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Pöttinger Press-Wickelkombination Impress mit Mantelfolie

Die optionale Folienbindung hat in unserem Test einwandfrei funktioniert.
Quelle: Paar

Mit Mantelfolie gebundene Ballen verursachen Mehrkosten. Diesen stehen geringere Futterverluste und/oder eine höhere Futterqualität sowie ein einfacheres Handling beim Auspacken gegenüber. Die Mantelfolie hat in manchen Regionen einen wahren Boom ausgelöst. Daher erweitert auch Pöttinger die Zubehörliste um diese Bindungsart. Sie ist ab sofort bei allen Press-Wickelkombinationen verfügbar.

Wir haben sie mit der großen Kombi 185 VC Pro getestet. Mit der Vorstellung an der Agritechnica 2019 erhielt dieses jüngste Modell in der Produktfamilie ein paar weitere Verbesserungen, die wir ebenfalls erstmals testen konnten.

Nur Netz oder Folie

Die Folienbindung der Pöttinger Impress 185 VC Pro erwies sich in unserem Test als äußerst zuverlässig.
Quelle: Paar

Für die Erweiterung auf Folienbindung musste Pöttinger die Bindeeinheit überarbeiten. Es lässt sich immer nur eine Rolle einspannen. Das heißt, man muss sich für Netz oder Folie entscheiden. Beim Wechsel muss die eine Rolle aus- und die andere eingespannt werden. Auf die Frage unserer Testfahrer nach einer DoppelrollenBindung für Netz und Folie mit Wechsel über das Terminal antwortete ein Mitarbeiter von Pöttinger: „Das gibt es nicht.“ Dass so eine Variante aber der logische nächste Schritt sein könnte, dementierte Pöttinger nicht.
Leider lässt sich die Folienbindung bei bestehenden Maschinen nicht nachrüsten. Die von uns getestete Maschine war eine der ersten Serienmaschinen. Mit einer Kleinserie von rund 20 Maschinen startete Pöttinger in diese Saison. Ab sofort ist sie aber für alle Press-Wickelkombis voll verfügbar.

Binden mit „Zopfsystem“

Eine neu entwickelte, hydraulisch gebremste Rollenbremse sorgt für eine konstante Vorspannkraft. Das Einlegen der Netz- oder ManFolienbindeeinheit Die optionale Folienbindung hat in unserem Test einwandfrei funktioniert. Pöttinger setzt auf das „Zopfbindesystem“, bei dem die Folie vor dem Abschlagen gebündelt und erst nach der Zufuhr in die Ballenkammer breitgezogen wird. Mitpendelndes Prallblech Aufrollbare Ablageplane telfolienrolle ist einfach. Es können Folienrollen mit einem Durchmesser von bis zu 31 cm und einer Breite von 142 cm eingesetzt werden. Unter beiden seitlichen Schutzklappen ist Platz für eine Reserverolle. „Für einen langen Arbeitstag könnte es durchaus um eine Rolle mehr sein“, meinen unsere beiden Tester. Die schweren Rollen lassen sich in angenehmer Höhe einfach über die Schulter auf die Bindeeinheit schieben. Eine Gleitrolle erleichtert diesen Vorgang. Die Folienrolle liegt dann frei im Halter und wird mittels einer Andruckrolle gehalten. Zum Einfädeln in die Bindeeinheit zieht man ein Stück der Folie zu einem Zopf zusammen und fädelt es durch die Walzeneinheit.

Diese aufrollbare Ablageplane schützt die Folie vor Verletzungen beim Ablegen des Ballens auf harten Stoppeln.
Quelle: Paar

Der Bindevorgang funktionierte hervorragend. Pöttinger arbeitet, wie auch einige andere Hersteller, mit einem „Zopfsystem“. Das bedeutet, dass die Folie nach dem Bindevorgang bzw. vor dem Abschlagen zu einem Zopf gebündelt wird. Beim nächsten Bindevorgang wird der Folienzopf erneut der Ballenkammer zugeführt und breitet sich dann wieder über die gesamte Ballenbreite aus.
Das soll laut Hersteller die Einsatzsicherheit bei trockenen Bedingungen erhöhen, was sich bei unserem Praxistest bestätigt hat. Natürlich steht dieser erhöhten Zuverlässigkeit ein etwas höherer Folienverbrauch gegenüber.

Einfache Bedienung über Terminal

Alle Einstellungen lassen sich über diverse ISOBUS-Terminals vom Traktorsitz aus vornehmen. Die Bedienung ist einfach und logisch aufgebaut. Unsere Testfahrer kamen damit auf Anhieb gut zurecht. Die Parameter Umwicklungen und Bremskraft werden für die jeweilige Funktion (Netz oder Folie) gespeichert und müssen daher bei einem Wechsel nicht verändert werden. Der Fahrer kann den Bindevorgang mittels einer in der Ballenkammer installierten Kamera am Terminal mitverfolgen.
Ein einziges Mal war die Mantelfolie bei un
serem Test (über 500 Ballen) der Auslöser für eine Störung. Mantelfolien unterscheiden sich in der Materialstärke und der Vorstreckbarkeit. Zudem gibt es sie mit und ohne Kleber, was die Eigenschaften bei der Bindung beeinflusst. Der von uns verwendete Folientyp klebte nur sehr wenig. Das hat zur Folge, dass das Ende des abgeschlagenen Folienbündels nicht mit dem Ballen verklebt, sondern wie ein loser Fetzen weghängt. Da der Pöttinger-Wickelarm von unten angetrieben wird, kann es systembedingt vorkommen, dass sich der abstehende Folienfetzen im Zahnkranz des Wickelantriebes verfängt. Dieser Umstand führte einmal dazu, dass der Not-Aus-Bügel des Wickelarms ausgelöst wurde. Laut Hersteller lässt sich dieses Problem lösen, indem man eine klebrigere Mantelfolie verwendet.

Weitere Updates

Bei der Pendel-Pick-up aller Pöttinger Rundballenpressen ist neu ist, dass jetzt auch das Prallblech
mit der Einlaufrolle über seitliche Drehpunkte mitpendelt.
Quelle: Paar

In der LANDWIRT-Ausgabe 21/2017 haben wir unter dem Titel „Meisterprüfung bestanden“ den Praxistest der kleinen, variablen Press-Wickelkombi Impress 155 VC Pro veröffentlicht. Unsere diesjährige Testmaschine wartete neben der Folienbindung mit einigen weiteren Änderungen auf.
Die Pendel-Pick-up mit einem Pendelweg von etwa 12 cm ist nach wie vor mittig aufgehängt. Neu ist, dass jetzt auch das Prallblech mit der Einlaufrolle über seitliche Drehpunkte mitpendelt. Dadurch bleibt der Abstand zwischen Pick-up und Einlaufblech immer gleich. Diese Änderung ist übrigens ab sofort in allen neuen Pöttinger Rundballenpressen enthalten.
Alle variablen Rundballenpressen erhalten ab sofort einen Riemenreinigungskit, die die Einsatzsicherheit bei zuckerhältigem Futter erhöhen sollen.
Zu guter Letzt ist für die Press-Wickelkombis im Heck noch eine mechanisch aufrollbare Ablageplane erhältlich. Besteht zum Beispiel auf Feldfutterflächen die Gefahr, dass harte Stoppeln die Folie beim Ablegen des Ballens durchstechen könnten, rollt man die Plane einfach ab und beugt damit Verletzungen vor. Wird die Plane nicht benötigt, lässt sie sich im Handumdrehen mit einer Kurbel aufrollen und mit einem Splint sichern – ein praktisches Detail, das die Folie sicher schützt.
Weiterer Pluspunkt: Obwohl sie das größte Modell der Press-Wickelkombinationen von Pöttinger ist, wirkt sie kompakt. Sie hat denselben Wickler wie die kleine Schwester und ist zudem gleich lang wie diese.
Das Hauptaugenmerk dieses Praxistests galt der Folienbindung und den letztgenannten Neuerungen gegenüber unserem Test im Jahr 2017. Wie schon beim ersten Test können wir von der Impress viel Gutes berichten. Da passen die vielen versteckten Schmiernippel neben der Zentralschmieranlage für Lager ganz und gar nicht dazu.
Immerhin hat die Impress 185 VC Pro in der Standardausführung einen Listenpreis von 149.912 Euro inkl. 20 % MwSt. Die neue Mantelfolienbindung mit Überwachungskamera kostet zusätzlich 6.238 Euro.