MarktMilchmarktPreise tendierten im April weiter nach unten

Preise tendierten im April weiter nach unten

Österreichische Milchbauern erhielten im April im Schnitt 37,11 Cent/kg netto.
Quelle: Auinger

Im Vergleich zum Vormonat entspricht dieser Auszahlungspreis einem Minus von 0,71 Cent, die Vorjahreslinie wurde gleichzeitig um 0,85 Cent unterschritten. Dies geht aus der jüngsten Preiserhebung des niederländischen Landwirteverbandes LTO hervor. Zum Vergleich: In Österreich blieben die Erzeugermilchpreise im April 2020 noch stabil, im Schnitt wurden 37,11 Cent/kg netto gezahlt (bei 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß).

Der LTO-Durchschnittswert wird bekanntlich monatlich auf Basis der Auszahlungsleistungen von 16 marktführenden Milchverarbeitern in Nord- und Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß errechnet. Der Durchschnittspreis beruht auf einer jährlichen Anlieferung von 1 Mio. kg. Neu aufgenommen wurde in diesen Preisvergleich die zweitgrößte spanische Molkerei, Capsa Food. Damit soll künftig auch die Preisentwicklung in Südeuropa einbezogen werden.

Größter Rückgang in den USA

Aus dem LTO-Preisvergleich geht hervor, dass im April 2020 mehr als die Hälfte der erfassten EU-Molkereien ihre Auszahlungen an die Lieferanten verringert haben. Fünf Verarbeiter ließen ihre Erzeugerpreise unverändert. Der stärkste Rückgang des Erzeugermilchpreises erfolgte im April allerdings nicht in Europa, sondern in den USA, wo laut LTO der Basispreis für Rohmilch der Klasse III um knapp 7 Cent gesenkt wurde. Die US-Milchpreise hatten im Jahr 2019 deutlich zugelegt und die Marke von 45 Cent übertroffen. Im Zuge der Corona-Krise sind sie jetzt wieder auf ein niedriges Niveau (29,80 Cent je kg) gesunken. Der neuseeländische Molkereiriese Fonterra hat im Berichtsmonat eine leichte Verringerung auf umgerechnet rund 31 Cent gemeldet.

Vor allem aufgrund der Corona-Krise und infolge saisonaler Schwankungen dürfte es laut LTO-Schätzungen im Mai 2020 zu einem weiteren Rückgang der Erzeugermilchpreise in der EU gekommen sein. Die niederländische Molkerei FrieslandCampina (-1,9 Cent), der dänische Molkereiriese Arla (-1,2 Cent) und der deutsche Marktführer DMK (-1,6 Cent) haben jedenfalls für Mai 2020 bereits eine Preisreduktion gemeldet. Für Juni kündigt FrieslandCampina ein weiteres Minus von 0,5 Cent an. Auch Arla reduziert den Basispreis im Juni um 1 Cent, diese Verringerung soll aber durch einen neuen Klimabonus von 1 Cent kompensiert werden.

Unterschiedliche Milchanlieferung

Die weitere Milchpreisentwicklung hängt nach Ansicht der LTO-Experten davon ab, wie sehr und wie lange die Auswirkungen der Corona-Krise direkt und indirekt auf dem Markt spürbar sind und wie das globale Milchangebot an diese Situation angepasst werden kann.

In der EU lag die Milchanlieferung von Jänner bis März 2020 um 2,8 % über dem Vorjahresniveau (schaltjahrbereinigt +1,7 %), allein im März wurde ein Plus von 1,6 % verzeichnet. In den USA wurde in den ersten drei Monaten dieses Jahres ein Zuwachs von 2,9 % gemeldet. In Australien hat sich die Produktion nach dem starken Einbruch im zweiten Halbjahr 2019 weiter erholt, im März 2020 wurde das Vorjahresniveau um 7 % übertroffen. In Neuseeland lag die Anlieferung im März um 1,9 % unter dem Vorjahresniveau und in Argentinien um 6 % darüber. In Summe verzeichneten die großen Milchexporteure inklusive der EU im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum eine Produktionssteigerung von 2,5 %, was das Angebot am Weltmarkt spürbar erhöht.