oldtimertraktor-Fahrt mit einem betrunkenen Traktorfahrer verstarb sowie ein Traktorlenker, dessen Traktor über den Fahrbahnrand stürzte und sich überschlug, weil ein Pkw-Lenker trotz eines entgegenkommenden Autos überholen wollte und dabei seitlich mit dem Traktor kollidierte. Die meisten Todesfälle ereigneten sich bei der Fahrt mit dem Traktor auf Forstwegen und Feldwegen.

Die meisten Unfälle ereigneten sich auf Forst- oder Feldwegen (gelbe Balken).

 

Bei der Arbeit mit dem Traktor wurde ein junger Fahrer beim Ziehen von Holzblochen, ein Fahrer beim Ausbringen von Stallmist, eine Person bei der Ernte im Obstgarten und ein älterer Traktorfahrer bei Grabungsarbeiten tödlich verletzt.

Bei tödlich verlaufenden Unfällen mit stehendem Traktor geriet der Traktor in abschüssigem Gelände ins Rollen oder es wurde beim Absteigen unbeabsichtigt ein Gang eingelegt, wodurch sich der Traktor in Bewegung setzte. Der Versuch des Aufspringens auf einen sich in Bewegung setzenden Traktor endet für Ältere meist tödlich. In vielen Fällen wird man vom linken Hinterrad des Traktors erfasst, überrollt und getötet.

Gurt & Kabine hätten 85 % gerettet

Bei Unfällen während der Fahrt mit dem Traktor und der Arbeit mit einem Traktor wurden 2019 in Österreich in Summe 21 Personen tödlich verletzt. Für zwei davon ist das Vorhandensein einer Schutzstruktur nicht unfallrelevant – Kabine bzw. Überrollbügel haben das tödliche Ende also nicht verhindern können. Von den verbleibenden 19 Unfalltraktoren hatten acht keine Schutzstruktur aufgebaut, elf hingegen waren mit einer Fahrerkabine ausgestattet. Somit verunfallten 42 % der Traktorlenker mit Traktoren ohne Schutzstruktur.

Aufgrund des Unfallherganges (Traktor nur zur Seite gekippt, Traktor überschlagen, Traktor mehrfach überschlagen, Traktor abgestürzt), der Fotos der verunfallten Traktoren und der langjährigen Erfahrung an der FJ / BLT Wieselburg mit der Prüfung von Traktorfahrerkabinen sowie der Analyse von Traktorunfällen wurde versucht abzuschätzen, wie weit eine Schutzstruktur und das Verwenden eines Sicherheitsgurtes Leben gerettet hätten.

Bei den 2019 Verunfallten hätten Schutzstruktur und Sicherheitsgurt in rund 85 % der Unfälle das Leben gerettet, zu 5 % hätte der Gurt wahrscheinlich das Leben gerettet und zu rund 10 % ereignete sich ein Traktorabsturz von 30 m und mehr, mitunter in steinigem Gelände, der wohl auch mit Fahrerkabine und Gurt tödlich verlaufen wäre. Mit viel Glück hätten aber auch hier die Fahrer aber auch überleben können. Das zeigen sehr schwere Traktorunfälle (Traktor mit Fahrerkabine, Fahrer angegurtet) mit einem Absturz von 80 m und mehrfachem Überschlag, die nicht tödlich ausgegangen sind.

 

Im nächsten Teil dieser Serie erfahren Sie, wie Sie einen Traktorunfall verhindern können, der mitunter auch tödlich enden kann.