BioBio-BauernRinder natürlich heilen

Rinder natürlich heilen

Foto: Vetta

Irgendetwas ist heute anders. Markus Burböck möchte Kuh Helga melken. Das Rind weicht jedoch ständig zurück, schlägt mit den Beinen und lässt sich auch unter größter Anstrengung nicht das Euter reinigen. Helga hat augenscheinlich große Schmerzen. Der Jungbauer redet dem Rind gut zu und streicht der Kuh vorsichtig über das Euter. Da erblickt er den Grund für das unruhige Verhalten: Die Kuh hat sich verletzt, ein Viertel blutet. Ein Teil der Zitze ist draußen auf der Weide verblieben und hängt nun am Stacheldrahtzaun.

Burböck weiß, das Viertel muss versorgt werden. Zitzenverletzungen können nur genäht werden, wenn es sich um gerade Schnitte handelt. Im Fall von Kuh Helga fehlt aber ein großer Hautteil. Es ist notwendig, das Viertel trockenzustellen und die Verletzung zu verbinden. Der Landwirt hat in der Vergangenheit immer wieder gute Erfahrungen mit der Wirkung von Heilpflanzen gemacht. Er reinigt daher die Zitze mit einer Tinktur aus Ringelblumen, die eine wundheilende Wirkung hat.

Wundtinktur herstellen

Ringelblumenblüten sind Korbblütler und werden mitsamt des Blütenkorbes vormittags, bevor die Sonne allzu stark ist, gesammelt. Die Pflanze sollte sauber und bereits abgetrocknet sein. Die Ringelblumenblüten werden in kleine Teile gezupft und auf einem Blech aufgebreitet. Korbblütler beheimaten Käfer und Würmer, die nicht in der Tinktur landen sollten. Werden die Blüten zerzupft, verlässt ein Großteil der Insekten die Pflanze. Die Blüten werden einige Stunden lang angewelkt und anschließend etwa bis zur Hälfte in ein verschließbares Glas gefüllt. Das Glas wird mit 60- bis 80-prozentigem Alkohol aufgefüllt, bis alle Blüten bedeckt sind. Danach wird das Glas geschlossen und an einen schattigen warmen Platz gestellt. Die Wundtinktur kann auch mit weiteren Pflanzen ergänzt werden. Kamille, Arnika, Gänseblümchen, Scharfgarbe sowie Johanniskraut, Tymianzweige, Salbei- und Spitzwegerichblätter bieten sich dafür an.

Das Glas wird etwa bis zur Hälfte mit Blüten gefüllt und mit 60- bis 80-prozentigem Alkohol aufgefüllt. Foto: Vetta

In den darauffolgenden acht Tagen muss das Glas jeden Tag einige Minuten lang bewegt werden. Dadurch entsteht ein guter Kontakt zwischen Alkohol Schnaps und Droge. Danach wird die Flüssigkeit mit einem feinen Teesieb abgeseiht, damit keine Kleinteile in die Tinktur gelangen. Die fertige Tinktur wird in eine dunkle Flasche gefüllt. Haben Sie keine dunklen Flaschen zur Hand, reicht es, wenn Sie Alufolie bzw. Papier um die Flasche wickeln. Am Schluss wird auf der Flasche noch der Inhalt, das Abfülldatum sowie der Alkoholgehalt vermerkt. Von nun an ist die Tinktur ca. zwei Jahre lang haltbar.

Zitzen mit Honig verbinden

Tinkturen werden hochprozentig angesetzt, aber verdünnt eingesetzt. Bei dicker Haut wird die Tinktur 1 : 5 bzw. 1 : 10 verdünnt. Dünne Haut wie die von Kindern oder eben Zitzen wird stark verdünnt (1 : 20) behandelt. Bauer Burböck nimmt einen leeren Joghurtbecher und füllt ihn mit 5 ml Tinktur und 100 ml warmem Leitungswasser auf. Danach taucht er die Zitze einige Minuten in das Gemisch. Da der Bauer die Zitze nicht berührt, lässt Kuh Herta die Behandlung ruhig über sich ergehen. Von nun an wird er das einige Tage lang am Morgen und am Abend machen. Die Tinktur bereitet er dafür immer frisch zu. Abschließend verbindet Burböck die frische Wunde mit einem Honigverband. Dafür benötigt er lediglich einen Tupfer, den er mit Honig beschmiert. Durch den hohen Zuckergehalt und andere Inhaltsstoffe wirkt Honig antibakteriell und verbessert die Wundheilung. Grundsätzlich sind alle Honigarten für frische Wunden geeignet, es hat sich aber gezeigt, dass Kastanienhonig dabei die beste Wirkung erzielt. Der Verband klebt leicht an der Zitze. Eine Woche lang sollte der Verband einmal pro Tag gewechselt werden.

Ein Honigverband wirkt antibakteriell und verbessert die Wundheilung. Foto: Vetta

Nach einigen Tagen hat sich eine Kruste über der Verletzung gebildet. Allerdings ist darunter deutlich eine Entzündung zu sehen – die Wunde eitert. Burböck möchte die Blessur weiterhin pflegen. Dafür bieten sich Fencheltee-Kompressen an. Fenchel wirkt ebenfalls antibakteriell und unterstützt dadurch die Wundheilung.

Heiltee zubereiten

Fenchel wächst am besten an sonnigen Standorten im Garten. Von Juni bis September können die Samen geerntet werden. Für die Teezubereitung werden die Samen mit einem Mörser zu Pulver zerkleinert, dadurch entfalten sich die Wirkstoffe besser. Zum eigentlichen Teekochen werden zwei Gefäße benötigt: Im ersten Gefäß wird das Wasser gekocht, im zweiten Gefäß befinden sich die Samen. Für einen Liter Wasser benötigt man acht bis zehn Teelöffel Fenchelsamen. Aufgegossen wird mit kochendem Wasser, die Ziehzeit beträgt zwischen fünf und zehn Minuten. Da die ätherischen Öle flüchtig sind, ist es wichtig, das Gefäß mit einem Deckel zu verschließen. Lassen Sie beim Öffnen des Deckels das Kondensat zurück in das Gefäß laufen und seihen Sie den Tee ab.

Nach dem Abkühlen taucht Burböck ein sauberes Tüchlein in den Fencheltee und tupft die Zitzenhaut damit ab. Wenn der oder die zu Behandelnde es zulässt, können alternativ auch Kompressen auf die Wunde aufgebracht werden. Eine Wunde braucht etwas Feuchtigkeit, um heilen zu können – Tee ist dafür optimal.

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