LandlebenNaturseife selbst herstellen

Naturseife selbst herstellen

Machen Sie Ihre eigene Seife! Foto: Bregar

Von Andrea BREGAR

Schon die Sumerer, Ägypter, Griechen und Römer beherrschten vor tausenden von Jahren das Handwerk des Seifensiedens. Unsere Großmütter haben auch noch selbst Seife hergestellt. Meist aus Holzasche und tierischen Fetten wie Schaffett und Rindertalg. Die industrielle Seifenherstellung hat diese Naturseife zwischenzeitlich verdrängt. Seit einigen Jahren jedoch erwacht wieder das Interesse an selbst hergestellter Seife.

Bunte Seifen für Kinder, milde, überfettete Seife für sehr trockene Haut, Milchseifen mit cremigem Schaum oder unbeduftete, besonders milde Seifen für Allergiker … der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Wenn die Grundregeln beachtet werden, damit die Seife auch stabil und fest wird, schäumt und reinigt, aber trotzdem pflegend wirkt, dann kann Seife zu Hause selbst hergestellt werden.

Woraus besteht Seife?

Seife entsteht durch chemische Reaktion von Fetten  (pflanzliche Fette bzw. tierische Fette) mit einer Lauge (Natriumhydroxid aufgelöst in Flüssigkeit). Vermengt man beide Komponenten in einem Topf entsteht eine Puddingartige Masse aus Salzen und Glycerin – die Rohseife. Das verwendete Werkzeug (Töpfe, Kochlöffel etc.) sollte nur zum Seifensieden verwendet werden und nicht anderwertig in der Küche. Es soll aus Edelstahl, Email (unbeschädigt), Glas oder Kunststoff bestehen. Arbeitsplatten bzw. Böden sollen immer gut abgedeckt werden. Holz wird fleckig vom sogenannten Seifenleim (= rohe Seifenmasse).

 

ACHTUNG: 

Natriumhydroxid (Ätznatron, Laugenstein) ist stark ÄTZEND und nur unter Sicherheitsmaßnahmen zu verarbeiten. Natriumhydroxid auf der Haut oder in den Augen kann zu schweren Verätzungen bzw. zur Erblindung führen. Das Einatmen des Dampfes, der bei der Auflösung des Natriumhydroxids im Wasser entsteht, kann schlimme Folgen in Rachenraum, Speiseröhre und Luftröhre nach sich ziehen. Schutzkleidung, -brille und -handschuhe sind unerlässlich. Den Behälter mit Natriumhydroxid unbedingt immer unerreichbar für Kinder lagern!

Anleitung zum Seifensieden

Bitte beachten Sie, dass Seifensieden aufgrund des Umganges mit Natriumhydroxid viel Ruhe, Konzentration und auch Erfahrung benötigt. Die Zutaten verhalten sich je nach Zusammenstellung oft sehr unterschiedlich und eine intensive Auseinandersetzung mit einschlägiger Literatur ist unumgänglich. Ein Artikel wie dieser stellt keine vollständige Anleitung zum Seifensieden dar! Unter folgenden Link können Sie genaue Beschreibungen über Berechnung von Rezepten sowie den Ablauf der Verseifung nachlesen.

  • Natriumhydroxid wird genau nach Rezept abgewogen und in der angegebenen Flüssigkeitsmenge im kalten Wasserbad aufgelöst. Dabei erhitzt sich die Flüssigkeit stark und es entstehen reizende Dämpfe.

(als Flüssigkeit können destilliertes Wasser, Tee, Wein, Kaffee, Milch, Fruchtsäfte etc… verwendet werden. Die Flüssigkeit muss kalt sein!)

  • Die Fette werden ebenso grammgenau abgewogen, feste Fette geschmolzen und mit den flüssigen Fetten vermengt.

(es kann JEDES Fett verwendet werden: z.B. Olivenöl, Kokosfett, Rindertalg, Rapsöl, Mandelöl, Sheabutter,  ja auch Kernöl )

  • Wenn Lauge und Fett dieselbe Temperatur haben (35 – 45 °C), wird die Lauge vorsichtig durch ein Sieb in den Topf mit den Fetten gegossen und die Masse mit einem Stabmixer gut durchgemixt. (Vorsicht Spritzgefahr!)
  • Die Masse wird relativ schnell homogen und dicker, wie etwa heißer Pudding. Nun können bereits vorbereitete Zusatzstoffe wie Kräuter, ätherische Öle zur Beduftung oder Färbemittel dem Seifenleim zugefügt werden.

(Kräuter können frisch oder getrocknet verwendet werden. Die meisten Kräuter verfärben sich in der Seife leider braun. Ringelblume behält eine schöne, leuchtende, orange Farbe. Auch Tonerden können als natürliches Färbemittel eingesetzt werden. Zum Beduften verwendet man ätherische Öle. Wer Erdbeer-, Honig- oder z.b. Milchduft möchte, muss auf Parfumöle zurückgreifen. Hier muss beim Hersteller nachgefragt werden, ob diese Öle zur Seifenherstellung geeignet sind. )

  • Dieser mit Duft und Farbe angereicherte Seifenleim wird nun in Formen gegossen und nach ca. 24 Stunden kann das Seifenstück ausgeformt und aufgeschnitten werden. Der Verseifungsprozess ist jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen. Die Seife muss noch mindestens 6-8 Wochen an einem trockenen und kühlen Ort nachreifen!

(Als Seifenformen können Kunststoffformen, Holzformen oder auch Silikonformen verwendet werden)

An die Haut angepasst

Der Vorteil dieser Naturseifen ist, dass das bei der Verseifung entstehende, hautpflegende Glycerin erhalten bleibt und auch der gewünschte Grad der sogenannten „Überfettung“ der Seife selbst bestimmt und auf die eigenen Hautbedürfnisse abgestimmt werden kann. So wirkt die Seife rückfettend und die Haut fühlt sich nach dem Waschen nicht trocken und rau an. Wer seine Hände regelmäßig mit Naturseife wäscht, muss diese nach dem Waschen auch nicht mehr eincremen.

Die Verwendung sehr hochwertiger und hautpflegender Öle wie z.B. Olivenöl, Sheabutter  oder Mandelöl kommen der Haut sehr zugute. Natürlich können auch tierische Fette wie Schweineschmalz, Rindertalg oder Schaffett sowie auch das Wollfett (Lanolin) bzw. Bienenwachs in kleinen Mengen verwendet werden. Mit diesen tierischen Fetten kann man außerordentlich schöne, glatte, feste Seifen mit cremigem Schaum herstellen und sie pflegen die Haut auch noch wunderbar. Der Einsatz von tierischen Fetten soll sich jedoch auf ca. 30 % begrenzen, da ansonsten auch der meist recht strenge Duft dieser Fette durchkommt. Mit der richtigen Mischung von fetten Ölen und dazu einer angenehmen Mischung aus ätherischen Ölen kann man diesem „Problem“ jedoch sehr gut entgegenwirken.

 

Vorsicht beim Verkauf

Seifensieden ist ein wunderbares Hobby. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und es bestehen unendlich viele Möglichkeiten, eine Seife zu gestalten oder mit interessanten, pflegenden Zusatzstoffen zu bereichern.

Wenn Sie Ihre selbst hergestellte Seife ab Hof verkaufen möchten, so bedenken Sie bitte, dass die Herstellung und der Verkauf dieser Seifen durch das Kosmetikschutzgesetz geregelt sind und daher bestimmte Auflagen erfüllt werden müssen.

 

Hier finden Sie eine Anleitung zur Herstellung von Schmierseife

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