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Neue Erntetechnik von New Holland

Den Mähdrescher-Serien CX 7 und CX 8 gönnt New Holland einige technische Neuerungen. (Fotos: Weninger, Hersteller)

New Holland wertet seine Rotordrescher CR 7 und CR 8 sowie die Fünfschüttler-Maschinen CX 7 und die Sechsschüttler-Serie CX 8 auf. Allesamt kommen nun mit neuen FPT-Motoren der Stufe V (dank wartungsfreiem SCR-System ohne Abgasrückführung) auf den Markt. Das Design der großen CX ist jetzt an jenes der CR angepasst: Der Korntank ist (endlich) wieder gelb. Das erleichtert die Kontrolle der Kornqualität beim Blick über die Schulter. Noch mehr Licht sollte New Holland auch ins Dunkel des Siebkastens bringen: Im CR ist er schon wieder gelb, in den neuen CX leider noch immer nicht.

Dreschtrommel mit geteilten Schlagleisten

Das Dreschsystem mit vier Trommeln (ab 1994 im TX) und der 750 mm großen Dreschtrommel ist seit der ersten CX-Vorstellung im Jahr 2001 bekannt. Daher sah New Holland die Zeit für ein Update gekommen. Die spannendste Neuerung ist eine Dreschtrommel mit versetzt angeordneten Schlagleisten. Sie verlaufen also nicht durchgehend über die gesamte Trommelbreite, sondern abwechselnd in einzelnen Segmenten. Wegen der fünf Scheiben aus massivem Guss ist sie ordentliche 300 kg schwer – das sorgt laut New Holland für mehr Durchzug, eine höhere Laufruhe und weniger Lastspitzen. Der Hersteller gibt einen um 16 % geringeren Leistungsbedarf (somit Treibstoffeinsparung) und 10 % mehr Durchsatz beim Rapsdrusch an. Auch der Gutfluss soll so verbessert und der Geräuschpegel in der Kabine verringert werden. Für den Maisdrusch werden Abdeckbleche eingeschraubt. Die neue Trommel ist zuerst für die Baureihe CX 8 erhältlich. Schönes Detail: sie kann auch in älteren Modellen nachgerüstet werden.

Die Schlagleisten der neuen Dreschtrommel sind für mehr Laufruhe versetzt angeordnet.

Serienmäßig bei allen Fünf- und Sechsschüttlern der CX-Serie ist künftig die elektrische Verstellung des Korbes unter dem Zentrifugalabscheider. Dabei sind fünf Stufen von 20 bis 60 mm möglich. Bisher waren zwei Positionen (Getreide bzw. Mais) möglich, die man manuell ändern musste. Für die Strohleittrommel sind optional vier austauschbare, PU-beschichtete Edelstahlleisten zu haben. Damit sollen laut New Holland um bis zu 30 % weniger Bruchkorn möglich sein. Um den Bruchkorn- Anteil weiter zu senken, wird ein Bausatz für eine reduzierte Trommeldrehzahl erhältlich sein. Oft sind es die einfachen Dinge: Sensoren an der Steinfangmulde zeigen nun im Terminal an, ob diese geöffnet oder geschlossen ist. Für die CX-Drescher sind jetzt auch die Spreuverteiler aus der CR-Baureihe erhältlich. Ihre Drehzahl lässt sich von der Kabine aus anpassen, ebenso wie das Umschalten zwischen Häckselbetrieb und Schwadablage.

Auch in der Kabine fällt dem Fahrer Neues auf. Die dunklere Farbgebung vermindert laut New Holland Spiegelungen in der Frontscheibe, vor allem während der Nachtarbeit mit Scheinwerferlicht. Die dunkelfarbigen Verkleidungen sind zudem unempfindlicher gegen Verschmutzung. Elemente aus gebürstetem Aluminium werten die Optik zusätzlich auf. Die Bedienung selbst bleibt unverändert. Um dem Fahrer waghalsige Klettereien zu ersparen, ist der Arm des rechten Außenspiegels jetzt optional elektrisch einklappbar.

Das dunklere Interieur in der Kabine der neuen CR- und CX-Mähdrescher ist weniger anfällig für Schmutz und Spiegelungen.

Bandschneidwerke und Einstell-App

Bei den CR-Rotordreschern fällt das Update etwas kleiner aus. Auch hier sind das neue Kabineninterieur und die Stufe V-Motoren zu nennen. Bei fast allen Modellen hat New Holland die Motorleistung erhöht, teilweise um bis zu 5 %. Auch die Druschleistung der schmaleren Maschinen mit den 17 Zoll großen Rotoren soll um 10 % höher ausfallen. New Holland baut dazu höhere Rotorabdeckungen ein. Die damit eingesparte Antriebskraft steht insgesamt wieder als Mehrleistung zur Verfügung. Der Abscheidekorb ist jetzt um 75 % größer, die Abscheideklappen können nun geöffnet und geschlossen werden. Zudem beträgt die Drehzahl der Auswurftrommel künftig 1.030 statt 800 U/min. In den Topmodellen CR 9.90 und CR 10.90 haben die Ingenieure das Fördervolumen des Kornelevators um 10 % erhöht.

Dem Trend zu Bandschneidwerken folgt nun auch New Holland und bietet seine in Übersee bekannten Vorsätze jetzt auch in Europa an. Sie sind in Breiten von 9,15 bis 13,70 m erhältlich, jeweils mit starrem oder flexiblem Messerbalken. Hinten im Tisch sorgt eine zusätzliche Förderschnecke auch bei der Rapsernte für einen störungsfreien Gutfluss.

Für die Einstellung von Mähdreschern bietet New Holland ab nun eine App namens Grain Loss Calculator an. Die App umfasst sämtliche Mähdrescherfabrikate und –modelle. Damit kann der Landwirt die Kornverluste in drei Schritten bestimmen: Eingabe des Mähdrescherfabrikats sowie der Schneidwerksund Siebkastenbreite, Wahl der zu dreschenden Frucht (30 Fruchtarten hinterlegt) und Eingabe des Ertrags sowie Eingabe der gezählten Verlustkörner. Die App ermittelt die Kornverluste, das Ergebnis wird in Prozent und in Kilogramm pro Hektar angezeigt. Sie ist für die Betriebssysteme iOS und Android verfügbar (über App Store und Google Play).

Das Ende der Garnschnipsel

Als wahre Innovation bezeichnet New Holland den neuen Doppelknoter „Loop Master“ für die Großballenpressen. Dieser hinterlässt am Ballen oder am Feld keine Garnreste mehr, wie es sonst bei den bisher am Markt gängigen Doppelknoter-Systemen üblich ist. Dafür ist der erste Knoten am Ballen ein Deering-Standardknoten, der zweite Knoten am Balken ein Cormick Loop-Knoten (mit Schlaufe). Letzterer soll eine um 15 % höhere Garnfestigkeit ermöglichen. Bei der Einfachknoter- Technik eines Mitbewerbers würden zwar ebenfalls keine Kunststoff-Schnipsel anfallen, jedoch ist laut New Holland dabei nur eine begrenzte Ballendichte möglich. Bei 10.000 gepressten Ballen pro Saison vermeidet eine Presse mit Loop Master Knotern laut New Holland Garnrückstände mit einer Länge von zusammen 6 km. Der von New Holland patentierte und von Rasspe gebaute Loop Master wird ab sofort serienmäßig in allen BigBaler Plus-Modellen eingebaut und kann auch nachgerüstet werden.

Der neue Doppelknoter
namens Loop Master hinterlässt keine Garnreste mehr.

Keine Chance für den Maiszünsler

Eine weitere Neuheit aus der Erntetechnik vermeldet New Holland für seine FR-Feldhäcksler, genauer gesagt, für deren Erntevorsätze. Ab Werk ist jetzt ein achtreihiges Maisgebiss erhältlich, auf dem der Kemper Stalkbuster montiert ist. Dieser war bisher nur für einen Mitbewerber erhältich; bei zwei anderen Häcksler-Fabrikaten ist die Montage technisch gar nicht möglich, so New Holland. Der Stalkbuster zerkleinert (zur Bekämpfung des Maiszünslers) die Maisstoppeln direkt hinter dem Maisgebiss, noch bevor sie von den Rädern niedergedrückt werden. Der Kraftbedarf beträgt zusätzlich 4 PS pro Reihe. Im Vergleich zum Mulchen soll das Verfahren 84 Euro pro Hektar einsparen. Das bei der letzten Agritechnica mit einer Goldmedaille ausgezeichnete System ist auf einen Reihenabstand von 75 cm optimiert.

Den Stalkbuster bietet jetzt auch New Holland ab Werk für ein achtreihiges Maisgebiss an.

T5 mit neuem Lastschaltgetriebe

Die neue Traktorbaureihe T5 stellte New Holland als erste der drei CNH-Marken letzten Herbst auf der Fachmesse EIMA in Bologna vor, damals mit dem stufenlosen Auto Command- Getriebe. Während nun auch die Konzernbrüder auf dem Markt sind (siehe LANDWIRT- Ausgabe 16/2019), geht New Holland jetzt einen Schritt weiter. Und präsentiert den T5 zur Agritechnica mit dem neuen Dynamic Command-Getriebe und einer ebenfalls neuen Niedrigdach-Version mit größerem Dachfenster. Das achtstufige Doppelkupplungsgetriebe bietet 24/24 Gänge in drei Gruppen, Automatikfunktionen inklusive. Der T5 Dynamic Command wird wie der stufenlose T5 vom FPT-Vierzylindermotor mit 4,5 l Hubraum angetrieben. Im Topmodell T5.140 erreicht er eine Maximalleistung von 140 PS. Die Axialkolbenpumpe des Hydrauliksystems liefert 80 l/min, auf Wunsch bis zu 110 l/min. Ein neues Bedienkonzept (wie beim rot-weißen Bruder) hat New Holland bisher nicht vorgestellt, der T5 kommt mit der bekannten Sidewinder II Armlehne auf den Markt.

Der T5 ist künftig auch mit dem achtstufigen Lastschaltgetriebe
Dynamic Command erhältlich.

Neue Software und Elektronik

AgXTend nennt CNH Industrial eine Plattform, die innovative Technologien von Start-ups dank des Vertriebsnetzes von CNH einer breiten Masse zugänglich machen soll. Zu den bereits vorgestellten Lösungen kommen jetzt weitere: Der Nachrüstsatz DepthXcontrol steuert automatisch die Arbeitstiefe von Grubbern. Unter dem Namen IsoMax wird ein Hardware-Kit für die Isobus-Technologie erhältlich sein. Die Software dafür ist offen und kann vom Anwender selbst programmiert werden. Die Wetterstation WeatherXact Pro erweitert CNH nun um das Modul BeeXpert. Dieses gibt Prognosen zur Flugaktivität von Bienen und leitet daraus Empfehlungen ab.

Diese Neuheiten waren nicht die einzigen, die wir in Leipzig sehen konnten. Weitere aus den Segmenten Traktoren und Ballenpressen will New Holland erst auf der Agritechnica offiziell vorstellen.