RindRinderhaltungSo gelingt die Koppelweide

So gelingt die Koppelweide

Quelle: Vetta

Bei der Koppelweide wird die gesamte Weidefläche in etwa gleich große Koppeln unterteilt.
Diese werden – eine nach der anderen – während einer relativ kurzen Besatzzeit beweidet.
Rinder grasen nicht gerne in Stoppeln hinein.
Achten Sie darauf, dass am letzten Tag die Koppelweide tiefer als 5 cm abgegrast ist. Damit bleiben die Stoppeln kurz und die Rinder nutzen bei der nächsten Rotation das aufgewachsene Weidefutter gut aus.

Aufwuchshöhe entscheidet

Wenn das Weidefutter wieder hoch aufgewachsen ist, wird die Koppel neuerlich bestoßen.
Bei Milchkühen geschieht dies bei 8 bis 15 cm Wuchshöhe, in der Aufzucht und Mast können die Pflanzen auch höher sein (15 bis 25 cm). Achten Sie darauf, dass die Tiere bei jeder Rotation bei gleicher Wuchshöhe in die Koppel zurückkommen. Damit verlängert sich im Weideverlauf, auf Grund des abnehmenden Futterzuwachses, die für die Pflanzen notwendige Weideruhezeit automatisch. Im Jahresverlauf benötigen Sie daher auch mehr Koppeln (mehr Weidefläche). Achten Sie im Frühling auf ein frühes Überweiden aller Koppeln und einen langsamen Einstieg in das Koppelsystem. Hier können Sie auch gleitend von Kurzrasen-auf Koppelweide umstellen.

• Streben Sie mit Milchkühen eine Besatzdauer von maximal zwei bis vier Tagen je Koppel an.

• In der Aufzucht bzw. in der extensiveren Rinderhaltung sollte die Besatzdauer je Koppel nicht wesentlich über sieben Tage hinausgehen. Nur dann werden die Neuaustriebe nicht gleich wieder gefressen.

• Spezialisierte Weidebetriebe portionieren die Flächen innerhalb der Koppel und erreichen so eine hohe und gleichmäßige Futteraufnahme und Futterqualität.

• Koppelweidesysteme mit zwei Tiergruppen sind effizient. Die hochleistenden Tiere grasen das beste Futter voraus ab (z.B. zwei Tage). Dann grasen die niedrigleistenden Tiere hinterher und lassen einen tief abgegrasten
Pflanzenbestand in die folgende Weideruhe gehen.

Mähen möglich

Wenn Reinigungsschnitte nötig sind, müssen Sie die Koppel gleich nach dem Verlassen der Tiere mähen. Dabei wird das Mähwerk möglichst tief eingestellt. Große Mengen an Restfutter sollten Sie abführen und kompostieren.
Bei gutem Futterzuwachs kann eine Zwischenernte einzelner Koppeln als Heu, oder bei sauberem Bestand auch als Silage, nötig sein.
Wird bewusst zwischen Weide und Schnittnutzung gewechselt, können Flächen nach der Beweidung, zur Verteilung der Kotfladen, abgeschleppt werden. Weideprofis, zum Beispiel in Irland, mähen von Mai bis Juni die Koppeln
portionsweise vor und lassen dann gleich die Rinder zum Fressen in die abgemähten Koppelbereiche hinein. Damit wird die höchste Futterausnutzung erreicht und das Gras zur Blätter- und nicht zur Stängelbildung angeregt.

Futtervorrat beobachten

Zur Kontrolle des Futtervorrates bei intensiver Koppelwirtschaft messen spezialisierte Milchviehbetriebe die Aufwuchshöhe wöchentlich.
Mithilfe eines Formulars lässt sich der aktuelle Futtervorrat berechnen bzw. grafisch ein Futtervorratskeil darstellen (Abb. 2).

• Zeigen die Ergebnisse einen zukünftigen Futterberg an, dann werden einzelne Koppeln zeitgerecht nicht beweidet und gemäht. Damit wird verhindert, dass überständige Weidebestände auftreten.

• Weisen die Ergebnisse auf einen zukünftigen Futtermangel hin, müssen Sie die Koppelweidefläche erweitern bzw. die Zufütterungsmenge erhöhen.

Vor- und Nachteile des Koppelsystems

Die Vorteile der Koppelweide liegen in der guten Steuerbarkeit des Futterangebots durch die Anpassung der Parzellengröße und die Dauer des Umtriebs, beziehungsweise der Anzahl der beweideten Koppeln. Bei Trockenheit
sind Koppelweiden weniger empfindlich (Bodenbeschattung).
Auch eine Düngung in der Vegetationsperiode ist möglich. Vor allem bei ungünstiger Weidestruktur (hügelig, Steilflächen) ist eine gesteuerte Beweidung und eine gute Verteilung der Kühe auf der Weidefläche leicht durchführbar. Die Koppelwirtschaft ist gut mit der üblichen Portionsweidehaltung kombinierbar. Die Koppelweide ist vor allem unter ungünstigeren Weidebedingungen (z.B. hügeliges Gelände, Trockenheit) ertragsstabiler.
Nachteilig ist das höhere Risiko für Trittschäden. Vor allem am ersten Bestoßungstag, bei kleereichen Beständen und bei hastigem Fressen ist ein Blährisiko gegeben. Es muss besonderes Augenmerk auf eine gleichmäßige Futterqualität gelegt werden. Obwohl auch bei diesem Weidesystem eine hohe Nutzungsfrequenz gegeben ist, ist die Bestockung des Grases weniger stark ausgebildet und damit die Narbendichte geringer. Der Material- und
Arbeitsaufwand (Wasser, Zaun, Vorstecken, Triebwege, Eintriebstellen etc.) ist höher als bei Kurzrasenweide.

Priv.-Doz. Dr. Andreas Steinwidder forscht am Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein in
Irdning, Steiermark.

LANDWIRT Tipp:

Hier finden Sie Excel-Formulare zur Grobplanung des Weideflächenbedarfs und der Koppelanzahl auf der Homepage der HBLFA Raumberg-Gumpenstein gratis zum Herunterladen.