BioAcker und GrünlandÖsterreich: Immer mehr Bio-Flächen

Österreich: Immer mehr Bio-Flächen

Beim Dinkel beträgt der Bio-Anteil 73 %. Foto: Agrarfoto

Die Bio-Agrarfläche – insbesondere die Bio-Ackerfläche – wächst laut einer Hochrechnung der Daten des AMA-Herbstantrages auf ein neues Rekordniveau. Die endgültigen Daten der Bio-Flächenzunahme und der Flächensituation beider Bewirtschaftungssysteme (biologisch und konventionell) im Detail steht erst nach der Abgabe des MFA Mitte Mai zur Verfügung. Die Zunahme der Ackerfläche wird nach derzeitigen Hochrechnungen auf 23.000 ha geschätzt. Damit wird das doppelte Ausmaß der Vorjahreszunahme (10.000 ha) und auch eine Steigerung zur Ausdehnung aus 2017 (22.000 ha) erreicht. Auch das biologisch bewirtschaftete Grünland wird um 4.000 ha ausgedehnt, während Bio-Wein auf zusätzlichen 600 ha kultiviert wird.

Die gesamte Agrarfläche wird nach dieser Hochrechnung zu 23 % biologisch bewirtschaftet, wobei das Grünland mit 31 % traditionell den höchsten Bio-Anteil aufweist, da hier die Unterschiede beider Bewirtschaftungssysteme geringer sind. Die Spezialkulturen (diverse Obstarten) können ebenfalls einen hohen Bio-Anteil (30 %) aufweisen. Betrachtet man die Zunahme der Bio-Flächen, so ist insbesondere die Bio-Ackerflächenausdehnung im Trockengebiet Niederösterreich und Burgenland hervorzuheben: 80 % der Bio-Ackerflächenausdehnung findet in Niederösterreich statt, während das Burgenland 13 % der erweiterten Bio-Ackerfläche aufweisen kann. Damit steigt der Bio-Anteil am Ackerland in Niederösterreich auf 21 % und im Burgenland auf 35 %. Die hohen Bio-Zunahmen im Trockengebiet sind durch zwei unterdurchschnittliche Ernten und gedrückte Preise für konventionelles Getreide (weltmarktbedingt) zu erklären. Betrachtet man die Erzeugerpreise für konventionelles und biologisches Mahlgetreide, so liegt der Bio-Preis 2,5-Mal so hoch wie sein konventionelles Pendant. Die Differenz der Hektarerträge beider Bewirtschaftungssysteme ist hingegen in einem trockenen Jahr bzw. im Trockengebiet geringer. Der Weichweizenertrag ist beispielsweise in Niederösterreich nur um 34 % geringer, während im regenreicheren Oberösterreich die Bio-Landwirte 44 % weniger ernten.

Bemerkenswert ist außerdem ein gravierender Unterschied des Bio-Anteils der einzelnen Kulturen (Detaildaten nur aus 2018 verfügbar):

Die robuste, alte Getreideart Dinkel (73 %), sowie Körnerleguminosen (Ackerbohne: 70 %, Körnererbse 38 %, Sojabohne 29 %) weisen aufgrund ihrer Symbiose mit Knöllchenbakterien (kein Bedarf an N-haltigen Düngemitteln) die höchsten Bio-Anteile auf. Weichweizen liegt mit einem Bio-Anteil von 14 % in der Mitte und ist auch auf den biologisch bewirtschafteten Flächen die bedeutendste Feldfrucht. Wintergerste und Körnermais, die typischen Futtergetreidekulturen mit einem hohen Ertragspotential, weisen geringere Bio-Anteile auf (10 %). Die intensiv geführte Ölsaat Raps weist wenig überraschend den geringsten Bio-Anteil von lediglich 0,5 % auf. Die Ertragsdifferenzen beider Bewirtschaftungssysteme korrelieren negativ mit den Bio-Flächenanteilen: Der Unterschied ist bei Dinkel und Körnerleguminosen gering, bei Weichweizen mittelmäßig (34 %), bei Wintergerste und Körnermais höher (41 %) und bei Raps sehr hoch (61 %).

Im inländischen Getreideverarbeitungssektor gab es in den letzten Jahren entsprechend dem Trend zu mehr Bio Steigerungen des Bio-Anteils. Die Mühlen Österreichs verarbeiten 9 % biologisches Getreide, die Mischfutterwerke sogar 11 %, während die Industrie (Summe aus Stärke- Zitronensäure-, Malz- und Bioethanolindustrie) lediglich 4 % biologisches Getreide in ihren Werken einsetzt. Die Bio-Getreideläger der österreichischen Verarbeiter und Händler sind per Ende Dezember 2018 um 24 % höher. Insbesondere Körnermais (+30 %) und Weichweizen (+21 %) liegen mehr auf Lager.