LandtechnikGülle-/Wirtschaftsdünger-TechnikSelbst gebaut: Profi-Schleppschlauch für „kleines“ Geld

Selbst gebaut: Profi-Schleppschlauch für „kleines“ Geld

Anakonda 9000 haben Matthäus und Thomas Gollackner ihren selbst gebauten Schleppschlauch-Verteiler getauft.
Quelle: Weninger

Als Multitalente kann man sie getrost bezeichnen. Matthäus und Thomas Gollackner aus Eugendorf in Salzburg führen einen land- und forstwirtschaftlichen Lohnbetrieb (die Agrarservice Gollackner GmbH), sie betreiben eine Biogasanlage mit Einspeisung ins Erdgasnetz, eine „Börse“ für Wirtschaftsdünger, einen Sondermaschinenbau und einiges mehr. Während Thomas der Herr in der Werkstatt ist, übernimmt Matthäus die Aufgaben rund um Kunden-Abrechnung, Mitarbeiter-Einteilung sowie die Elektrotechnik und Programmierung. Beste Voraussetzungen also, um sich selbst die eine oder andere Maschine zu bauen oder umzubauen.

„Markenware“: Gut oder günstig?

In ihrem Lohnunternehmen hatten die beiden Brüder Bedarf an einem leichten, aber professionellen Schleppschlauch-Verteiler für eines der eigenen Güllefässer, ein 10 m³ großes Kirchner-Fass. Auch dieses haben sie übrigens optimiert: mit selbst (um)gebauter Knickdeichsel, Unterfahrschutz, Radhäusern und vielem mehr. „Wir haben bei mehreren namhaften Herstellern angefragt. Die Preise für ein Schleppschlauch-Gestänge hätten sich bei ca. 36.000 Euro inkl. MwSt. ohne Montage bewegt. Günstigere Verteiler haben weder ein aktives Schneidwerk, noch eine elektrohydraulische Bedienung – beides war uns jedoch wichtig“, erklärt Matthäus Gollackner. Die Kombination aus gewünschter Ausstattung und günstigem Preis veranlasste ihn und seinen Bruder dazu, selbst einen eigenen Verteiler zu entwickeln und zu bauen. Ein Mitarbeiter hat den Verteiler nach den Vorgaben und Erfahrungen der Gollackners mittels CAD-Programm konstruiert.

Matthäus (l.) und Thomas Gollackner führen ein Lohnunternehmen und haben reichlich Erfahrung im Maschinenbau.
Quelle: Weninger

Ein Name dafür war schnell gefunden: Anakonda 9000, inspiriert von den dicken Gülle-Schläuchen zum Fass füllen. „Der leichte Verteiler mit 9 m Arbeitsbreite ist speziell für kleinere Fässer zum Nachrüsten geeignet und mit sämtlichen Funktionen ausgestattet wie die Profiversionen der großen Hersteller“, erklärt Thomas. Dazu zählt eine elektrohydraulische Bedienung mittels Joystick sowie einer automatischen Folgesteuerung für das Wenden am Feldrand sowie das Klappen. „Wir programmieren die Steuerung selber und sind daher sehr flexibel“, ergänzt Matthäus.

Mit diesem serienmäßig mitgelieferten Joystick wird der Schleppschlauch-Verteiler (folge)gesteuert.
Quelle: Weninger

Komfort-Bedienung ohne Fehler

Die Brüder wollen ihren Verteiler nämlich auch in größerer Stückzahl bauen und vertreiben und so auch anderen Landwirten zugänglich machen. Bei der Konstruktion legten sie viel Wert auf eine gewichtsparende und einfache Bauweise. Außerdem sollte das Gestänge einfach zu montieren oder abzubauen und zu bedienen sein. Das Anakonda-Gestänge ist serienmäßig mit einem Vogelsang Exacut-Verteiler ausgestattet. Es wird mit Arbeitsbreiten von 6 bis 12 m erhältlich sein. Das Gewicht variiert dann je nach Ausführung zwischen 400 bis 700 kg. Stichwort Ausführung: Der von uns besichtigte, 480 kg leichte Anakonda 9000 war mit einem Hubgerüst sowie größeren Schlauchabständen von 37,5 cm versehen, um die Gülle in Maisbeständen auszubringen. In dieser Variante sind 24 Abgänge enthalten. Für sonstiges Ackerland und Grünland ist der Anakonda 9000 mit 40 Schleppschläuchen ausgestattet, was einem Abstand von 22,5 cm entspricht. Eingeklappt ist der Verteiler 2,50 m breit und 3,25 m lang. Die Stahlrohr-Konstruktion ist übrigens vollverzinkt, die Blechteile sind lasergeschnitten und gekantet.

Dieser Anakonda 9000-Verteiler ist mit Hubgerüst und weiten Schlauchabständen für die Maisdüngung ausgerüstet. Serie ist der Vogelsang Exacut-Verteiler.
Quelle: Weninger

Für die nachgerüstete Bordhydraulik am Fass – einem elektrohydraulischen Block – sind am Traktor ein Steuergerät und ein druckloser Rücklauf sowie eine Hydraulikleistung von mindestens 60 l/min nötig – hauptsächlich wegen dem Exacut-Verteiler. Damit es beim Ein- und Ausklappen sowie beim Wenden am Feldrand nicht zu einer Fehlbedienung kommt, sind die Hydraulik-Funktionen des Anakonda-Verteilers serienmäßig mit einer Folgesteuerung programmiert. Induktive Sensoren überwachen die Abläufe. So ermöglicht am Vorgewende ein Knopfdruck am Joystick automatisch und nacheinander das Hochschwenken und Absenken der Schleppschläuche sowie das Schließen und Öffnen der Schieber.

Auch Sonderwünsche möglich

Welche Vorteile bietet der Anakonda-Schleppschlauch-Verteiler also? „Er ist eine kostengünstige Nachrüstlösung für bestehende Fässer. Namhafte Hersteller wollen meist nicht nur einen Verteiler, sondern gleich ein ganzes Fass dazu verkaufen“, erklären die Gollackner-Brüder. Die 9 m breite Version kostet laut Liste ohne Montage 28.500 Euro inkl. 20 % MwSt. Die Gollackners passen ihre Erfindung individuell an das bestehende Fass an. So sind auch Sonderanfertigungen möglich, wie etwa ein Saugarm, ein Turbobefüller, eine hydraulische Knickdeichsel und vieles mehr. Auch die Koppelpunkte am Fass werden bei Bedarf angepasst oder extra angefertigt. „Und die Vorteile einer bodennahen Gülleausbringung sind ohnehin bekannt“, ergänzt Matthäus Gollackner abschließend.

Hier sehen Sie noch weitere Fotos zum Schleppschlauch-Verteiler Gollackner Anakonda 9000: