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Nur das richtige Siliermittel wirkt

Neben der Qualität des Ausgangsmateriales und den Ernte-, Silier- und Entnahmebedingungen können Siliermittel zu der Erzeugung eines hochwertigen Grobfutters beitragen.
Quelle: ballensilage.com

Siliermittel können keine groben Fehler rund um die Futterkonservierung ausgleichen.
Aus einem schlechten Futter können sie keine hochwertige Silage machen. Eine hohe Grobfutterqualität setzt einen gut geführten Pflanzenbestand, den richtigen Erntezeitpunkt, gute fachliche Praxis während der Ernte, eine hohe
Verdichtung, eine rasche Abdeckung, eine ausreichende Gärdauer und einen hohen Vorschub voraus.
Siliermittel können Fehlgärungen verhindern und der Nacherwärmung vorbeugen.
Häufig zeigen sich auch noch Zusatzeffekte, wie eine bessere Verdaulichkeit oder eine höhere Futteraufnahme bzw. Milch- oder Mastleistung.
Besseres Grobfutter senkt das Risiko von gesundheitlichen Problemen im Stall und wirkt sich auch auf die Arbeitswirtschaft positiv aus.
Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Silierzusätzen ist die Auswahl des passenden Mittels, eine genaue Dosierung nach Herstellerangaben und eine gleichmäßige Verteilung im Futter. In der Praxis zeigen sich jedoch
genau hier die Probleme. Unterdosierung kostet Geld ohne wirklichen Nutzen, und bei manchen Mitteln sind Mindestgärdauer und -vorschub zwingend einzuhalten.

Wirkungsrichtung festlegen

Setzen Sie Siliermittel mit dem DLG-Gütezeichen ein. Sie haben ihre Wirksamkeit in unabhängigen Versuchen unter Beweis gestellt und werden kontinuierlich nachgeprüft.
Grundsätzlich wird dabei nach Wirkungsrichtungen (WR), also den Einsatzzielen, unterschieden. Hauptsächlich kommen zwei Wirkungsrichtungen in Frage:
• Vergärung verbessern (WR 1): Milchsäuregärung fördern, Buttersäuregärung hemmen
• Haltbarkeit unter Lufteinfluss verbessern (aerobe Stabilität) (WR 2): Nacherwärmung verhindern.

Beide Wirkungen können grundsätzlich über biologische (Milchsäurebakterien MSB) oder chemische Siliermittel (Siliersalze oder -säuren) erreicht werden. Die Auswahl des geeigneten Zusatzes der WR 2 hängt von den Silier-
und Entnahmebedingungen ab. Beachten Sie, dass auch DLG-geprüfte Mittel die Nacherwärmung nur um eine bestimmte Zeit herauszögern!

Bakterien brauchen Zucker

Milchsäurebakterien benötigen grundsätzlich Zucker für ihre Vermehrung, bei Zuckermangel im Aufwuchs sind daher chemische Mittel zu wählen.
Grundsätzlich gibt es zwei Gruppen von MSB. Homofermentative Milchsäurebakterien (MSBho) wandeln den Zucker im Futter schnell in Milchsäure um. Sie unterdrücken dann die meisten Gärschädlinge indem sie den pH-Wert in der Silage rasch absenken. Somit können MSBho die Vergärung (WR 1) verbessern und Verluste senken. Dies ist vor allem bei Gras- oder Kleegrassilagen oder GPS sinnvoll. Aber: In den mit MSBho behandelten Silagen ist der Essigsäuregehalt in der Regel geringer. Essigsäure schützt Silagen vor Nacherwärmung, hervorgerufen durch Hefepilze. Daher müssen bei einer Zulage von MSBho Vorschub (> 2,5 m/Woche im Sommer bzw. > 1,5 m/Woche im Winter) und Verdichtung sehr gut sein, damit die Silage in der Entnahmephase kalt bleibt.
Achten Sie auf eine an den Tierbestand angepasste Füllhöhe des Futterstockes im Fahrsilo.
Heterofermentative Milchsäurebakterien (MSBhe) bilden zunächst Milchsäure, im späteren Gärverlauf jedoch Essigsäure, teilweise auch Propylenglykol. Diese Stoffe hemmen die Vermehrung von Hefepilzen und vermindern
so das Risiko für Nacherwärmung (WR 2).
Achtung: Die gewünschte Essigsäurekonzentration wird in der Regel erst nach einer Gärdauer von etwa acht Wochen erzielt. Entsprechend lange muss das Silo geschlossen bleiben.
Die Vorteile der beiden Gruppen an MSB sind in Kombinationsmitteln MSBho+he vereint, die dann beide WR (1+2) abdecken. Sinnvoll ist der Einsatz z.B. in Grassilagen, wenn Probleme mit der Verdichtung und/oder dem Vorschub
erwartet werden. Beim Einsatz von MSB ist jedoch auch der TM-Gehalt im Futter zu beachten, da die MSB bei unterschiedlichen TM-Gehalten ihre optimale Wirkung entfalten.
MSB-Präparate kosten zwischen 0,70–2 €/t FM.

Chemische Mittel für Extreme

Chemische Siliermittel basieren auf Säuren oder den entsprechenden Salzen. Salze sind üblicherweise weniger korrosiv und insgesamt anwendungsfreundlicher.
Chemische Mittel verhindern gezielt das Wachstum von Gärschädlingen bzw. senken je nach Aufwandmenge den pH-Wert. Je schwieriger die Bedingungen, desto höher ist die Wirkungssicherheit im Vergleich zu MSB. Zudem
können sie auch bei Zuckermangel eingesetzt werden. Jedoch muss ein säurefestes Dosiergerät vorhanden sein, das für höhere Aufwandmengen geeignet ist. Die Aufwandmenge ist meistens vom TM-Gehalt des Futters abhängig.
Beachten Sie diesbezüglich die Herstellerangaben und prüfen Sie die Dosierung während der Ernte. Chemische Mittel der WR 1 enthalten meist Ameisensäure/Formiat, (Hexamethylentetramin (HMT), Nitrit, Bisulfit
oder Sulfat. Hingegen wirken Propionsäure/Propionat, Benzoesäure/Benzoat oder Sorbinsäure/Sorbat gegen Hefepilze (WR 2) und oft auch gegen Schimmelpilze. Chemische Zusätze werden häufig auch untereinander kombiniert.
Chemische Siliermittel kosten zwischen 1,60–7,70 Euro/t FM.

LANDWIRT Tipp:

Hier finden Sie das Schema als Entscheidungshilfe für den Einsatz von Siliermitteln mit dem DLG-Gütezeichen im Milchviehbetrieb. Aufgeführt sind nur die möglichen Kombinationen, für die entsprechende Mittel mit dem DLG-Gütezeichen am Markt sind.

Annette Jilg arbeitet für den Fachbereich Grünlandwirtschaft und Futterbau des LAZBW Aulendorf (D).