BioAcker und GrünlandParabel statt parallel

Parabel statt parallel

Die beiden Entwickler Michael Lamprecht (links) und Wolfgang Matzer (rechts) beim Referenzieren mit dem Handy. Fotos: Böck

Von Alexander BÖCK, LANDWIRT Redakteur

Der Vorderreifen in der Spur, der Hinterreifen rutscht schon etwas nach unten, der Hydraulikrahmen reagiert sofort und drückt die Hackelemente nach oben – und schon beginnen die Schare, die ersten Maispflanzen abzusäbeln. Jeder Landwirt, der schon einmal im hügeligen Gelände quer zum Hang gehackt hat, kennt das Szenario – und das Zähneknirschen, das darauf folgt. Eine richtige Lösung für das Problem konnte die Landtechnik bis dato aber leider nicht anbieten. Eine Tatsache, mit der sich der junge Landwirt Michael Lamprecht aus der hügeligen Südoststeiermark nicht zufriedengeben wollte. Er entwickelte zusammen mit seinen drei Kollegen Ewald Ulrich, Stefan Strobl und Wolfgang Matzer ein etwas anderes System. Dafür wurden sie 2018 beim Innovationspreis der Österreichischen Jungbauernschaft mit dem 1. Platz bedacht.

Parallel verschieben

Derzeit gehören Hackgeräte mit Parallelverschieberahmen zum Standard. Hier wird eine Kamera am Gerät montiert, diese lokalisiert eine Pflanze und der Rahmen verschiebt sich hydraulisch. Eine tolle Sache, doch gehen mit diesen Geräten auch ein paar Nachteile einher. Nachteile, die es für Michael Lamprecht und sein Team auszumerzen galt. „Da wäre zum einen das höhere Gewicht des Verschieberahmens, dann benötigt der Rahmen auch Platz und versetzt den Schwerpunkt der Hacke weiter nach hinten“, erklärt der junge Landwirt. „Dadurch eignen sind ältere und kleinere Traktoren nur mehr bedingt für diese moderne Technik. Außerdem ist keine generelle Kompatibilität zwischen den verschiedenen Herstellern in Bezug auf Lenkrahmen und Hackgeräte gegeben. Die Möglichkeit, alte bestehende Hackgeräte nachzurüsten, gibt es nicht.“ Mit dem System „PFA-Row-Tracking“ wollen Lamprecht und seine Kollegen dem entgegenwirken. Es ist sehr einfach aufgebaut: Die Kamera wird über ein teleskopierbares Gestänge am Traktor befestigt. Der Abstand der Kamera zum Traktor wird durch die Reihenweite bestimmt. Dahinter am Gerät wird eine Referenztafel montiert und danach beim Unterlenker eine hydraulische Seitenstrebe verbaut. Zusätzlich kommt noch ein kleiner Steuerkasten für die manuelle Bedienung auf die Kabine.

Die hydraulische Seitenstrebe ist für die Parabelverschiebung
zuständig.

Parabel verschieben

Bei der Inbetriebnahme wird die Kamera mit der Tafel referenziert. Dazu sind lediglich ein Mobiltelefon und die eigens entwickelte „Pathfinder-App“ notwendig. Ein separates Terminal o.ä. ist nicht notwendig. Zum Referenzieren muss die Kamera immer die Tafel und die Pflanzenreihe im Blick behalten, ein Knopfdruck auf der App reicht. Auf der Kamera selbst befinden sich zwei Lampen, Rot und Grün. Wenn die grüne Lampe leuchtet, funktioniert alles. Wenn es bei der Fahrt nun zu Unregelmäßigkeiten – wie eine Kurve, Unachtsamkeit des Fahrers – kommt, sendet die Kamera ein Signal über einen Steuerkasten an die hydraulische Seitenstrebe, die dann entweder kürzer oder länger wird und somit das Hackgerät nach links oder rechts bewegt. „Eben durch diese Parabelverschiebung ist es möglich, dass das Gerät selbst am Hang, bei abrutschendem Traktor, die Ideallinie hält“, erklärt Wolfgang Matzer, einer der Entwickler.

Die Kamera muss die Tafel und auch die Reihe im Blick haben.
Start im Herbst

Einen fixen Preis können die Entwickler derzeit noch nicht nennen. Matzer schätzt aber, dass das System rund 10.000 Euro kosten wird. Auch wenn es bereits gut funktioniert, wollen die Entwickler mit dem Vertriebsstart noch etwas warten. Derzeit befinden sich sechs Prototypen bei Praktikern, wo sie einem Stresstest unterzogen werden. „Wenn das OK der Praktiker nach dem Ender der Hack-Saison erfolgt, steht einer Vermarktung nichts mehr im Wege.“ so Matzer.

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen LANDWIRT Bio-Ausgabe 4/2019. Bestellen Sie gleich ein Probeheft!