LandtechnikBergtechnikReform Metrac H75, die neue Generation

Reform Metrac H75, die neue Generation

Mit dem 75 PS starken Metrac H75 startet Reform in eine neue Generation.
Quelle: Paar

Mit dem Mittelklasse-Zweiachsgeräteträger Metrac H75 leitet Reform den Generationswechsel ein. Obwohl es sich um eine neu entwickelte Kabine handelt, sieht er von außen seinem Vorgänger ähnlich. Auffallend ist der schwarze Kabinenrahmen, die neue Dachhaut, die jetzt auch den Schriftzug der geänderten Typenbezeichnung trägt, die Vollglastüre und der nach oben geführte Auspuff.

Der echte Generationswechsel wird erst sichtbar, wenn man die Kabinentür öffnet. Statt mechanischer Hebel und zahlreicher Kippschalter stechen einem im neuen Cockpit eine Bedienarmlehne und gleich mehrere Displays ins Auge. Auch unter der Motorhaube wird der Generationswechsel durch einen neuen Hersteller sichtbar. Den H75 gibt es in zwei Ausstattungsvarianten: Standard und Pro. Aber nun der Reihe nach…

Ein moderner, übersichtlicher Arbeitsplatz mit komfortabler Armlehnenbedienung.
Quelle: Paar

Entkoppelte Kabine

Die Kabine sitzt auf vier Hydrolagern, die sich im Maschinenbau zur Schwingungs- und Körperschallisolierung bewährt haben. Es gibt im Gegensatz zu den Vorgängermodellen nur mehr wenige mechanische Verbindungen zwischen Fahrgestell und Kabine: zwei Seilzughebel für die Vorwahl der Zapfwellendrehzahl und des Untersetzungsgetriebes links vom Fahrersitz. Laut Hersteller wurde ein Schallpegel von nur 78 dB(A) gemessen. Bei den Vorgängern haben wir bei diversen Praxistests meist Werte deutlich über 80 dB(A) gemessen. Die Front- und Seitenscheiben sind bei der neuen Kabine verklebt. Im Heck gibt es erstmals optional neben dem bisherigen Schiebefenster auch eine ausstellbare Scheibe. Die weit öffnende Kabinentüre ist vollflächig aus Glas. Auf Wunsch kann man sie auch mit einem Schiebefenster ordern.
Neu ist auch das Lüftungs- bzw. Klimakonzept: Bisher strömte je nach Bedarf kalte Luft von oben und warme Luft von unten in die Kabine. Beim neuen Metrac strömt aus allen Düsen „Mischluft“. Die Standard-Variante verfügt über eine mechanische Klimaanlage, bei der Pro-Variante ist sie automatisiert.

Reform startet mit einem neuen Motorhersteller in die neue Metrac-Generation: Der Perkins 4-Zylinder leistet 75 PS bei 2.200 U/min.
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Perkins statt VM

Reform wechselt für die neue Metrac-Generation sogar den Motorenhersteller. Statt des bisherigen VM-Motors dieselt nun ein 4-Zylinder von Perkins mit einem Hubraum von 2,8 Litern unter der Haube. Er leistet 55,2 kW/75 PS bei 2.200 Motorumdrehungen. Die um 400 U/min reduzierte Nenndrehzahl gegenüber dem VM-Motor trägt ebenso zur Geräuschreduktion bei und lässt einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch erwarten. Weiters sollten sich auch der Eco-Modus – wenn weniger Leistung benötigt wird – und die Grenzlastregelung im Zusammenwirken mit dem elektronisch geregelten Hydrostaten auf die Wirtschaftlichkeit positiv auswirken.
Die Abgasstufe 5 wird mittels Dieselpartikelfilter (DPF), Dieseloxidationskatalysator (DOC) und einer gekühlten integrierten Abgasrückführung erreicht. Der Kraftstofftank im Heck fasst 90 Liter Diesel.

Die seitlich angebrachten Kühler lassen sich wegklappen und ermöglichen so einen guten Zugang zu allen Antriebskomponenten.
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Öffnet man die nach hinten klappende Motorhaube und die Seitenverkleidung des Kühlers, sind Motor und Kühler gut zugänglich. Klappt man zudem den hydraulisch angetriebenen Kühler zur Seite, ist auch das Getriebe mit dem Hydrostaten frei zugänglich. Die Umkehrfunktion des Lüfters ist serienmäßig. Bei der Standard-Version erfolgt das in einem fix vorgegebenen Intervall, bei der Pro-Ausführung ist der Intervall individuell programmierbar.

Elektronisch gesteuerter Hydrostat

Der hydrostatische Fahrantrieb hat zwei Geschwindigkeitsstufen und zwei Geländeuntersetzungen. Der Geschwindigkeitsbereich für das Gelände erstreckt sich von 0 bis 15 km/h und für die Straße von 0 bis 40 km/h.
Der mechanisch geregelte Hydrostat ist im neuen Metrac Geschichte. Der Hydrostat wird jetzt elektronisch geregelt und bietet dadurch viele neue Möglichkeiten: Inch-Einrichtung, Fuß- oder Handfahrmodus, elektronische Wendeschaltung, Grenzlastregelung und Tempomatfunktionen. Dieses System wird durch eine elektrohydraulische Federspeicherbremse mit einer Auto-Hold-Funktion ergänzt. In Summe betrachtet: eine deutliche Komfortsteigerung gegenüber dem Vorgängermodell.
Die Lamellenkupplung für den Zapfwellenantrieb wird elektrohydraulisch betätigt und läuft langsam an. Wie bei Reform üblich, dreht die Zapfwelle mit Blick auf den Stummel vorne nach links und hinten nach rechts.

Hydraulik und Lenkung

Beim Fahrwerk und den Lenkungsarten setzt Reform auf Bewährtes und hat Kleinigkeiten verändert.

Alles im Blickfeld: Die Anzahl der Displays ist vom Ausstattungsumfang abhängig.
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Bei der Hydraulik leistet die serienmäßige Konstantpumpe mit einer Förderleistung von 29,2 l/min geringfügig mehr als der Vorgänger. Neu als Option ist eine leistungsfähige Verstellpumpe mit 52 l/min. Die Hubkräfte vorne und hinten gibt der Hersteller wie bisher mit 1.500 kg an. Der vordere und hintere Anbauraum mit dem integrierten Seitenverschub von 400 mm ist von den bisherigen Metracs bekannt. Verbessert wurden laut Hersteller die serienmäßige Geräteentlastung und die Schwingungsdämpfung an Front- und Heckhubwerk. Neu ist auch, dass sich nicht nur die Hubwerke von außen betätigen lassen, sondern auch jeweils ein Hydrauliksteuergerät.

Der Multifunktions-Joystick vereint alle Funktionen für die Steuerung der Anbaugeräte sowie für den Fahrantrieb.
Quelle: Paar

Das serienmäßige Allrad-Lenksystem bietet Front-, Heck-, Allrad- und Hundeganglenkung sowie die versetzte Allradlenkung. Die Lenkungsarten lassen sich per Knopfdruck auch während der Fahrt umschalten.

Neues Bedienkonzept

Das Herzstück dieser neuen Generation ist das neue Bedienkonzept. Es besteht aus einer ergonomisch geformten Armlehne mit einem Multifunktions-Joystick, einem zentralen Controller – den Reform „R-Com“ nennt – und je nach Ausstattungsumfang mehreren Displays.
Die fix mit dem Fahrersitz verbundene Bedienarmlehne ist längs- und neigungsverstellbar. Neben dem Multifunktions-Joystick trägt sie Schalter und Knöpfe für die Parkbremse, Differenzialsperren sowie Hubwerk- und Hydraulikfunktionen. Über den R-Com-Controller wird die gesamte Fahrzeugsteuerung wie z.B. die Schwingungsdämpfung, Geräteentlastung, Handgasverstellung sowie die Umschal
tung zwischen Hand- und Fußfahrmodus bedient.
Der Multifunktions-Joystick vereint alle Funktionen für die Steuerung der Anbaugeräte sowie für den Fahrantrieb. Der R-Com-Controller besteht aus einem Dreh-Drückregler, Speichertasten und weiteren Tasten, mit denen man sich durch die Menüs des Zentral- und Zusatzdisplays navigieren kann. Die StandardVersion hat serienmäßig nur das zentrale Display mit analogen und digitalen Anzeigen sowie zahlreichen Kontrollleuchten. Rechts im Armaturenbrett wurde Platz geschaffen für vier optional wählbare Entertainment-Systeme mit verschiedenen Radio- und anderen Audiofunktionen. Über dem Armaturenbrett befand sich in der von uns gefahrenen Pro-Variante ein Zusatzdisplay. Darin lassen sich für den Fahrer diverse Fahrzeugfunktionen personalisieren.

Fahrgestell, Chassis und Anbauräume ähneln den Vorgängermodellen.
Quelle: Paar

Zudem zeigt es Hydraulikfunktionen, Fahrzeug- und Klimaeinstellungen sowie Warnmeldungen an.

Unsere ersten Fahreindrücke

Der H75 eignet sich vorrangig für die schlagkräftige Eigenmechanisierung. Da unsere Vorführmaschine noch eine Vorserienmaschine war, könnten sich bis zum Serienstart im Jänner 2021 noch Kleinigkeiten verändern. Der H75 ist eine sehr kompakte und leichte Maschine, die alle Anforderungen eines Zweiachsgeräteträgers für das Gelände erfüllt. Der kurz gebaute Vorderwagen hat Vor- und Nachteile: Das Gewicht des Anbaugerätes ist nahe an der Achse und verbessert die Geländegängigkeit. Für kleine Fahrer sind aber beim Geräteanbau die Unterlenkerfanghaken schwer einsehbar. Ähnlich ist es uns beim Heckanbau ergangen. Die hohen Vorderradkotflügel behindern die Sicht auf die Räder – sie sind aber der bis zu 15° pendelbaren Vorderachse geschuldet, die für eine gute Bodenanpassung sorgt. Das über dem Armaturenträger angebrachte Zusatzterminal bei der Pro-Version kann die Sicht auf die rechte Außenkante des Anbaugerätes einschränken. Durch die flexible Displayhalterung lässt sich jedoch eine Position finden, die passt.
Beeindruckt hat uns der deutliche Komfortgewinn. Das gilt nicht nur für das Fahren und die Bedienung, sondern auch für die Zugänglichkeit aller Antriebskomponenten für Wartungs- und Servicearbeiten an der linken Maschinenseite. Ob auf der Armlehne alle Knöpfe an der richtigen Stelle sitzen, wird die Praxis zeigen. Auch die Gewichtsverteilung mit verschiedenen Anbaugeräten ist ein wichtiges Thema, das wir hoffentlich schon bald in einem umfangreichen Praxistest ergründen können. Vermutlich befinden sich bei Reform weitere Modelle der neuen Metrac-Generation
in der Pipeline.
Zu guter Letzt der Preis: Der Metrac H75 kostet laut Preisliste in Serienausstattung 116.160 Euro inkl. MwSt. Für die Pro-Ausstattung muss man nochmals 12.000 Euro drauflegen.